Messungen von Voyager 1 18.12.2014, 10:24 Uhr

Kosmischer Tsunami dauert seit über zehn Monaten an

Die Raumsonde Voyager 1, seit über 37 Jahren im All unterwegs, hat im interstellaren Raum wahre Schockwellen registriert, ausgelöst durch Sonneneruptionen. Einer dieser kosmischen Tsunamis dauert mittlerweile über ein dreiviertel Jahr an und gibt den Forschern Rätsel auf. 

Seit 1977 im All unterwegs: die Raumsonde Voyager 1. Vor zweieinhalb Jahren hat sie das Sonnensystem verlassen und fliegt durch den interstellaren Raum. 

Seit 1977 im All unterwegs: die Raumsonde Voyager 1. Vor zweieinhalb Jahren hat sie das Sonnensystem verlassen und fliegt durch den interstellaren Raum. 

Foto: NASA

Seit Jahren ist die Raumsonde Voyager 1 im All unterwegs. Mit einer unerwartet langen Lebensdauer fliegt der 1977 ins All geschossene Forschungssatellit unverdrossen weiter und hat vor bald zweieinhalb Jahren sogar das heimische Sonnensystem verlassen. Im damit erreichten interstellaren Raum erlebt der kleine Weltraumforscher offenbar so einiges, denn was der Enddreißiger fröhlich an Daten an die Erde übermittelt, hat es in sich – von wegen im All ist ja nichts.

Interstellares Medium gerät in Schwingungen

Oh doch – da ist sogar einiges los: Manchmal brechen wahrhafte Tsunamis los und das kalte, ionisierte Gas, das sogenannte interstellare Medium, das sich im Raum jenseits der Heliosphäre unseres heimischen Sonnensystems findet, gerät ordentlich in Schwingung. Dieses Plasma ist sowieso schon etwa 40-mal dichter als das Gas innerhalb unseres Sonnensystems, wie Wissenschaftler den Daten von Voyager 1 entnehmen konnten. Und manchmal wird es phasenweise noch dichter.

Voyager 1 und ihre Instrumente.

Voyager 1 und ihre Instrumente.

Quelle: NASA

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Ganz offenbar ist die Sonde nicht das Einzige, was sich den Weg durch die endlosen Weiten bahnt: Immer wieder kreuzen Wellen, die von der Sonne ausgesandt werden, die Bahn des kleinen Flugobjekts, das inzwischen mehr als 20 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt ist. Die Wellen entstehen aufgrund besonders heftiger Sonneneruptionen und wandern durchs All.

Wellen treffen nach über einem Jahr auf Voyager 1

Dort führen sie zu Resonanzen im ionisierten Gas des interstellaren Raums und lassen es wie eine Glocke vibrieren. Manche der Wellen treffen nach einer Reisezeit von über einem Jahr schließlich auf Voyager 1. Die Sonde reagiert, wie sie immer reagiert: Sie registriert die Schwingungen der Gasmoleküle um sich herum und sendet sie diese Informationen umgehend auf ihre mittlerweile 17-stündige Reise zur Erde.

Dort wandeln NASA-Wissenschaftler sie wieder in charakteristische Töne zurück – die Auswirkungen der Sonnenstürme werden zu einer ganz spezielle Form von interstellarer Musik. Diese und andere Sounds aus dem All hat die NASA in einem eigenen Soundcloud-Account der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Sonde hat bereits drei der kosmischen Tsunamis registriert

Die Wellen – Wissenschaftler bezeichnen sie wegen ihrer Heftigkeit bildhaft als „kosmische Tsunamis“ – sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber scheinbar doch relativ häufig. Seit Voyager 1 im August 2012 in den interstellaren Raum eingedrungen ist, hat die Sonde immerhin schon drei dieser Ereignisse registriert. Eine traf im Oktober 2012 auf Voyager 1, eine im April 2013. Eine dritte, die im Februar 2014 registriert wurde, gibt den Forschern jedoch Rätsel auf: Anders als die anderen Wellen klang diese nicht nach wenigen Wochen ab, sondern dauert weiter an.

Dass Voyager 1 seit dem ersten Empfang der Welle weitere 400 Kilometer zurückgelegt und sich damit weiter von der Sonne entfernt hat, stört dem Empfang keineswegs: Die Sonde nimmt weiterhin die typisch erhöhte Plasmadichte, die auf einen solchen Tsunami hinweist, wahr. Mehr noch: Die Dichte nimmt sogar noch weiter zu.

Forscher rechnen mit weiteren Überraschungen

Was genau das bedeutet, können die Forscher bisher nicht sagen. Möglicherweise ist die höhere Dichte normal für die wachsende Entfernung zur heimischen Heliosphäre und der Tsunami ist längst vorüber, vielleicht dauert er aber auch weiter an und reicht bis zu doppelt so weit in den interstellaren Raum hinein als die Entfernung zwischen Sonne und Voyager 1 derzeit beträgt – die Wissenschaftler wissen es schlicht und einfach nicht. Noch nicht: Mit jedem Tag, den Voyager unterwegs ist, steigen die Hoffnungen auf weitere Erkenntnisse.

Überraschungen gibt es noch so einige, davon sind die Forscher überzeugt. Und hoffen auf weitere Enthüllungen: Bis mindestens 2020 werde die reiselustige Sonde noch Daten senden, glauben Experten.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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