Mit Pulver befüllte Bälle 31.05.2016, 09:56 Uhr

Diese Drohne legt kontrolliert Feuer

Eine kleine Drohne schießt mit Pulver befüllte Tischtennisbälle ab, die sich kurz darauf entzünden und gezielt Brände verursachen. Die feuerlegende Drohne wurde an der Universität Nebraska entwickelt und in der Prärie von Nebraska getestet – zum Schutz von Umwelt und Menschen.

Mit dieser Drohne kann gezielt Feuer gelegt werden. Dafür haben Wissenschaftler einen Aufbau für eine kommerzielle Drohne gebaut. Den inzwischen vierten Prototyp haben sie jetzt unter realen Bedingungen getestet. Erfolgreich. 

Mit dieser Drohne kann gezielt Feuer gelegt werden. Dafür haben Wissenschaftler einen Aufbau für eine kommerzielle Drohne gebaut. Den inzwischen vierten Prototyp haben sie jetzt unter realen Bedingungen getestet. Erfolgreich. 

Foto: University of Nebraska-Lincoln

An einem warmen Frühlingstag steht die „Feuer-Crew“, gekleidet in gelber flammenabweisender Schutzkleidung, in einem der Nationalparks im Südosten des US-Bundesstaates Nebraska. Die Feuerwehrleute wollen in der mit hohem Gras bewachsenen Prärie auf einem zehn Hektar großen Gebiet vorsätzlich Feuer legen und testen dafür eine neue Drohne, die ihre Arbeit sicherer machen soll.

Die Forscher beim Praxistest.

Die Forscher beim Praxistest.

Quelle: University of Nebraska-Lincoln

Entwickelt wurde das unbemannte Fluggerät von einem Team der University of Nebraska-Lincoln.

Drohne wird an gefährlichste Stelle geschickt

Mark Engler betreut die Gedenkstätte Homestead National Monument of America, einer der ältesten Farmen, die von den frühen amerikanischen Siedlern aufgebaut wurden. Die Hochgras-Prärie des Farmlandes wird so gut wie möglich intakt gehalten, um bestimmte Pflanzenarten zu fördern und zum Beispiel den Bewuchs von Zedern zurückzuhalten.

Die Idee hinter der Feuerdrohne: Sie kann die Arbeit bei Brandrodungen für Menschen sicherer machen und zudem das Feuer aus der Luft überwachen.

Die Idee hinter der Feuerdrohne: Sie kann die Arbeit bei Brandrodungen für Menschen sicherer machen und zudem das Feuer aus der Luft überwachen.

Quelle: University of Nebraska-Lincoln

Dafür werden regelmäßig und gezielt Brände gelegt. Die neue Drohnen-Technik, meint Mark Engler, sei ein wichtiges Instrument, um neue Methoden zu testen und die Gesundheit der Prärie zu erhalten.

Bevor die Drohne einsatzbereit ist, müssen in den Aufbau noch die Tennisbälle eingesetzt werden. Diese sind mit Kaliumpermanganat-Pulver gefüllt. Vor dem Start wird ihnen noch einzeln Glycerin injiziert.

Bevor die Drohne einsatzbereit ist, müssen in den Aufbau noch die Tennisbälle eingesetzt werden. Diese sind mit Kaliumpermanganat-Pulver gefüllt. Vor dem Start wird ihnen noch einzeln Glycerin injiziert.

Quelle: University of Nebraska-Lincoln

Wissenschaftler Sebastian Elbaum von der Universität von Nebraska erklärt den Brandablauf. Zunächst legen die Feuerwehrleute mit Gasbrennern das Feuer von Hand und zwar in Form eines großen Hufeisens. Anschließend wird die Drohne losgeschickt, die weitere Feuerherde im Innern des Hufeisens legt – dort, wo es für den Menschen am gefährlichsten ist. Anschließend bleibt die Drohne in der Luft und über dem Feuer, um per Kamera Informationen zum Brand zu sammeln.

Tischtennisbälle fangen durch eine chemische Reaktion Feuer

Zwei Jahre lang haben die Wissenschaftler an der Feuer-Drohne getüftelt. Mittlerweile gibt es den vierten Prototyp. Grundlage war eine kommerzielle Drohne, für die ein spezieller Aufsatz gebaut wurde. Der besteht aus einem Abschussrohr aus Kunststoff, das mit Tischtennisbällen geladen wird.

Damit über eine chemische Reaktion mit den pulvergefüllten Tischtennisbällen ein Feuer gelegt werden kann, muss ihnen noch Glycerin gespritzt werden.

Damit über eine chemische Reaktion mit den pulvergefüllten Tischtennisbällen ein Feuer gelegt werden kann, muss ihnen noch Glycerin gespritzt werden.

Quelle: University of Nebraska-Lincoln

Diese wiederum sind mit Kaliumpermanganat-Pulver gefüllt und werden einzeln vor dem Start mit Glycerin injiziert. Nachdem die Kugeln abgefeuert wurden und auf dem Boden aufschlagen, läuft innerhalb von 60 Sekunden eine chemische Reaktion ab, die ein Feuer verursacht.

Der Test im Grasland von Nebraska war ein Erfolg, bestätigten die Feuerwehrleute. Weitere Feuer sollen demnächst im Badlands National Park in South Dakota gelegt werden. Dort ist das Terrain bewaldet und zerklüftet, was den Einsatz der Drohne noch wertvoller machen könnte, weil die Navigation im Gelände für die Feuerwehr äußerst schwierig ist.

„Ein Gerät wie die Drohne könnte erheblich dazu beitragen solche gezielt gelegten Brände sicherer zu machen“, glaubt Mark Engler. In ein bis zwei Jahren soll die feuerlegende Drohne marktreif sein.

2017 will eine englische Firma eine Drohne mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen, die nonstop zwei Stunden fliegt. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

  • Gudrun von Schoenebeck

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