Welt-Roboter-Report 2016 04.10.2016, 11:59 Uhr

Deutschland führend beim Einsatz von Industrierobotern

Mit einem Einsatz von 301 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigte liegt Deutschland weltweit auf Rang 4. Auch die restliche EU besetzt im Wettlauf um die Automation einen Spitzenplatz. Die Wachstumsmärkte aber liegen in China, Südkorea, Japan und den USA. 

Schweißroboter im Porsche-Werk Leipzig: Beim Einsatz von Industrie-Robotern liegt Deutschland mit 301 Robotern pro 10.000 Beschäftigte weltweit auf Rang 4. 

Schweißroboter im Porsche-Werk Leipzig: Beim Einsatz von Industrie-Robotern liegt Deutschland mit 301 Robotern pro 10.000 Beschäftigte weltweit auf Rang 4. 

Foto: Jan Woitas/dpa

Bis 2019 werden mehr als 1,4 Millionen neue Industrieroboter rund um den Globus installiert und damit die Gesamtzahl auf 2,6 Millionen. Einheiten heben. So lautet die jüngste Prognose des Weltbranchenverbandes International Federation of Robotics (IFR) in seinem aktuellen Welt-Roboter-Report 2016. Der weltweite Wettlauf um die Automation im produzierenden Gewerbe ist in vollem Gange. Der Markt wächst, in einigen Ländern etwas verlangsamt, dafür boomt der Absatz in anderen Staaten.

Deutschland und die Europäische Union

In Deutschland kommen auf 10.000 Beschäftigte 301 Industrieroboter, das bedeutet Rang 4 weltweit. Mehr Roboter setzen nur noch Südkorea (531), Singapur (398) und die Japaner (305) ein. Auch die Europäische Union besetzt einen Spitzenplatz in dieser Rangliste, denn mehr als 65 % der Länder mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von Industrie-Robotern pro 10.000 Arbeitnehmer stammen aus der EU. In der Automobilbranche wird die Roboterdichte besonders deutlich: Bei den Top-10 liegt die Hälfte der Länder in der EU.

In Deutschland gab es 2015 jedoch nur ein leichtes Wachstum bei den neu installierten Robotern: von 20.051 auf 20.105 Einheiten. Die deutschen Roboterhersteller erhöhten zwar ihre Exporte 2015 um 6 %, die Produktion ging jedoch um 5 % zurück. Gleichzeitig wuchsen die Roboterimporte um 13 %. 2016 soll der Verkauf von Robotern in Deutschland laut IFR nur leicht wachsen oder auf dem Niveau von 21. 000 Einheiten stagnieren.

Grafik Roboterdichte in der EU: Mehr als 65 % der Länder mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von Industrie-Robotern pro 10.000 Arbeitnehmer stammen aus der EU.

Grafik Roboterdichte in der EU: Mehr als 65 % der Länder mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von Industrie-Robotern pro 10.000 Arbeitnehmer stammen aus der EU.

Foto: IFR

Die stärksten Wachstumszahlen in Europa schreiben die Staaten in Zentral- und Osteuropa – das Verkaufsplus lag 2015 bei 25 %. Auch 2016 wird mit einem Plus von 29 % gerechnet. Der Weltbranchenverband rechnet damit, dass sich das durchschnittliche Wachstum in den nächsten Jahren bei 14 % einpendeln wird. Die größten Aufsteiger bei der Installation von Industrierobotern sind Tschechien und Polen.

Riesiger Wachstumsmarkt China

Führender Absatzmarkt bei den Industrierobotern ist China, wo im vergangenen Jahr 68.600 Einheiten verkauft worden sind. Das waren nicht nur 20 % mehr als 2014 sondern auch mehr als in allen europäischen Märkten zusammen (50.100 Einheiten) verkauft wurden. Der Branchenverband prognostiziert für dieses Jahr ein weiteres Wachstum um 30 % und für die nächsten Jahre um durchschnittlich 20 % auf über 400.000 Einheiten.

Ihr selbst gestecktes Ziel würden die Chinesen damit allerdings dennoch nicht erreichen. Im nationalen Zehn-Jahres-Plan „Made-in-China-2025“ lauten die von Peking anvisierten Zahlen, dass bis 2020 eine Roboterdichte von 150 Einheiten erreicht werden soll. Das ist ehrgeizig, denn aktuell hinkt China mit 49 Einheiten deutlich hinter Europa her. Um den Plan zu erfüllen, müsste China in den kommenden Jahren mindestens 600.000 neue Industrieroboter installieren – mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr weltweit verkauft worden sind.

Führender Absatzmarkt bei den Industrierobotern ist China, wo im vergangenen Jahr 68.600 Einheiten verkauft worden sind. 

Führender Absatzmarkt bei den Industrierobotern ist China, wo im vergangenen Jahr 68.600 Einheiten verkauft worden sind. 

Foto: Peter Steffen/dpa

Nach China, Südkorea und Japan liegen die USA als Absatzmarkt für Industrieroboter auf Platz 4. In der Freihandelszone NAFTA (USA, Kanada, Mexiko) stieg die Zahl der neu installierten Industrieroboter um 17 %.

Wie wirken sich Roboterinstallationen auf den Arbeitsmarkt aus?

Der Branchenverband IFR betont in seinem Jahresbericht, dass die „enormen Roboterinstallationen einen positiven Effekt auf die Beschäftigung“ hätten. Zu sehen am deutschen Automobilsektor: Dort nahm die Zahl der Beschäftigten in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 2,5 % zu, während der operative Roboterbestand gleichzeitig um durchschnittlich 3 % lag.

Hier stützt sich der IFR auch auf eine im Juli dieses Jahres veröffentlichte Studie, die das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit der Universität Utrecht durchgeführt hat. 

Der Branchenverband IFR betont in seinem Jahresbericht, dass die „enormen Roboterinstallationen einen positiven Effekt auf die Beschäftigung“ hätten. 

Der Branchenverband IFR betont in seinem Jahresbericht, dass die „enormen Roboterinstallationen einen positiven Effekt auf die Beschäftigung“ hätten. 

Foto: Tobias Hase/dpa

Die Studie, die auf 27 EU-Länder zwischen 1999 und 2010 bezogen ist, hatte die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Arbeitsnachfrage untersucht. Die Wissenschaftler kamen darin zu dem Schluss, dass „Automatisierung durch sinkende Produktionskosten für Unternehmen und dadurch sinkende Angebotspreise zu höherer Produktnachfrage geführt hat. Die gestiegene Produktnachfrage wiederum führt  zu einem Anstieg der Arbeitsnachfrage.“

Insgesamt stellen die Wissenschaftler fest, dass der Gesamteffekt des technologischen Wandels auf die Arbeitsnachfrage zwischen 1999 und 2010 positiv war. Zwar hätten Maschinen menschliche Arbeit ersetzt und die Arbeitsnachfrage reduziert. Aber die gestiegene Produktnachfrage habe in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht.

Das wiederum sei aber nicht gleichbedeutend damit, dass mehr Jobs in der Realwirtschaft entstünden. „Aufgrund kurz- oder mittelfristiger Anpassungskosten infolge von Verschiebungen zwischen Berufen, Sektoren oder Regionen lassen sich die Effekte nicht eins-zu-eins in die Anzahl neuer Arbeitsplätze übersetzen“, sagte Ulrich Zierahn, Wissenschaftler am ZEW und Mitautor der Studie.

Sie interessieren sich für Robotik? Hier finden Sie weitere Berichte.

Von Gudrun von Schoenebeck

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