Landgang der Pflanzen 12.11.2025, 15:00 Uhr

407 Mio. Jahre alter Pilz erzählt die Geschichte des Lebens an Land

Ein 407 Mio. Jahre altes Fossil zeigt: Pflanzen und Pilze lebten schon früh in Symbiose – ein Schlüssel zum Erfolg des Lebens an Land.

Urzeitpflanze Aglaophyton majus

Die Urzeitpflanze Aglaophyton majus lebte in Symbiose mit einem neu entdeckten Pilz. Dieser gibt Aufschluss darüber, wie Pflanzen den Landgang schafften.

Foto: Victor O.Leshyk

Ein Fund aus Schottland liefert neue Hinweise darauf, wie Pflanzen einst den Sprung an Land schafften. Forschende haben in einem 407 Millionen Jahre alten Fossil einen Pilz entdeckt, der mit einer frühen Landpflanze in enger Verbindung stand. Die neu identifizierte Art trägt den Namen Rugososporomyces lavoisierae und lebte mit Aglaophyton majus in Symbiose – also in einer Partnerschaft, von der beide Seiten profitierten. Der Pilz versorgte die Pflanze mit Nährstoffen aus dem Boden, während er im Gegenzug Zucker erhielt.

Das Besondere daran: Es handelt sich um einen der ältesten bekannten Belege für diese Art der Kooperation, die als Mykorrhiza bezeichnet wird. Solche Lebensgemeinschaften spielen auch heute noch eine entscheidende Rolle für Pflanzenwachstum und Bodengesundheit.

Wie Mykorrhiza funktioniert

Bei einer Mykorrhiza dringt der Pilz in das Wurzel- oder Sprossgewebe der Pflanze ein. Er bildet feine Verästelungen, sogenannte Arbuskel, über die er Mineralstoffe wie Phosphor oder Stickstoff liefert. Dafür bekommt er energiereiche Zucker aus der Photosynthese. Das Prinzip ist einfach: Austausch statt Ausbeutung.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 

In der neuen Studie konnten Forschende erstmals zeigen, dass solche Strukturen bereits im Devon, also vor über 400 Millionen Jahren, existierten. Die Beziehung war damit schon zu Beginn des Lebens an Land etabliert.

„Mykorrhizen sind in Fossilienfunden sehr selten und wurden bisher noch nie im Windyfield Chert gefunden“, erklärt Dr. Christine Strullu-Derrien vom Natural History Museum in London. „Das Vorhandensein der Arbuskel zeigt, dass der Pilz die Pflanze nicht parasitierte oder sich nach ihrem Tod von ihr ernährte – stattdessen bestand eine symbiotische Verbindung.“

Ein Blick in das Innere eines Fossils

Um die uralten Strukturen sichtbar zu machen, nutzte das Team eine Kombination moderner Mikroskopietechniken. Dabei kamen Konfokalmikroskopie, Fluoreszenzlebensdauer-Bildgebung (FLIM) und Raman-Spektroskopie zum Einsatz.

Diese Methoden erlauben es, fossile Pflanzen- und Pilzgewebe anhand ihrer chemischen Signaturen voneinander zu unterscheiden. Selbst nach Hunderten Millionen Jahren bleibt eine Art optischer Fingerabdruck erhalten. So konnten die Forschenden die feinen Pilzfäden von den Pflanzenzellen trennen und ihre dreidimensionale Struktur rekonstruieren.

„Durch die Kombination von konfokaler Fluoreszenzlebensdauer-Bildgebung mit Raman-Spektroskopie können wir alte mikroskopische Lebensformen mit bemerkenswerter Präzision chemisch identifizieren“, sagte Dr. Raymond Wightman, Leiter der Mikroskopie-Arbeiten in Cambridge. „Unsere neue Technik eröffnet einen spannenden neuen Blick auf die frühesten Kapitel des Lebens.“

Der Pilz mit der rauen Sporenwand

Rugososporomyces lavoisierae zeigt mehrere Merkmale, die ihn von anderen fossilen Pilzen unterscheiden. Seine Hyphen, das sind die fadenförmigen Zellstränge des Pilzes, verzweigen sich h-förmig, seine Sporen besitzen eine raue Wand und liegen in den äußeren Schichten des Pflanzengewebes. Arbuskel entstehen in den inneren Zellen, wo der eigentliche Nährstoffaustausch stattfindet.

Damit ist klar: Die Pflanze beherbergte gleichzeitig zwei verschiedene Pilzarten, ein Hinweis darauf, dass schon frühe Landpflanzen komplexe Symbiosen eingingen.

Der Lebensraum von damals

Das Fossil stammt aus der sogenannten Windyfield-Chert-Formation in Aberdeenshire. Dort lagerten sich in heißen Quellen feine Silikatschichten ab, die Pflanzen und Mikroorganismen konservierten. Die Bedingungen erinnerten an heutige Geysire oder Thermalgebiete. So blieben selbst empfindliche Zellstrukturen erhalten, eine Art natürliches Mikroskop der Erdgeschichte.

Dr. Paul Kenrick vom Natural History Museum beschreibt die Bedeutung des Fundes so:
„Es ist außergewöhnlich, so alte Hinweise auf eine symbiotische Beziehung zu finden. Es scheint, dass Symbiosen ein notwendiger Bestandteil der Anpassung der Pflanzen an das Leben an Land waren.“

Frühe Pflanzen wie Aglaophyton hatten noch keine Wurzeln, sondern einfache Sprosse, die im Boden verankert waren. Pilze halfen ihnen vermutlich, Mineralstoffe zu erschließen und Wasser zu speichern – Fähigkeiten, die ohne Symbiose kaum möglich gewesen wären.

Eine neue Methode für alte Fragen

Die Kombination aus bildgebender Mikroskopie und chemischer Analyse eröffnet neue Wege, Fossilien zu untersuchen. Forschende können künftig unterscheiden, ob eine Struktur von einem Pilz, einer Pflanze oder einem Tier stammt – selbst wenn kein organisches Material mehr vorhanden ist.

„Das ist erst der Anfang“, sagt Professor Schornack, der die Studie mitgeleitet hat. „Wir verfügen nun über ein leistungsfähiges Werkzeug, um Strukturen zu unterscheiden, die ähnlich aussehen, sich aber in ihrer feinen Ultrastruktur unterscheiden.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.