Erster Elektro-Hubschrauber 21.11.2013, 12:45 Uhr

Der Volocopter: Ein senkrechter Himmelsstürmer mit 18 Rotoren

Ein neues Fluggerät am Himmel sorgt für Aufsehen. Der Volocopter des kleinen Start-Ups e-volo aus Karlsruhe hat jetzt seinen öffentlichen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Das schneeweiße schnittige Fluggerät ist der erste emissionsfreie Hubschrauber der Welt. Der Elektro-Senkrechtstarter ist dazu auch noch sehr viel sicherer als konventionelle Hubschrauber und zudem preiswerter im Flugbetrieb.

Ein stolzes Team blickt dem VC200 hinterher, der mit sattem Brummen senkrecht in die Hallenluft der 22 Meter hohen dm Arena in den Karlsruher Messehallen aufsteigt.

Ein stolzes Team blickt dem VC200 hinterher, der mit sattem Brummen senkrecht in die Hallenluft der 22 Meter hohen dm Arena in den Karlsruher Messehallen aufsteigt.

Foto: e-volo

Ein Sack Schrauben mit dem Gewicht eines ausgewachsenen Menschen war am gestrigen 20. November 2013 mit an Bord, als vermutlich ein Stück Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde. Denn mit diesem Menschen-Simulator an Bord ist der Volocopter des Karlsruher Start-ups e-volo in der dm-arena in Karlsruhe mehrmals senkrecht bis in die Nähe der Hallendecke in 22 Metern Höhe aufgestiegen, ist einige grazile Kurven geflogen und nach drei Minuten sicher wieder auf dem Hallenboden gelandet. „Erst wenn wir die Zulassung haben, darf der erste bemannte Flug stattfinden“, erklärt Stefan Wolf den Sack mit Schrauben, Geschäftsführer Finanzen bei e-volo und einer der drei Erfinder des VC200.

VC200 soll das Flugtaxi der Zukunft in Großstädten werden

VC200 heißt der Volocopter, der für die Erfinder die „Luftfahrt-Revolution Made in Germany“ ist. Der neuartige Elektro-Senkrechtstarter soll nach dem Willen seiner drei Erfinder zum Flugtaxi der Zukunft in Großstädten werden. Es steckt in der Tat viel Potential in der Idee der drei Tüftler. Das Fliegen dieses Volocopters soll leichter als Autofahren sein, kein Kuppeln mehr, kein Gänge einlegen –  er wird ganz einfach mit einem Joystick bedient. Zudem werden sich die Flugkosten von mehreren hundert Euro pro Stunde auf weit unter einhundert Euro reduzieren.

Dazu kommt ein Quantensprung in der Flugsicherheit. Der Volocopter kommt im Gegensatz zum klassischen Helikopter gleich mit 18 Rotorblättern daher. Diese sitzen auf den Streben eines riesigen Ringes, der sich über der Kanzel des Senkrechtstarters spannt. Sechs zentrale Batterieblöcke versorgen die 18 Antriebe mit Strom. Dabei sind die Zuleitungen zu den Antrieben so verteilt, dass je Rotor-Arm drei verschiedene Batterieblöcke die drei Antriebe versorgen.

Die Systeme im Volocopter sind mehrfach redundant ausgelegt

Bei diesem System können mechanisch zwei komplette, nicht nebeneinander liegende Arme ausfallen und der Volocopter kann trotzdem noch sicher gelandet werden. Selbst beim Ausfall von zwei Batterieblöcken ist noch eine sichere Landung möglich. Für die Serienfertigung wollen die Erfinder zur Sicherheit zusätzlich dezentrale Backup-Batterien an den Antrieben anbringen. Als letzte Sicherung verfügt der Volocopter über ein ballistisches Komplettrettungssystem, bei dem im Notfall das ganze Fluggerät an einem Fallschirm sicher zu Boden sinkt.

„Der Grat zwischen Desaster und Glück ist schmal“

Die Aufregung vor dem ersten öffentlichen Demonstrationsflug des VC200 in der dm Arena war für die drei Erfinder groß. „Der Grat zwischen Desaster und Glück ist schmal“, sagte Miterfinder Alexander Zosel beim echten Jungfernflug am vergangenen Sonntag, der ohne öffentliche Beteiligung gestartet wurde. Jetzt, nach der erfolgreichen öffentlichen Demonstration, wirkt Zosel wesentlich cooler und kann die Flugschau schon gepflegt analysieren: „Satter und unglaublich leiser Sound, absolut keine spürbaren Vibrationen im Flug, überzeugende Struktur mit tollen neuem Federbein-Fahrwerk und extrem ruhiger Rotorebene.“

Denn es sind gerade die Vibrationen, die Flüge mit Hubschraubern für Passagiere zu einem gefühlten Horrortrip werden lassen. „Dort sind sie zusammen mit dem oft ohrenbetäubenden Lärm die beiden Hauptfaktoren dafür, dass Passagierflüge mit Hubschraubern meist als sehr unangenehm empfunden werden“, sagt e-volo-Geschäftsführer Stephan Wolf, der über die Ergebnisse des Erstfluges hocherfreut ist. „Selbst auf den Aufnahmen der am äußeren Carbon-Ring der Rotorebene fest installierten hochauflösenden Video-Kameras konnten bei den Testflügen keinerlei Vibrationen festgestellt werden.“

Wirtschaftsministerium ist mit zwei Millionen Euro dabei

Jetzt, nach dem erfolgreichen öffentlichen Jungfernflug geht es an die Vorbereitung der Serienproduktion. „Schon heute gibt es für den Volocopter zahlreiche Anfragen aus aller Welt“, sagt Alexander Zosel. Der VC200 wird ein zulassungsfähiger, 2-sitziger Volocopter mit einer Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern werden und einem Startgewicht von 450 Kilogramm, der sich in einer Flughöhe von knapp 2000 Metern länger  als eine Stunde aufhalten kann. Der Volocopter wird in Carbon-Leichtbauweise gefertigt. Für den Betrieb in Deutschland soll eine Sportpilotenlizenz ausreichen.

Die Erfinder des Volocopters: Alexander Zosel, Stephan Wolf und Thomas Senkel (v.l.n.r.).

Die Erfinder des Volocopters: Alexander Zosel, Stephan Wolf und Thomas Senkel (v.l.n.r.).

Foto: e-volo

Inzwischen hat auch das Bundeswirtschaftsministerium das große Potential erkannt, das im Volocopter steckt und fördert die Entwicklung mit zwei Millionen Euro. „Wenn ich sehe, was das Team von e-volo innerhalb der vergangenen Monate geleistet hat, muss ich sagen, die von uns dafür bewilligten Fördermittel sind wirklich gut angelegte Gelder der deutschen Steuerzahler“, sagte im Juli  Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Mit Crowdfunding zur Serienreife

Die Karlsruher Erfinder ruhen sich aber nicht auf der Millionenförderung aus. Sie sammeln über das sogenannte Crowdfunding Geld für ihren Volocopter ein. Crowdfunding für Start-ups ist ein Finanzierungsmodell für Risikokapital, bei dem Privatpersonen bereits ganz früh online in junge Unternehmen investieren können. e-volo möchte bei der Crowdfunding-Plattform Seedmatch am 27. November beginnen, in einem ersten Schritt 500.000 Euro von Privatanlegern einzusammeln, um den Volocopter serienreif produzieren zu können. Ein Investment in das derzeit mit 6,9 Millionen Euro bewertete Start-up aus Karlsruhe ist ab 250 Euro möglich. Die Investoren haben die Chance, am möglichen wirtschaftlichen Erfolg des ersten emissionsfreien Hubschraubers beteiligt zu sein und langfristig zu profitieren.

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