Keine passende Pflanzenfamilie gefunden 22.12.2024, 22:52 Uhr

„Außerirdische Pflanze“ entdeckt: Mysteriöses Fossil gibt Rätsel auf

Entdeckt: Ein 47 Millionen Jahre altes Pflanzenfossil ohne moderne oder frühere Verwandte. Forschende entschlüsseln ein einzigartiges Rätsel der Evolution.

Außerirdische Pflanze

Außerirdische Pflanze: Dieses etwa 47 Millionen Jahre alte Fossil weist eine so seltsame Mischung von Merkmalen auf, dass Forschende keine Pflanzenfamilie finden konnten, weder eine lebende noch eine ausgestorbene, zu der es gehören könnte.

Foto: Florida Museum photo by Jeff Gage

1969 entdeckten Forschende in Utah ein bemerkenswertes Pflanzenfossil, das sie den Namen  Othniophyton elongatum gaben, was nichts anderes als „außerirdische Pflanze“ bedeutet. Damals vermuteten sie, dass die Pflanze zur Familie der Ginsenggewächse gehörte. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Urzeit-Pflanze noch seltsamer ist, als zunächst angenommen. Dieses Fossil gehört zu einer Familie, die nicht mehr existiert und deren Existenz auch noch nirgends nachgewiesen wurde – ein Rätsel für die Wissenschaft.

Ein unerwarteter Fund in Berkeley

Steven Manchester, Paläobotanik-Kurator am Florida Museum of Natural History, untersuchte jahrelang 47 Millionen Jahre alte Fossilien aus Utah. Während eines Besuchs in der paläobotanischen Sammlung der University of California in Berkeley stieß er auf ein unidentifiziertes Fossil aus demselben Gebiet wie die Blätter von Othniophyton elongatum. Es war erstaunlich gut erhalten – mitsamt Zweigen, Blättern, Blüten und Früchten.

Eine detaillierte Analyse offenbarte, dass diese Fossilien zu einer einzigartigen Pflanze mit außergewöhnlichen Merkmalen gehörten. „Dieses Fossil ist selten, da es den Zweig mit den daran haftenden Früchten und Blättern enthält. Normalerweise werden diese Teile getrennt gefunden“, erklärte Manchester. Die neuen Entdeckungen warfen alte Annahmen über Bord.

Eine Pflanze ohne Familie

Das Forschungsteam analysierte das Fossil eingehend und suchten systematisch nach einer ähnlichen Pflanzenfamilie. Heute gibt es über 400 Familien von Blütenpflanzen, doch keine passte zur Kombination der gefundenen Merkmale. Auch die Zugehörigkeit zu ausgestorbenen Familien blieb ausgeschlossen.

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„Es gibt viele Fossilien, die modernen Familien oder Gattungen zugeordnet werden, obwohl sie nicht eindeutig passen“, erklärte Manchester. Diese Praxis könnte zu falschen Schätzungen über die Artenvielfalt vergangener Ökosysteme führen. Im Fall von Othniophyton elongatum entschieden die Forschenden, die Pflanze keiner lebenden Gruppe zuzuordnen.

Ein Ökosystem voller Rätsel

Die Fossilien stammen aus der Green-River-Formation, einem Gebiet, das vor 47 Millionen Jahren ein riesiges Seensystem mit perfekten Bedingungen für Fossilienbildung war. Sauerstoffarme Sedimente und Vulkanasche konservierten Tiere und Pflanzen in beeindruckendem Detail. Viele dieser Funde, darunter auch Othniophyton elongatum, stellen die Wissenschaft bis heute vor ungelöste Fragen.

Ursprünglich hatten die Forschenden nur die Blätter der Pflanze untersucht. Sie vermuteten, dass es sich um zusammengesetzte Blätter handelte, ein typisches Merkmal der Ginsenggewächse. Neue Fossilien zeigten jedoch einfache Blätter, die direkt an den Stielen befestigt waren. Damit war klar: Diese Pflanze konnte nicht zur Familie der Ginsenggewächse gehören.

Die Früchte und Blüten waren ebenfalls außergewöhnlich. Die Staubblätter, normalerweise nach der Befruchtung abgeworfen, blieben an der Pflanze haften, selbst wenn die Früchte reif waren. Ein Verhalten, das bei keiner modernen Pflanze bekannt ist.

Neue Technologien, neue Erkenntnisse

Nach der ersten Analyse geriet das Fossil für einige Jahre in Vergessenheit. Erst durch den Einsatz neuer Mikroskopie-Technologien konnten weitere Details sichtbar gemacht werden. Die hochauflösende Linse eines digitalen Mikroskops enthüllte subtile Strukturen, die zuvor übersehen worden waren. Vor allem die winzigen Früchte und ihre Samen gaben neue Einblicke in die Anatomie der Pflanze.

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„Normalerweise erwarten wir nicht, solche Details bei fossilen Pflanzen zu finden“, sagte Manchester.  Durch diese neuen Erkenntnisse konnte das Forschungsteam die Entwicklungsgeschichte dieser ausgestorbenen Pflanzengruppe besser verstehen.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Julian Correa-Narvaez, Hauptautor der Studie und Doktorand an der University of Florida, betonte die Bedeutung des Fundes: „Es ist wichtig, weil es uns einen kleinen Hinweis darauf gibt, wie sich Organismen in verschiedenen Umgebungen entwickelt haben.“

Obwohl die Vielfalt innerhalb dieser ausgestorbenen Pflanzenfamilie unklar bleibt, zeigt der Fund die enorme Bandbreite der Natur. Selbst scheinbar grundverschiedene Pflanzen wie Giftefeu, Mangos und Cashewnüsse gehören zur gleichen Familie. Die verlorene Vielfalt von Othniophyton elongatum könnte ebenso beeindruckend gewesen sein.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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