Verhängnisvoller Softwarefehler 16.04.2014, 08:00 Uhr

Betrüger holen Millionen Euro aus deutschen Spielautomaten

Falschspieler haben Glücksspielautomaten in hunderten deutschen Spielhallen um mehrere Millionen Euro erleichtert. Dabei nutzten sie einen Softwarefehler der Geräte und setzten mit einer wirren Tasteneingabe die Auszahlung in Gang.

Die Betrüger nutzten einen Softwarefehler in den Spielautomaten des Herstellers Gauselmann aus dem nordrhein-westfälischen Lübbecke. Von diesem stammen rund 100.000 Automaten in deutschen Spielhallen. 

Die Betrüger nutzten einen Softwarefehler in den Spielautomaten des Herstellers Gauselmann aus dem nordrhein-westfälischen Lübbecke. Von diesem stammen rund 100.000 Automaten in deutschen Spielhallen. 

Foto: dpa/Oliver Krato

Während in Filmen die Falschspieler in verrauchten Hinterzimmern das Ass aus dem Ärmel zaubern, überlisteten nun vermutlich professionelle Betrüger in einer konzertierten Aktion die Software der Spielautomaten des Herstellers Gauselmann. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel wurden in mehreren hundert Spielhallen in ganz Deutschland in einer Nacht gleichzeitig die Automaten geplündert. Eine bestimmte Tastenkombination sorgte dabei dafür, dass das Geld unabhängig vom Spielergebnis ausgeworfen wurde.

Geschätzter Gesamtschaden: zehn Millionen Euro

Die Tastenkombination funktionierte nur bei den Geräten des Herstellers Gauselmann. Er geht von einem Softwarefehler aus und ist davon überzeugt, dass es sich bei den Falschspielern um professionelle Betrüger handelt. Die einzelnen Spielhallen klagten über Verluste zwischen 70.000 und 100.000 Euro. 

Der Spiegel mutmaßt, dass Gauselmann, von dem rund 100.000 Spielautomaten in deutschen Spielhallen stammen, von den Spielhallenbetreibern für die Verluste haftbar gemacht wird. Nach Schätzungen beläuft sich der Schaden insgesamt auf rund zehn Millionen Euro. Laut Gauselmann sind aber die Täter zuständig für den Schadenersatz.

Betrüger gewinnen mit geheimer Tastenkombination beim elektronischen Roulette

Der Trick wurde offenbar vorher übers Internet verbreitet und in einem Video das Vorgehen gezeigt. Er funktionierte nur bei dem Spiel Roulette. Nach einem Knopfdruck, einem bestimmten Einsatz auf Schwarz und der Auswahl des Feldes „19-36“, einem weiteren Druck auf die Geldausgabe und einigen weiteren Eingaben prasselten dann die Münzen aus der Geldausgabe.

Bereits nach den ersten Meldungen im Februar hat Gauselmann damit begonnen, die Software in den Spielautomaten zu aktualisieren. Der Trick funktionierte zwar nur bei einem Spiel, aber an allen unterschiedlichen Geräten, auf denen es installiert war.

Online-Schwarzmarkt für Systemfehler floriert

Inzwischen gibt es im Internet einen Schwarzmarkt für Systemfehler: Hacker bieten ungeschlossene Software-Fehler und Sicherheitslücken in Betriebssystemen zum Verkauf an. Auch die Systemfehler von Glücksspielautomaten werden gehandelt. Daneben gibt es themenspezifische Foren, in denen Bedienungsanleitungen für entdeckte Systemfehler veröffentlicht werden.

Ein Beitrag von:

  • Andrea Ziech

    Redakteurin Andrea Ziech schreibt über Rekorde und Techniknews. Darüber hinaus ist sie als Kommunikationsexpertin tätig.

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