Vollmond-Phänomen 27.04.2021, 07:40 Uhr

Supermond? Wie Sie die Mondtäuschung mit dem Daumen prüfen können

Der Mond kommt im April und Mai besonders nah. Viele sprechen jetzt vom Supermond, weil er besonders groß erscheint. Doch ein einfacher Daumentest liefert eine Überraschung.

Der Supermond erscheint besonders groß und hell. Doch unterscheidet sich der Vollmond wirklich vom "normalen" Mond? Foto: Peter Sieben

Der Supermond erscheint besonders groß und hell. Doch unterscheidet sich der Vollmond wirklich vom "normalen" Mond?

Foto: Peter Sieben

Superlative sind relativ, das gilt auch für den Mond. In diesen Tagen steht der sogenannte Supermond wieder am Himmel. Ein Fachterminus ist das nicht. Umgangssprachlich beschreibt das Wort den Mond zu eben dem Zeitpunkt, wenn er als Vollmond der Erde besonders nah ist. Dann scheint er, von der Sonne angestrahlt, besonders hell zu sein und auch größer – manch einer klagt in diesen Tagen gar über Schlafstörungen. Eins vorweg: Der Unterschied zum normalen Vollmond ist minimal und das können Sie sogar messen. Dazu brauchen Sie lediglich einen Daumen – doch dazu später.

Beeindruckend ist der Mond dieser Tage dennoch, allein schon, weil das Phänomen uns vor Augen führt: Die Entfernung des Trabanten variiert. Der Mond dreht seine Bahnen um die Erde nämlich auf einer Elipse, weshalb die Entfernung zwischen 406.740 und 356.410 Kilometern schwankt. Im Durchschnitt trennen die Erde und den Mond 384.400 Kilometer.

Supermond 2021 im April und Mai

Besonders nah kommt der Mond der Erde am Dienstag, 27. April: Er nähert sich auf eine Entfernung von 357.600 Kilometer an und ist damit der Supermond 2021 – oder besser einer von mehreren Supermonden. Denn auch im März kam er schon recht nah und Ende Mai wird die Distanz sogar noch noch einmal geringer: Am 26. Mai 2021 schrumpft der Abstand zwischen Erde und Vollmond auf 357.460 Kilometer. Im Jargon spricht man dann vom Perigäum, so heißt die erdnächste Position des Mondes.

Mondlandung: Alles nur fake? 

Kommen wir zur Sache mit dem Daumen. Für viele scheint es, dass der Supermond tatsächlich ganz besonders groß ist. Das können Sie einfach testen: Strecken Sie den Arm aus und peilen Sie den Mond mit dem Daumen an. Was schätzen Sie, wie viel vom Supermond Sie mit dem Daumen abdecken könnten? Weniger als sonst? Vielleicht die Hälfte?

Tatsächlich ist es so, dass viele hier die Größe der Mondscheibe überschätzen. Denn hinter den Daumen passen drei bis vier Vollmonde nebeneinander. Das ist auch der Fall, wenn sich der Mond an seiner erdfernsten Position, dem Apogäum, befindet.

Der Mond ist nicht so groß, wie wir denken

Der Unterschied ist also nicht so groß, wie man angesichts des Begriffs Supermond vielleicht denken würde. Aber immerhin: Er ist da. Laut der Nasa kann der Vollmond jetzt bis zu 14 Prozent größer wirken als ein Vollmond am Apogäum. Der Größenunterschied dem Supermond und dem Vollmond am erdfernsten Punkt entspricht ungefähr dem Unterschied zwischen einer 10-Cent-Münze und einer 20-Cent-Münze.

Bis zu 30 Prozent heller wirkt der Mond als Supermond. Foto: Peter Sieben

Bis zu 30 Prozent heller wirkt der Mond als Supermond.

Foto: Peter Sieben

Der Mond wirkt vor allem besonders groß, weil er heller als ein normaler Vollmond zu sein scheint. Tatsächlich strahlt der Supermond bis zu 30 Prozent heller als der Vollmond im Apogäum, heißt es bei der Nasa. Und hier kommen wie wieder zur Relativität von Superlativen: Tatsächlich hängt es von einigen Faktoren ab, wie groß und hell uns der Mond auf der Erde erscheint: Steht der Mond nah am Horizont und in der Nähe von Gebäuden, wirkt er ganz anders als wenn er hoch am Himmel steht.

Vollmond am Horizont sorgt für Mondtäuschung

Man spricht dabei von der Mondtäuschung. Bisweilen wird in dem Zusammenhang die sogenannte Refraktion ins Spiel gebracht. Die Theorie: Durch Lichtbrechung in der Atmosphäre wird ein größerer Anteil rotes Licht auf die Netzhaut gestreut, wodurch der Mond größer wirkt. Wäre das so, müsste dieser Effekt auch auf Fotografien zu beobachten sein – dem ist aber nicht. Tatsächlich sorgt die Refraktion eher für eine Verkleinerung und ein anderes Phänomen: Der Mond (und auch die Sonne) scheinen wegen der Lichtbrechung beim Untergang am Horizont eiförmig zu werden.

Der Supermond erscheint nur besonders groß und hell

Die Erklärung für die Mondtäuschung ist eher in der Wahrnehmungspsychologie zu suchen. Die Größenwahrnehmung eines Gegenstandes hängt auch von unserem Wissen über dessen Größe und dessen Entfernung zu uns ab. Steht der Mond hoch am Himmel, gibt es keine Anhaltspunkte liefert, wie groß er tatsächlich ist und wie weit entfernt. Er erscheint eher kleiner, weil die tatsächliche Entfernung unterschätzt wird.

Mond: Forschende finden Material in Asteroiden

Steht der Mond hingegen näher am Horizont hinter Gebäuden, Bäumen oder Bergen, eröffnet sich für uns Betrachter die sogenannte Tiefeninformation. Wir wähnen ihn in weiter Ferne und vergleichen ihn mit den Objekten in unserer Nähe und denen, die weiter entfernt sind. Und doch ist das Bild auf unserer Netzhaut de facto genau so groß wie beim Blick auf den Mond hoch am Himmel. Unser Hirn schlussfolgert: Der Mond in der weiten Ferne am Horizont hinter den Gebäuden und Bäumen und Bergen ist viel weiter weg ist als der Mond, den wir vor einiger Zeit oben am Himmel gesehen haben. Wenn das Abbild auf der Netzhaut aber identisch ist, dann muss der Mond am Horizont ja viel größer sein – was er natürlich nicht ist.

Hier gibt es Tipps, wenn Sie gern Fotos vom Supermond machen wollen

Hier erfahren Sie mehr über ein anderes Mond-Phänomen: den Blue Moon

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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