Tiangong-1 außer Kontrolle 23.03.2018, 13:15 Uhr

Chinesische Raumstation rast auf die Erde zu

Die chinesische Raumstation Tiangong-1 kreist unkontrolliert und mit rund 29.000 km/h um die Erde. Um Ostern herum wird sie in die Erdatmosphäre eintreten und größtenteils dabei verglühen. Aber nicht komplett: Es werden auch auf einen Schlag einige Tonnen Weltraumschrott den Erdboden treffen. Wann und wo genau, wird erst kurz vorher klar sein.

Radaraufnahme von Tiangong-1 auf seiner Reise um die Erde.

Radaraufnahme von Tiangong-1 auf seiner Reise um die Erde.

Foto: Fraunhofer FHR

Das Tempo ist irre. Für einen Flug von Köln nach Frankfurt bräuchte Tiangong-1 mit seiner aktuellen Geschwindigkeit keine 30 Sekunden. Zum Glück wird die außer Kontrolle geratene Raumstation noch viel langsamer werden, bevor sie auf die Erde fällt. Dass sie das tun wird, ist sicher. Irgendwann rund um Ostern, wo genau, weiß noch niemand. Die 8,5 Tonnen Material werden beim Eintritt in die Erdatmosphäre bei weitem nicht ganz verglühen, etwa ein Drittel dürfte übrigbleiben und in Einzelteilen auf die Erde krachen. Denn Titan und Edelstahl verglühen nicht.

Wie üblich in solchen Fällen warnen die Experten vor Panikmache. Es sei wahrscheinlicher, zweimal in einem einzigen Jahr vom Blitz getroffen zu werden, als ein Teil von Tiangong-1 abzukriegen, sagt zum Beispiel Holger Krag, Weltraumschrott-Experte bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt. Aber er sagt auch: „8,5 Tonnen hat man nicht jeden Tag auf dem Schirm.“ Insgesamt beobachten er und seine Kollegen übers Jahr verteilt Mengen von etwa 100 Tonnen Weltraumschrott.

Verfolgt mit Radar

Das „Büro für Raumfahrtrückstände“, in dem Krag arbeitet, ist bei weitem nicht die einzige Institution, die den Reiseweg der zwölf Meter langen Raumstation derzeit auf dem Schirm hat. So beobachtet das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg bei Bonn Tiangong-1 mithilfe eines hochempfindlichen Radarsystems und seiner 34-Meter-Parabolantenne. Im Gegensatz zu optischen Systemen ist es unabhängig von Wetter- und Lichtverhältnissen und sorgt so für eine kontinuierliche Beobachtung.

Das Weltraumbeobachtungsradar TIRA.

Das Weltraumbeobachtungsradar TIRA.

Quelle: Fraunhofer FHR

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Verkehrsingenieur (w/m/d) als Teamleitung Verkehrssteuerung und Tunnelüberwachung Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 
JET Tankstellen Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Technical Operations (m/w/d) Energie / Mobilität JET Tankstellen Deutschland GmbH
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Teamleitung (w/m/d) Bauwerksprüfung (Hauptprüfungen) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster Zum Job 
Ingenieur- und Sachverständigenbüro Lucchesi-Firmenlogo
Kfz-Prüfingenieur (m/w/d) oder Unterschriftsberechtigter (m/w/d) Ingenieur- und Sachverständigenbüro Lucchesi
Limburg an der Lahn Zum Job 
DSB Säurebau GmbH-Firmenlogo
Montageleiter In- und Ausland (m/w/d) DSB Säurebau GmbH
Königswinter Zum Job 
über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement-Firmenlogo
Projektleiter / Bauleiter Tiefbau (m/w/d) im Bereich Telekommunikation über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement
Schwäbisch Hall Zum Job 
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Trainee im Bereich Qualitätssicherung (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Velbert Zum Job 
Höcker Polytechnik GmbH Absaug- und Entsorgungssysteme-Firmenlogo
Projektleiter & Vertriebsingenieur International / Absaug- und Filtertechnik (m/w/d) Höcker Polytechnik GmbH Absaug- und Entsorgungssysteme
deutschlandweit Zum Job 
Steuler Services GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projekt- und Facilitymanager (m/w/d) Gebäudemanagement und Infrastruktur Steuler Services GmbH & Co. KG
Höhr-Grenzhausen Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Planung von Ingenieurbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
NEOPERL GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Automatisierungstechnik NEOPERL GmbH
Müllheim Zum Job 
N-ERGIE Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Projektplaner Versorgungsnetze Fernwärme (m/w/d) N-ERGIE Aktiengesellschaft
Nürnberg Zum Job 
Mehrer Compression GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Mehrer Compression GmbH
Balingen Zum Job 
FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH-Firmenlogo
Montageleiter (w/m/d) FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)-Firmenlogo
Projektleiter / Ingenieur (m/w/d) Technisches Gebäudemanagement - Schwerpunkt Versorgungstechnik (HKLS) Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)
UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) HKLS / Versorgungstechnik UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
Professorin | Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet "Nachhaltige Sanierung und Renovierung" Technische Hochschule Deggendorf
Deggendorf Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

Außerdem kann das Fraunhofer FHR das Eigenrotationsverhalten von Tiangong-1 bestimmen. Diese Drehbewegung hat einen starken Einfluss auf das Flugverhalten der Raumstation und beeinflusst damit auch den Zeitpunkt des Eintritts in die Erdatmosphäre. Trotz allen Hightech-Einsatzes kann dieser Zeitpunkt aber erst drei bis vier Tage vorher auf den Tag genau berechnet werden. Und erst am Tag des Ereignisses selbst ist eine Festlegung bis auf wenige Stunden möglich.

Niedergang auch auf Mallorca möglich

Noch viel unsicherer sind sich die Experten über den Ort des Niedergangs. Zum einen können sich die Einschläge auf eine Strecke von rund 1.000 Kilometern verteilen – vorab ist schwer zu sagen, wie groß Einzelteile sein werden. Das liegt vor allem daran, dass die Europäer die genaue Bauweise der chinesischen Station nicht kennen.

Klar ist bislang nur, dass der Absturzort zwischen 43 Grad nördlicher und 43 südlicher Breite liegen wird. Das schließt fast ganz Afrika, aber auch große Teile der USA und weite Teile des amerikanischen Kontinents bis hin zum Süden Argentiniens, fast ganz China und zum Süden hin auch noch Australien und Neuseeland ein. Theoretisch könnten Teile aber auch in Rom, in Madrid oder auf Mallorca runterkommen.

Chinesen machen ISS Konkurrenz

Tiangong-1 wurde vor knapp sieben Jahren ins All geschossen, um Andockmanöver mit Raumschiffen zu erproben. Seit 2016 kreist sein Nachfolger Tiangong-2 um die Erde. Zur selben Zeit brach der Funkkontakt mit Nr. 1 ab. All diese Missionen dienen der Vorbereitung für die eigene Raumstation, die die Chinesen als Konkurrenz zur ISS in etwa fünf Jahren fertig haben wollen.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.