Welt-Roboter-Report 2018 23.10.2018, 15:05 Uhr

Deutschland führend beim Einsatz von Industrierobotern

Mit 322 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigte liegt Deutschland weltweit auf Rang 3. Auch die restliche EU besetzt im Wettlauf um die Automation einen Spitzenplatz. Die Wachstumsmärkte aber liegen in China, Südkorea, Japan und den USA.

Roboter in einer Autofabrik

Die Automobilindustrie hat von allen Branchen die höchste Roboterdichte.

Foto: panthermedia.net/zhuzhu

Tabelle zum Absatz von Industrierobotern pro Jahr. Tendenz: steigend

Der Absatz von Industrierobotern wird bis 2021 auf 630.000 Einheiten ansteigen, schätzt das IFR.

Foto: IFR/World Robotics 2018

Eine Übersicht über die Länder mit der höchsten Roboterdichte.

Eine Übersicht über die Länder mit der höchsten Roboterdichte.

Foto: IFR/World Robotics 2018

Übersicht über die Länder mit der höchsten Roboterdichte 2016

Im Vergleich dazu der Stand aus 2016.

Foto: IFR/World Robotics 2017

Roboterdichte in China - Tendenz stark steigend

China gehört zu den Ländern, die weniger Industrieroboter haben als der Durchschnitt der Länder. Die Wachstumsraten aber zeigen, dass sich das rasch ändern wird. 2018 ist die Roboterdichte bei 97 Einheiten je 10.000 Beschäftigte angelangt.

Foto: IFR/World Robotics 2017

Bis 2020 werden rund um den Globus rund 3,05 Millionen Industrieroboter im Einsatz sein. So lautet die Prognose des Weltbranchenverbandes International Federation of Robotics (IFR) in seinem aktuellen Welt-Roboter-Report 2018. Der weltweite Wettlauf um die Automation im produzierenden Gewerbe ist in vollem Gange. 381.000 Einheiten wurden allein im vergangenen Jahr weltweit ausgeliefert, 30% mehr als noch 2016. Die Roboterhersteller verkauften damit Produkte im Wert von 16,2 Milliarden US-Dollar, 21% mehr als noch 2016. Und in fünf Jahren sollen es nach Angaben des IFR 630.000 verkaufte Einheiten sein.

Der Grund: „Industrieroboter spielen eine Schlüsselrolle für den Fortschritt der Fertigungsindustrie“, so IFR-Präsident Junji Tsuda. Doch der Aufschwung wird maßgeblich von fünf Staaten befeuert, die gemeinsam 73% des Gesamtumsatzes bei Industrierobotern ausmachen: China, Japan und Südkorea, Deutschland sowie den Vereinigten Staaten von Amerika.

Robotermarkt Deutschland und die EU

In Deutschland kommen auf 10.000 Beschäftigte 322 Industrieroboter, das bedeutet Rang 3 weltweit. Entsprechend hat sich die Zahl verkaufter Roboter auf zuletzt 21.404 Einheiten im Jahr 2017 erhöht. Mehr Roboter setzen nur noch Südkorea (710) und Singapur (658) ein. Hinter den deutschen Unternehmen folgen Japan, Schweden, Dänemark und die USA. Anders als vielleicht vermutet, belegt die Europäische Union damit den klaren Spitzenplatz in der Rangliste der Regionen. Sie liegt mit durchschnittlich 106 Robotern pro 10.000 Beschäftigte deutlich über dem globalen Durchschnitt von 85. Die hohe Roboterdichte dort ist vor allem auf die Automatisierung in den großen Branchen, allen voran der Automobilindustrie zurückzuführen. Sie bestellt ein Drittel aller Industrieroboter weltweit. Ihre Zulieferer haben sich diesem Trend bisher weniger schnell angeschlossen, die Automatisierung wird aber auch dort stark Einzug halten. Damit sei zu rechnen, lässt das IFR wissen, „da Roboter immer kleiner, flexibler, einfacher zu programmieren und kostengünstiger werden“.

Auffällig ist neben den großen Industriestaaten der hohe Robotereinsatz in den Staaten Osteuropas. Ob Slowakei (151 Einheiten pro 10.000 Beschäftigte), die Slowenien (144) oder die Tschechische Republik (119), sie alle liegen deutlich vor Staaten wie Großbritannien und sogar China. Der Grund dürfte in der stark vertretenen Automobilindustrie liegen.

In Großbritannien dagegen hat sich mit 71 Einheiten pro 10.000 Beschäftige im Vergleich zu 2015 kein Ausbau der Automatisierung ergeben. Das Land liegt sogar noch unter dem weltweiten Durchschnitt. Die Autoren der Studie warnen, dass die dortige Industrie dringend einen Modernisierungsschub nötig hätte. Angesichts des ungewissen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen dürften sich in- und ausländische Investoren jedoch weiterhin zurückhalten.

Industrieroboter: Wachstumsmarkt China

Führender Absatzmarkt bei den Industrierobotern ist China, wo im vergangenen Jahr 138.000 Einheiten verkauft wurden. Das ist ein sattes Plus von 59% im Vergleich zum Vorjahr und macht 36% der weltweiten Anschaffungen aus. China bezieht damit mehr Roboter als Europa und Amerika zusammengenommen. Ein Großteil der Industrieroboter wird übrigens importiert, bzw. von im Land produzierenden ausländischen Firmen vertrieben. Der Inlandsmarktanteil chinesischer Roboterhersteller fiel von 31% im Jahr 2016 auf 25% im vergangenen Jahr.

Chinas selbst gestecktem Ziel kommt die Industrie damit in großen Schritten näher. Im nationalen Zehn-Jahres-Plan „Made-in-China-2025“ sieht Peking bis 2020 eine Roboterdichte von 150 Einheiten vor. Das ist ehrgeizig, weil China mit 97 Robotern je 10.000 Beschäftigte noch deutlich hinterherhinkt. Allerdings wurde die Roboterdichte in der Volksrepublik allein im Jahresvergleich 2016/17 von 68 auf 97 Einheiten erhöht. Um den Plan zu erfüllen, müsste China nun vor allem in der Produktion eigener Industrieroboter nachlegen. Das selbst gesteckte Ziel lautet 100.000 Einheiten im Jahr 2020, aktuell liegt das Land bei weniger als der Hälfte.

Über die Roboter-Pläne Chinas haben wir hier berichtet

Asien – Produzent und Nutzer von Industrierobotern

In Asien liegt die Roboterdichte bei rund 75 Einheiten pro 10.000 Beschäftigte und damit deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 85. Das liegt allerdings am geringen Automatisierungsgrad vieler Länder bei gleichzeitigem Spitzenlevel anderer.

Die beiden Spitzenreiter Südkorea und Singapur etwa haben ihre Roboterdichte im vergangenen Jahr stärker ausgebaut als alle anderen Staaten. Das liegt vor allem daran, dass die dort führenden Industrien zu den größten Nachfragern von Industrierobotern zählen. In Singapur ist es die Elektro- und Elektronikindustrie, die mit 32% nur einen Hauch weniger Industrieroboter nachfragt als die Automobilindustrie. Das IFR sieht den Grund dafür in der steigenden Nachfrage nach Elektronik-Produkten wie Batterien, Chips und Displays. „Roboter schaffen es sehr kleine Teile mit hoher Geschwindigkeit und Präzision zu bearbeiten, sodass die Elektronikhersteller gleichzeitig ihre Qualität sichern und die Produktionskosten optimieren können.“ Die Nachfrage der Branche scheint in Südkorea allerdings einen Höhepunkt erreicht zu haben, der Absatz sank 2017 erstmals.

Südkorea schließlich bietet großen Unternehmen beider Industrien eine Heimat, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass das Land beim Einsatz von Industrierobotern deutlich führt. Der größte Hersteller von Industrierobotern ist allerdings Japan. Jeder zweite Industrieroboter, der 2017 verkauft wurde, kommt von dort.

Wie wirken sich Roboterinstallationen auf den Arbeitsmarkt aus?

Der Branchenverband IFR betont immer wieder, dass die „enormen Roboterinstallationen einen positiven Effekt auf die Beschäftigung“ hätten. Hier stützt sich der Roboterweltverband auch auf eine Studie, die das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit der Universität Utrecht durchgeführt hat. Die Studie, die auf 27 EU-Länder zwischen 1999 und 2010 bezogen ist, hatte die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Arbeitsnachfrage untersucht. Die Wissenschaftler kamen darin zu dem Schluss, dass „Automatisierung durch sinkende Produktionskosten für Unternehmen und dadurch sinkende Angebotspreise zu höherer Produktnachfrage geführt hat. Die gestiegene Produktnachfrage wiederum führt zu einem Anstieg der Arbeitsnachfrage“.

Insgesamt stellen die Wissenschaftler fest, dass der Gesamteffekt des technologischen Wandels auf die Arbeitsnachfrage zwischen 1999 und 2010 positiv war. Zwar hätten Maschinen menschliche Arbeit ersetzt und die Arbeitsnachfrage reduziert. Aber die gestiegene Produktnachfrage habe in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht. Das wiederum sei aber nicht gleichbedeutend damit, dass mehr Jobs in der Realwirtschaft entstünden. „Aufgrund kurz- oder mittelfristiger Anpassungskosten infolge von Verschiebungen zwischen Berufen, Sektoren oder Regionen lassen sich die Effekte nicht eins-zu-eins in die Anzahl neuer Arbeitsplätze übersetzen“, sagte Ulrich Zierahn, Wissenschaftler am ZEW und Mitautor der Studie.

 

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