Kein Datenspeicher 18.05.2026, 11:33 Uhr

Physikalisch hochkomplex: Der geheime Tanz der Wassermoleküle

Wasser speichert keine Informationen. Trotzdem bilden Wassermoleküle Ordnungsmuster, die Batterien und Elektrochemie beeinflussen.

Wassertropfen

Wasser wirkt chaotisch, folgt aber klaren physikalischen Regeln. Das könnte Elektrochemie und Batterien verändern.

Foto: Smarterpix / PixiArt

Wasser wirkt auf den ersten Blick wie pures Chaos. Moleküle stoßen ständig zusammen, gehen kurz Bindungen ein und trennen sich sofort wieder. Alles ist permanent in Bewegung. Lange galt deshalb die Vorstellung, dass in Flüssigkeiten vor allem Unordnung herrscht. Ganz so simpel ist es offenbar aber nicht. Forschende der Technische Universität Wien zeigen jetzt, dass Wasser durchaus kurzfristige Ordnungsmuster bildet – allerdings nur für winzige Bruchteile einer Sekunde.

Das klingt zunächst nach Grundlagenforschung ohne große praktische Bedeutung. Tatsächlich spielen genau solche Effekte in vielen technischen Bereichen eine wichtige Rolle. Etwa bei Batterien, Brennstoffzellen, Katalysatoren oder biologischen Membranen. Denn überall dort bewegen sich geladene Teilchen durch Wasser und wechselwirken mit ihrer Umgebung.

Die Studie räumt gleichzeitig mit alten Mythen auf. Ein angebliches „Wassergedächtnis“ oder gar eine wissenschaftliche Grundlage für Homöopathie liefert sie ausdrücklich nicht. Stattdessen zeigt sie, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Wassermolekülen und geladenen Teilchen tatsächlich ist.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
DYWIDAG-Systems International GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker für technische Produktlösungen (alle Geschlechtsidentitäten) DYWIDAG-Systems International GmbH
Porta Westfalica Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Projektmanager* Technische Infrastruktur DFS Deutsche Flugsicherung
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Elektrotechnik TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Stadtverwaltung Frankenthal-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker - Technische Rechnungsprüfung (m/w/d) Stadtverwaltung Frankenthal
Frankenthal (Pfalz) Zum Job 
Stadt Mörfelden-Walldorf-Firmenlogo
Leitung der Abteilung Hochbau, Tiefbau und Immobilienservice (w/m/d) (Architekt / Bauleiter / Bauingenieur / Stadtplaner o. ä.) Stadt Mörfelden-Walldorf
Mörfelden-Walldorf Zum Job 
Bergische Universität Wuppertal-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in in einem Forschungsprojekt zur additiven Fertigung von Keramiken Bergische Universität Wuppertal
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) HKLS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / CAD-Konstrukteur TGA (m/w/d) ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Bauleiter / Obermonteur (m/w/d) HLKS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales für unsere Key Accounts (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 

Wasser ist kein Informationsspeicher

Die Idee vom „Wassergedächtnis“ hält sich seit Jahrzehnten. Dabei geht es um die Behauptung, Wasser könne Informationen dauerhaft speichern, selbst wenn ein Stoff praktisch nicht mehr vorhanden ist. Wissenschaftlich lässt sich das nicht belegen.

Die neue Studie zeigt etwas völlig anderes: Wasser kann zwar kurzfristig bevorzugte Strukturen ausbilden. Diese entstehen aber nur statistisch und zerfallen sofort wieder. Markus Valtiner vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien erklärt: „Diese Ordnung ist statistischer Natur.“

Die Wassermoleküle bewegen sich permanent. Sie schwingen, rotieren und tauschen ständig ihre Nachbarn aus. Stabil bleibt dabei nichts. Trotzdem entstehen im Mittel bestimmte Muster. Man kann sich das wie einen Tanz vorstellen. Die Tänzerinnen und Tänzer wechseln dauernd die Positionen. Trotzdem erkennt man über längere Zeit bestimmte Bewegungsabläufe.

Warum Ionen Wasser ordnen

Besonders interessant wird es bei geladenen Teilchen, also Ionen. Diese treten in Wasser nie allein auf. Sie ziehen Wassermoleküle an und beeinflussen deren Anordnung.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede:

  • Kleine Ionen wie Lithium ordnen Wassermoleküle stark.
  • Große Ionen wie Cäsium beeinflussen das Wasser deutlich schwächer.
  • Die Stärke dieser Ordnung verändert das Verhalten der Ionen an Oberflächen.

Das ist für die Elektrochemie entscheidend. Denn dort geht es ständig darum, wie Teilchen an Elektroden haften oder sich von ihnen lösen.

Markus Valtiner beschreibt das Problem so: „Entgegengesetzte elektrische Ladungen ziehen einander an, also bewegt sich das Teilchen zur Oberfläche. Aber in Wirklichkeit ist die Sache dann doch etwas komplizierter.“ Genau dort setzt die Arbeit der Forschenden an.

Ordnung kostet Energie

Die Studie zeigt: Stark strukturierende Ionen erzeugen lokal mehr Ordnung im Wasser. Physikalisch bedeutet das eine geringere Entropie.

Der Begriff klingt kompliziert, beschreibt aber vereinfacht die Zahl möglicher Zustände eines Systems. Weniger Entropie bedeutet mehr Ordnung – und genau das ist energetisch ungünstiger.

Dadurch entsteht ein überraschender Effekt:

  • Ionen mit stark geordneten Wasserhüllen lagern sich schlechter an Oberflächen an.
  • Ionen mit schwächerer Wasserstruktur erreichen Oberflächen leichter.

Die elektrische Ladung allein reicht also nicht aus, um das Verhalten vorherzusagen.

Hightech-Methoden zeigen den „Tanz“ des Wassers

Um diese winzigen Effekte überhaupt sichtbar zu machen, kombinierte das Forschungsteam mehrere moderne Mess- und Simulationsverfahren. Dazu gehörten hochauflösende Rasterkraftmikroskopie, spektroskopische Messungen und molekulardynamische Simulationen. Letztere berechnen am Computer, wie sich einzelne Moleküle bewegen und miteinander wechselwirken.

Erst die Kombination dieser Methoden machte sichtbar, was rund um die Ionen tatsächlich passiert. Die Forschenden konnten damit nicht nur die elektrische Anziehung zwischen Teilchen untersuchen, sondern auch die kurzlebige Ordnung der Wassermoleküle, die Entropie und die Wechselwirkungen innerhalb der Wasserhülle.

Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Bislang betrachtete man viele dieser Effekte getrennt voneinander. Das neue Modell verbindet sie erstmals zu einem Gesamtbild. Das wirkt zunächst sehr theoretisch. Tatsächlich könnte es aber helfen, elektrochemische Prozesse deutlich besser zu verstehen – etwa in Batterien, Katalysatoren oder biologischen Membranen.

Warum das für Batterien interessant ist

Gerade bei modernen Batterien kommt es auf Prozesse an, die an winzigen Grenzflächen ablaufen. Dort treffen Elektroden, Flüssigkeiten und geladene Teilchen direkt aufeinander. Genau in diesem Bereich beeinflussen die kurzfristigen Ordnungsmuster des Wassers offenbar stärker als bislang angenommen, wie sich Ionen verhalten.

Die neuen Erkenntnisse könnten deshalb helfen,

  • Elektroden gezielter zu entwickeln,
  • Bewegungen von Ionen besser vorherzusagen,
  • Lade- und Entladevorgänge effizienter zu machen,
  • oder Korrosion genauer zu verstehen.

Das betrifft nicht nur Batterien. Auch in biologischen Systemen spielen solche Effekte eine Rolle. Zellmembranen arbeiten ebenfalls mit geladenen Teilchen, die sich durch wässrige Umgebungen bewegen. Wie Wasser die Teilchen dabei beeinflusst, kann deshalb auch für Medizin und Biotechnologie interessant sein.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.