Regelmäßige Flüge 26.10.2016, 14:00 Uhr

Elon Musk sieht schon eine Millionenstadt auf dem Mars

Wenn Elon Musk seine hochfliegenden Pläne vorstellt, hört die Welt zu. Jetzt gab der SpaceX-Gründer weitere Einblicke in seine Vision zur Kolonisierung des Mars. Er glaubt, dass langfristig eine Million Menschen auf dem Planeten leben werden.

Mars, wir kommen: Elon Musk hat weitere Details seiner Mars-Visionen verraten. Er glaubt, dass langfristig eine Million Menschen auf dem Mars leben werden.

Mars, wir kommen: Elon Musk hat weitere Details seiner Mars-Visionen verraten. Er glaubt, dass langfristig eine Million Menschen auf dem Mars leben werden.

Foto: SpaceX

Wenn Science-Fiction die Konstellationen des Möglichen entwirft, dann ist Elon Musk ein erstklassiger Vertreter dieses Genres. Der 45-jährige Tesla-Chef und SpaceX-Gründer bewegt sich aber nicht in der Kunst oder Literatur, sondern mit echten Plänen und Ideen im echten Leben. Jetzt hat er seine Vision für eine Besiedlung des Mars ausführlicher vorgestellt, zunächst auf dem 67. International Astronautical Congress im September in Mexiko, wo er den Flug zum Mars in nur 80 Tagen angekündigt hat, und vor wenigen Tagen im Internet-Diskussionsforum Reddit.

Musk sieht interplanetarisches Transit-System

Bevor die Kolonisierung des Roten Planeten Wirklichkeit werden kann – nach Elon Musks Zeitplan ist das in etwa 40 bis 100 Jahren der Fall – müssen offensichtlich zwei große Herausforderungen gemeistert werden. Wie kommen die Menschen hin und eventuell auch wieder zurück und wie können sie dort (über)leben?

Für die Reise zum Mars hat Elon Musk ein „Interplanetary Transit System“ (IST) vorgesehen. Eine Art Space Shuttle, das aus zwei wiederverwendbaren Teilen, der Raketenstufe und dem Raumschiff selbst besteht. Wie eine Falcon 9 aus dem Hause SpaceX wird das 77,5 m hohe Raumschiff zur Startrampe zurückkehren und landen.

Alle 26 Monate will SpaceX künftig zum Mars fliegen.

Alle 26 Monate will SpaceX künftig zum Mars fliegen.

Foto: SpaceX

Das Raumschiff hat große Tanks, die sowohl im All, als auch auf dem Mars wieder befüllt werden müssen. Ein Problem, das noch gelöst werden muss, liegt offenbar in der Innenbeschichtung der Tanks, die aus Kohlefaserverbundwerkstoffen bestehen und durch den Treibstoff angegriffen und undicht werden könnten. Eine Kohlefaserschicht oder eine Legierung aus Stahl, die allerdings deutlich schwerer wäre, wird in Erwägung gezogen und soll eine mögliche Oxidation verhindern.

Langfristig eine Million Menschen auf dem Mars

Der erste bemannte Raumflug wäre laut Musks Plan mit zwölf Astronauten besetzt. Alle 26 Monate kann gestartet werden, denn dann stehen die beiden Planeten so günstig zueinander, dass die Distanz möglichst gering ist. Zuvor würden allerdings unbemannte Raumkapseln das Landen auf der Marsoberfläche üben – sicher eine gute Idee nach dem letzten Crash des Landers der ExoMars-Mission der ESA.

Außerdem müsste herausgefunden werden, wie und wo der für die Rückkehr notwendige Treibstoff gewonnen werden kann. Dann erst können unbemannte Frachter die Bauteile für die Treibstoffgewinnung hochbringen.

Ankunft auf dem Mars: Die ersten Transporte von Material zum Mars will Elon Musk 2018 beginnen.

Ankunft auf dem Mars: Die ersten Transporte von Material zum Mars will Elon Musk 2018 beginnen.

Foto: SpaceX

Die erste Crew würde schließlich die Infrastruktur aufbauen. Später könnte eine Mars-Flotte in regelmäßigen Flügen jeweils 100 bis 200 Menschen zum roten Planeten bringen. Auf lange Sicht soll die Bevölkerung auf rund eine Million Menschen anwachsen, die eine eigenständige, sich selbst erhaltende Zivilisation aufbauen.

Hohe Entwicklungs- und Konstruktionskosten

Wie das genau geschehen soll, blieb in Elon Musks Ausführungen vage. Das Hauptinteresse von SpaceX liegt eindeutig in der Entwicklung und dem Bau von Raketen und Raumschiffen. Für die Unterbringung der Erstbesiedler sieht Musk sogenannte geodätische Kuppeln aus Glas vor, die mit ihrer Kugelform und den dreieckigen Bauteilen besonders stabil sind. Außerdem würden Roboter eingesetzt, die Tunnel graben und unterirdische Räume anlegen. Hier könnten Industrieanlagen und Quartiere für Menschen untergebracht werden.

Das 77,5 m hohe Raumschiff, das Menschen zum Mars fliegt, soll wieder zur Erde zurück kehren und dann erneut zum Mars fliegen.

Das 77,5 m hohe Raumschiff, das Menschen zum Mars fliegt, soll wieder zur Erde zurück kehren und dann erneut zum Mars fliegen.

Foto: SpaceX

Um die ungezählten technischen Herausforderungen zu bewältigen, die zumindest an der Grenze des Machbaren liegen, müssten enorme Entwicklungsleistungen und Ingenieurarbeit eingesetzt werden – für die derzeit schlicht das Geld fehlt. Allein für die Konstruktion (also ohne Entwicklungskosten) der Trägerrakete rechnet Musk mit 230 Millionen US-Dollar plus 130 Millionen Dollar pro Tanker plus 200 Millionen pro Raumschiff.

Sein Unternehmen SpaceX könne derzeit weniger als 5 % in die Marspläne investieren, sagte Musk, der darüber hinaus auf Public Private Partnership hofft. Damit irgendwann, so wie sich Elon Musk dies vorstellt, alle zwei Jahre eine Flotte von 1000 Raumschiffen zum Mars aufbrechen kann, muss also noch viel passieren.

Wie Unterkünfte auf dem Mars aussehen könnten, sehen Sie hier.

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