Mond im Detail 28.10.2015, 15:59 Uhr

Wow! Ein völlig anderer Blick auf den Erdtrabanten

Das soll der Mond sein? Ja! Die US-Kartografie-Behörde USGS hat mithilfe unzähliger Aufnahmen, die eine Weltraumsonde angefertigt hat, eine neue topografische Karte des Erdtrabanten erstellt. Sie ist äußerst hochauflösend – die Dateigröße beträgt fast ein halbes Gigabyte – und kennzeichnet hohe und niedrige Punkte der Oberfläche mit unterschiedlichen Farbstärken. Außerdem ins Staunen bringen dürfte die Betrachter ein enorm detailreiches Fotomosaik. 

Höhen und Tiefen: Der Mond ist ganz und gar nicht einfach eine runde Sache. Er hat eine ganze Menge an Höhen und Tiefen zu bieten, wie die US-Kartografie-Behörde USGS jetzt in veröffentlichten neuen Mondkarten zeigt.

Höhen und Tiefen: Der Mond ist ganz und gar nicht einfach eine runde Sache. Er hat eine ganze Menge an Höhen und Tiefen zu bieten, wie die US-Kartografie-Behörde USGS jetzt in veröffentlichten neuen Mondkarten zeigt.

Foto: USGS

Seit bereits sechs Jahren vermisst und fotografiert die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter den Mond. Die unzähligen Daten, die das Nasa-Gerät dabei erfasst und aufgenommen hat, hat die US-Kartografie-Behörde USGS nun genutzt, um gleich zwei neue Karten des Erdtrabanten anzufertigen: ein Fotomosaik und eine topografische Karte. Beide Produkte sollen die bislang gültigen Karten ersetzen, die satte 36 Jahre Bestand hatten.

„Diese Karten wurden angefertigt, um der breiten Öffentlichkeit wie auch Wissenschaftlern gleichermaßen dabei zu helfen, das Landschaftsbild und die Oberfläche des Mondes besser zu verstehen“, teilte die USGS mit. Fotomosaik und topografische Karte können hier in voller sowie verkleinerter Variante heruntergeladen werden.

100-Megapixel-Weitwinkelkamera

Bei der ersten Karte (Sheet 1) handelt es sich um ein Mosaik, das aus verschiedenen Aufnahmen der 100-Megapixel-Weitwinkelkamera zusammengesetzt wurde, die sich an Bord der Sonde befindet. Die große Variante schafft es auf 251 MB Dateigröße, die verkleinerte besitzt immer noch 58. Ist die äußert detailreiche PDF-Datei erst einmal geöffnet, kann sich der Betrachter mithilfe der Zoomfunktion auf virtuelle Erkundungstour entlang zahlreicher Krater und Erhebungen machen, die problemlos mit dem bloßen Auge voneinander unterschieden werden können.

Die neuen zwei Gesichter des Mondes auf einen Blick.

Die neuen zwei Gesichter des Mondes auf einen Blick.

Quelle: USGS/Nasa/ASU

Die hilfreichen Beschriftungen verraten nicht nur Namen von Kratern wie Schwarzschild oder Gamow, sondern weisen auch die verschiedenen Mondgebiete aus, die auch als Mondmeere bezeichnet werden – darunter das Mare Humorum, das Mare Orientale oder auch das Mare Tranquillitatis, an dessen Rand am 20. Juli 1969 die Apollo-11-Mission mit den Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins an Bord aufsetzte.

Vulkane jünger als gedacht

Auch die Landungspunkte der weiteren Apollo-Missionen sind auf dem Mosaik eingetragen. Die USGS teilte mit, dass durch die hochauflösenden Bilder Vulkane ausgemacht wurden, die zwischen 10 und 100 Millionen Jahre alt sind – beziehungsweise jung. Schließlich besagte die bislang gängige Meinung, dass der aktive Vulkanismus auf dem Mond bereits vor ein bis zwei Milliarden Jahren erlosch. Offenbar ein Irrtum.

Topografische Karte stellt Höhen der Mondoberfläche farbig dar

Diese Karte (Sheet 2) schafft es in der großen Fassung sogar auf satte 427 Megabyte. Die dafür genutzten Daten stammen vom sogenannten Lola, dem Lunar Orbiter Laser Altimeter. Das hochempfindliche Nasa-Gerät befindet sich ebenfalls an Bord der Sonde. Die Karte zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie verschiedene Höhen der Mondoberfläche unterschiedlich farbig darstellt.

Ausschnitt aus der neuen topografischen Mondkarte: So farbenfroh hat man den Erdtrabanten wohl selten gesehen.

Ausschnitt aus der neuen topografischen Mondkarte: So farbenfroh hat man den Erdtrabanten wohl selten gesehen.

Quelle: USGS

Das Spektrum reicht hier von dunkelgrau (10.780 m Höhe) bis dunkelblau (9130 m unter Null). Diese niedrigste Stelle auf der Mondoberfläche weist die Karte im Krater Antoniadi aus, der auf der Mondrückseite nahe des Südpols liegt.

 

Von Jan-Martin Altgeld
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