ERSTER EINSATZ FÜR „MUSE“ IN CHILE 06.03.2014, 11:51 Uhr

Neues Multi-Instrument am stärksten Teleskop der Welt

Die Muse küsst normalerweise Dichter – in diesem Fall berauscht sie Astronomen. MUSE heißt das sieben Tonnen schwere neue Instrument, das von Chile aus nicht nur Bilder, sondern sogar chemische Analysen ferner Sterne ermöglicht.

In Chile angekommen: Das Multi-Beobachtungsinstrument MUSE ist inzwischen aufgebaut und einsatzbereit. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit sind vorausgegangen. 

In Chile angekommen: Das Multi-Beobachtungsinstrument MUSE ist inzwischen aufgebaut und einsatzbereit. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit sind vorausgegangen. 

Foto: ESO/G. Hüdepohl

Nach Jahren der Entwicklung, nach mühsamer Zerlegung, Verschiffung und Zusammenbau am „Very Large Telescope“ (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile ist MUSE einsatzbereit. Das Gerät steht für die zweite Generation von Beobachtungsinstrumenten am leistungsstärksten Teleskop der Welt und bringt einen doppelten Gewinn. MUSE steht für Multi Unit Spectroscopic Explorer.

Zum einen kann MUSE besonders scharfe Bilder ferner Galaxien, Sterne und Planeten liefern, weil es die so genannte adaptive Optik nutzt. Dabei sorgen computergesteuerte, formbare Spiegel dafür, dass die atmosphärischen Turbulenzen, die Aufnahmen aus dem Weltall üblicherweise verfälschen, ausgeschaltet werden können. In Echtzeit werden so die Verzerrungen herausgerechnet. Das VLT wird derzeit zu einem voll adaptiven Teleskop umgebaut.

24 Spektrografen an Bord

Zweiter Vorzug ist die Fähigkeit, die Bilder in ihre Farbkomponenten zu zerlegen. Dazu sind in MUSE 24 Spektrografen installiert. In der Analyse der Daten können die Astronomen verschiedene Ansichten eines Objekts bei unterschiedlichen Wellenlängen studieren.

MUSE bei Nacht.

MUSE bei Nacht.

Foto: ESO/Ghaouti Hansali/Fernando Selman

Die Wissenschaftler erwarten davon vielfältige neue Erkenntnisse. „Wir können damit in die frühen Epochen des Universums eintauchen, um die Mechanismen der Entstehung von Galaxien und sowohl die Bewegung des Materials in nahen Galaxien als auch deren chemische Zusammensetzung zu untersuchen“, sagt Projektleiter Roland Bacon. MUSE werde aber viele weitere Anwendungen finden, die von der Erforschung der Planeten und Trabanten in unserem Sonnensystem über die Eigenschaften von Sternentstehungsregionen in der Milchstraße bis hin zur Erkundung ferner Regionen des Universums reichten.

Qualitätssprung: „Astronomen werden entzückt sein“

Dem Einsatz von MUSE gingen zehn Jahre Entwicklungszeit voraus. Daran waren unter anderen das Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam und das Institut für Astrophysik der Universität Göttingen beteiligt. Betreiber des „Very Large Telescope“ ist die Europäische Südsternwarte ESO, die von 15 Ländern, darunter Deutschland, getragen wird.

Ein Falschfarbenbild des Orionnebels, das MUSE aufgenommen hat. MUSE kann Bilder in ihre Farbkomponenten zerlegen. Dazu sind in dem Instrument 24 Spektrografen installiert. 

Ein Falschfarbenbild des Orionnebels, das MUSE aufgenommen hat. MUSE kann Bilder in ihre Farbkomponenten zerlegen. Dazu sind in dem Instrument 24 Spektrografen installiert. 

Foto: ESO/MUSE consortium/R. Bacon

Astronomen erhoffen sich von MUSE nun einen großen Sprung in der Qualität der gewonnenen Daten. Projektleiter Bacon: „Eine Muse sorgt für Inspiration. In der Tat hat MUSE uns viele Jahre lang inspiriert und wird damit weitermachen. Es besteht kein Zweifel daran, dass viele Astronomen auf der ganzen Welt ebenfalls von MUSE entzückt sein werden.”

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