ESA-Mission ExoMars 25.10.2016, 13:15 Uhr

Nur noch Trümmer von Mars-Lander Schiaparelli

Aus dem erhofften sanften Aufsetzen von Schiaparelli auf der Marsoberfläche ist eine Bruchlandung geworden. Womöglich kam es dabei auch zu einer Explosion. Die Triebwerke des ESA-Landegerätes hatten versagt. Nun gibt es erste Bilder von der Absturzstelle und die Wissenschaftler rekonstruieren den Unfallhergang. Die Mission ExoMars läuft derweil wie geplant weiter.

Da waren es nur noch zwei: Die künstlerische Darstellung der ESA zeigt Schiaparelli, den Trace Gas Orbiter und den ExoMars-Rover. Doch die ExoMars-Sonde Schiaparelli ist nicht wie geplant am 19. Oktober 2016 sanft auf dem Roten Planeten gelandet. Es kam zu einer Bruchlandung und womöglich auch zu einer Explosion. Der genaue Hergang muss noch ermittelt werden. 

Da waren es nur noch zwei: Die künstlerische Darstellung der ESA zeigt Schiaparelli, den Trace Gas Orbiter und den ExoMars-Rover. Doch die ExoMars-Sonde Schiaparelli ist nicht wie geplant am 19. Oktober 2016 sanft auf dem Roten Planeten gelandet. Es kam zu einer Bruchlandung und womöglich auch zu einer Explosion. Der genaue Hergang muss noch ermittelt werden. 

Foto: ESA/ATG Medialab/dpa

Als die ExoMars-Sonde Schiaparelli am 19. Oktober 2016 für ihren sechsminütigen Abstieg in die Mars-Atmosphäre eintrat, sah zunächst alles gut aus. Doch etwa 50 Sekunden vor der erwarteten Landung brach der Kontakt ab. Endgültig. Zwar hat bei Schiaparelli, wie man inzwischen weiß, vieles funktioniert. Der Fallschirm öffnete sich und bremste zusammen mit dem Hitzeschild den Lander von 21.000 km/h auf 300 km/h ab. Aber die Triebwerke, die regulär angesprungen waren, schalteten sich viel zu früh ab. Dass dies zu einer Bruchlandung führte, bestätigen nun neue Bilder der Nasa.

Nasa-Orbiter macht Aufnahmen von der Absturzstelle

Einen Tag nach der missglückten Landung von Schiaparelli machte der amerikanische Mars Reconaissance Orbiter (MRO) im Rahmen einer geplanten Beobachtungskampagne Bilder der vorgesehenen Landestelle im Meridiani Planum. Das Bild, das die Nasa jetzt veröffentlichte, hat eine relativ niedrige Auflösung von sechs Meter pro Pixel. Deutlich ist dennoch die Veränderung zu einer Aufnahme derselben Kamera vom Mai dieses Jahres. Es geht um zwei Flecken: der eine dunkel, der andere hell.

Den hellen Fleck deuten die ESA-Wissenschaftler als Schiaparellis Fallschirm, der einen Durchmesser von zwölf Meter hat. Der andere unscharfe, dunkle Fleck mit einer Größe von etwa 15 x 40 m befindet sich in etwa einem Kilometer Abstand vom Fallschirm und ungefähr 5,4 km westlich des vorgesehenen Landepunktes. Dieser Fleck geht auf den Einschlag des Schiaparelli Moduls zurück – nach einem deutlich länger andauernden freien Fall als ursprünglich geplant.

Die Schiaparelli-Landestelle mit und ohne Flecken: Den hellen Fleck deuten die ESA-Wissenschaftler als Schiaparellis Fallschirm. Der andere unscharfe, dunkle Fleck geht auf den Einschlag des Schiaparelli Moduls zurück – nach einem deutlich länger andauernden freien Fall als ursprünglich geplant.

Die Schiaparelli-Landestelle mit und ohne Flecken: Den hellen Fleck deuten die ESA-Wissenschaftler als Schiaparellis Fallschirm. Der andere unscharfe, dunkle Fleck geht auf den Einschlag des Schiaparelli Moduls zurück – nach einem deutlich länger andauernden freien Fall als ursprünglich geplant.

Foto: ESA

Es wird geschätzt, dass Schiaparelli aus einer Höhe zwischen zwei und vier Kilometern gefallen und somit mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 km/h aufgeschlagen ist. Der relativ große dunkle Fleck könnte daher von aufgewirbeltem Bodenmaterial stammen. Es ist auch möglich, dass das Landegerät beim Aufprall explodiert ist, da die Treibstofftanks wahrscheinlich noch gefüllt waren.

Weitere hochauflösende Bilder werden erwartet

Nun gilt es also, den Hergang der unsanften Landung von Schiaparelli möglichst genau zu rekonstruieren. Dabei sollen einerseits weitere Bilder helfen, dieses Mal von der hochauflösenden Kamera an Bord des MRO. Diese Aufnahmen könnten auch Aufschluss über den Verbleib des vorderen Hitzeschutzschildes geben, das in einer größeren Höhe abgetrennt wurde.

In der Zwischenzeit entschlüsseln die Teams weiterhin die Daten, die Schiaparelli während seines Abstieges an das Mutterschiff, den Trace Gas Orbiter (TGO) sandte. Diese werden verglichen mit Messungen des Giant Metrewave Radio Telescope (GMRT) – ein Radioteleskop im indischen Pune – und mit Messungen der ESA-Sonde Mars Express, die sich ebenfalls im Orbit um den Mars befindet.

Die Hauptmission beginnt im März 2017

Zwar sei die Sonde nicht erfolgreich gelandet, räumte ESA-Chef Jan Wörner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ein. Aber Wörner betonte auch, dass die Muttersonde Trace Gas Orbiter (TGO) wie geplant um den Mars fliege. Der Satellit arbeitet zuverlässig und soll während zweier Umkreisungen im November 2016 wissenschaftliche Kalibrierungen vornehmen.

In einer Höhe von elf Kilometern sollte sich ein zwölf Meter großer Fallschirm öffnen und Schiaparelli von doppelter Schallgeschwindigkeit auf Tempo 300 abbremsen. Das hat auch funktioniert. Doch bei diesem Tempo ist es offenbar bis zum Bodenkontakt geblieben.

In einer Höhe von elf Kilometern sollte sich ein zwölf Meter großer Fallschirm öffnen und Schiaparelli von doppelter Schallgeschwindigkeit auf Tempo 300 abbremsen. Das hat auch funktioniert. Doch bei diesem Tempo ist es offenbar bis zum Bodenkontakt geblieben.

Foto: M.Thiebaut /ESA/ATG Medialab

Im März 2017 soll der TGO auf eine kreisförmige Umlaufbahn in 400 km Höhe hinabsteigen und mit der wissenschaftlichen Hauptmission beginnen: die Atmosphäre des Mars auf mögliche Anhaltspunkte von Leben unter der Oberfläche untersuchen. Außerdem wird er als Telekommunikations-Relais für den für 2020 geplanten ExoMars-Landeroboter und andere bereits gelandete Einheiten dienen. Schiaparelli gehört leider nicht dazu.

Von Gudrun von Schoenebeck Tags:

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