Recycling 17.12.2019, 13:39 Uhr

Neues Leben für verschlissene Textilien

Österreichische Forscher wandeln Mischgewebe in Polyester und Zucker um. Aus dem Kunststoff wird neues Garn, aus dem Zucker können hochwertige Getränkeflaschen hergestellt werden. Es geht in Europa um 5 Millionen Tonnen Textilien pro Jahr.

Blaues Handtuch

Neue Handtücher aus Recycling-Material.

Foto: Klaus Haiden/Andritz

Textilien, die nicht mehr gefallen oder aus der Mode sind landen im Altkleidercontainer. Sind sie kaputt werden sie mit dem Restmüll verbrannt. In Europa fallen jährlich 5 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Eine neue EU-Richtlinie schreibt vor, dass Alttextilien ab 2025 getrennt gesammelt werden müssen. Was dann geschieht wissen Forscher der Technischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und der Montanuni Leoben schon heute. Sie werden recycelt, und zwar so raffiniert, dass sie zu Rohstoffen für neue hochwertige Textilien werden.

Enzyme verwandeln Baumwolle in Zucker

Vor allem Mischgewebe ist schwer zu recyceln. Den österreichischen Forschern ist es dennoch gelungen. Als Versuchsobjekt wählten sie Handtücher, die zu 60 % aus Baumwolle und zu 40 % aus Polyester bestehen. Sie zerteilten sie in feine Flocken und setzten sie Enzymen aus. Diese verwandelten die Baumwolle in Glukose, also Zucker. „Dieser Schritt ist entscheidend, man braucht dafür ganz spezifische Enzyme“, sagt Andreas Bartl vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien. Diese haben Forscher an der Universität für Bodenkultur entwickelt.

Polyester lässt sich wieder zu Garn verspinnen

Das Ergebnis ist eine Zuckerlösung, in der Polyesterfädchen schwimmen. Diese werden herausgefiltert, getrocknet und zu Granulat verarbeitet, wie es die Spinnmaschinen in den Textilfabriken benötigen. Das hier hergestellte Polyestergarn ist so gut wie Neuware. Es lässt sich auch Mischgarn herstellen. Dazu ist allerdings neue Baumwolle nötig. So entsteht am Ende wieder eine Materialmischung, die dem Ausgangsstoff entspricht und dieselbe Qualität hat.

Polyester wird im Normalfall aus Erdöl gewonnen. Recycling von Textilien ist daher ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der CO2-Bilanz. „Wir wollen mit unserem Projekt die Grundlage für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft schaffen“, sagt Bartl.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Dawonia-Firmenlogo
Techniker Propertymanagement (m/w/d) in der Immobilienwirtschaft Dawonia
München Zum Job 
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter Bau (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
medac pharma production GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) medac pharma production GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Qualifizierung Kfz- Prüfingenieur/-in (m/w/d) bzw. Kfz- Sachverständige/-r (m/w/d) TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Heppenheim, Bischofsheim Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Techniker Zutrittskontrolle & Videoüberwachung / Datacenter Engineer (m/w/d) noris network AG
Nürnberg Zum Job 
fripa  Papierfabrik Albert Friedrich KG-Firmenlogo
Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d) fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG
Miltenberg Zum Job 
ZVEI e.V. - Verband der Elektro- und Digitalindustrie-Firmenlogo
(Senior) Manager / Referent Elektroniksysteme (w/m/d) ZVEI e.V. - Verband der Elektro- und Digitalindustrie
Frankfurt am Main Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
sanotact GmbH-Firmenlogo
Verpackungsingenieur (m/w/d) QM, QS sanotact GmbH
Münster Zum Job 
Stadtwerke Rastatt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Bauingenieur oder Versorgungsingenieur Stadtwerke Rastatt GmbH
Rastatt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Spinnanlage; beim Spinnen von Recycling-PET aus Leintüchern

Spinnanlage; beim Spinnen von Recycling-PET aus Leintüchern.

Foto: Klaus Haiden/Andritz

Konsortium will Zucker in großem Stil verarbeiten

Um die Verwertung der Zuckerlösung kümmern sich die Österreicher nicht. „Die dazu nötige Forschung ist zu umfangreich“, sagt Bartl. Doch es deuten sich Verwendungsmöglichkeiten an. Der Zucker könnte über das Zwischenprodukt Furandicarbonsäure (FDCA) in den Kunststoff Polyethylenfuranoat (PEF) umgewandelt werden, aus dem sich besonders hochwertige Flaschen für Getränke herstellen lassen. Diese sind absolut gasdicht, sodass die Kohlensäure in den Getränken erhalten bleibt und auch kein Sauerstoff in die Flasche diffundiert und den Geschmack verfälscht.

Amsterdamer Unternehmen plant Produktion

Das Amsterdamer Unternehmen Avantium plant, für 150 Millionen Euro eine Produktionsstätte für FDCA und PEF zu bauen. Dabei sollen zwölf europäische Unternehmen helfen, die sich zum Konsortium „PEFerence“ formiert haben. Dazu gehören unter anderem Lego Systems und der Düsseldorfer Konzern Henkel. Die Finanzierung des Projekts soll bis Ende 2020 gesichert sein. Die Verwendung von Zucker aus Baumwolle würde ein Manko des Verfahrens ein wenig abschwächen: Die Verwendung von Lebensmitteln als industrieller Rohstoff.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.