TU Wien

Geschichte der TU Wien

Feierlich eröffnet wurde die TU Wien als k.k. Polytechnisches Institut am 6. November 1815, also kurz nach dem Ende des Wiener Kongresses, auf dem nach der endgültigen Niederlage des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte die Neuordnung Europas verhandelt und beschlossen wurde. Die Ursprünge der Hochschule gehen jedoch noch rund ein Jahrhundert weiter zurück. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in ganz Europa zur Gründung von Akademien in den Bereichen Ingenieurswesen (teilweise mit militärischem Hintergrund), Bau und Bergbau sowie den so genannten Realakademien mit überwiegend kaufmännischen Schwerpunkten.

Die Staaten auf dem Kontinent wollten damit einerseits den wachsenden Bedarf an Fachkräften mit einer technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung abdecken, der in den Verwaltungen, in der Wirtschaft und beim Militär bestand. Andererseits ging es darum, den großen industriellen und wissenschaftlichen Vorsprung Englands aufzuholen, gegen den die kontinentale Konkurrenz ziemlich erbärmlich aussah.

1805 beauftragte Kaiser Franz I. die österreichische Studienhofkommission damit, ein Gutachten über die Errichtung und Gründung eines Polytechnik-Instituts in Wien zu erstellen. Als Vorbild diente die seit 1795 bestehende École polytechnique in Paris. 1810 machte sich Prof. Johann Joseph Prechtl an die Ausarbeitung eines Studien- und Organisationsplanes und wurde später auch zum ersten Direktor der Bildungsanstalt ernannt.

Bereits einen Tag nach der Eröffnung, am 7. November 1815, begannen die ersten Vorlesungen. Zu dem Zeitpunkt gab es drei Professoren – von geplanten acht – und lediglich 47 Studierende. Im Oktober 1816 begannen die Bauarbeiten für das bis heute genutzte Hauptgebäude am Karlsplatz, zwei Jahre später konnte es bezogen werden.

1872 erfolgte die Umwandlung und Umbenennung in „Technische Hochschule“. Im Jahr 1901 wurde der TU Wien das Promotionsrecht verliehen, ab 1919 durften sich auch Frauen einschreiben. 1975 erhielt die Hochschule ihren heutigen Namen „Technische Universität“.

Mit dem 2002 erlassenen Universitätsgesetz (UG), einem österreichischen Bundesgesetz, erlangte die TU Wien die Vollrechtsfähigkeit, ist nun also nach § 4 UG eine juristische Person des öffentlichen Rechts. Seitdem liegt die Leitung in den Händen eines Rektors bzw. einer Rektorin sowie der vier Vizerektoren und des neu installierten Universitätsrates. Der Senat ist für die Satzung zuständig und schlägt geeignete Personen für die Wahl zum Rektor oder zur Rektorin vor.

Zahlen und Fakten zur TU Wien (Stand: Ende Dezember 2020)

Studierende: 25.951
Wissenschaftliches Personal: 4.125 (davon 200 Professorinnen und Professoren)
Allgemeines Personal: 1.281
Abschlüsse: 2.985 (Studienjahr 2019/20 – Bachelor, Master, Diplom und Doktorat)

Die Gliederung der TU Wien besteht aus acht Fakultäten und zahlreichen weiteren Dienstleistungseinrichtungen. Die Fakultäten der Hochschule sind:

  • Fakultät für Architektur und Raumplanung
  • Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
  • Fakultät für Informatik
  • Fakultät für Bauingenieurwesen
  • Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften
  • Fakultät für Technische Chemie
  • Fakultät für Physik
  • Fakultät für Mathematik und Geoinformation

Insgesamt werden von der TU Wien 53 Studiengänge angeboten: drei Doktorats-, ein Lehramts-, 18 Bachelor- und 31 Masterstudiengänge. Bis auf das Lehramtsstudium richten sich alle anderen Studien nach dem europaweit vereinbarten Bachelor-Master-System laut Bologna-Architektur.

Neben den Studiengängen bietet die Hochschule zahlreiche Weiterbildungsmaßmahmen als MBA-, MSc-, MEng-Programme sowie unter der Bezeichnung TU College an.

Standorte der TU Wien in der Stadt

Der überwiegende Teil der Universitätsgebäude befindet sich wie die bereits erwähnte Zentrale der Hochschule am Karlsplatz im Stadtzentrum bzw. im 4. Wiener Gemeindebezirk, in unmittelbarer Nachbarschaft zu zahlreichen bedeutenden Kulturdenkmälern wie der Karlskirche, dem Musikverein, der Secession, dem Künstlerhaus und dem Wien Museum. Ein Plan, die gesamte TU Wien in den Stadtteil Aspern zu verlegen, wurde im Jahr 2006 vom Rektorat nach ausführlichen Diskussionen mit Personal und Studierenden der Hochschule verworfen und stattdessen eine Verdichtung im 4. Bezirk beschlossen. Im Wesentlichen gliedert sich die TU Wien in vier große Standorte im Zentrum der Hauptstadt.

Hauptgebäude Karlsplatz: Hier befinden sich meisten Einrichtungen der Verwaltung sowie die Institute für Architektur und Raumplanung sowie für das Bauingenieurwesen.

Getreidemarkt: Institute für Maschinenbau und Chemie (seit dem Ersten Weltkrieg).

Gußhaus (Gußhaus- und Favoritenstraße): Insitute für Informatik, Informations- und Elektrotechnik.

Freihaus: Institute für Technische Mathematik und Technische Physik sowie die Universitätsbibliothek.

Weitere Standorte befinden sich

  • in der Stadionallee am Prater (Atominstitut)
  • am Arsenal (Science Center, Großlabor und Speziallabore für Maschinenbau sowie Hochleistungsrechner)
  • an den Aspanggründen (Labor für Wasserbau, Institute für Bauphysik, Baustofflehre und Brandschutz)
  • im Universitätszentrum an der Althanstraße: Raumplanung und dazugehörige Fachbereiche (vorübergehend)

Stellenwert der TU Wien im internationalen Vergleich

Die TU Wien ist keine Elite-Hochschule wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, Oxford oder Harvard. Das liegt nicht zuletzt am Etat der Hochschule. Verglichen beispielsweise mit der TU München, hat sie ungefähr die gleiche Anzahl an Studierenden, verfügt aber nur über ein Drittel der Finanzmittel. Einen Numerus Clausus wie in Deutschland gibt es in der Form auch nicht. Lediglich beim Informatik-Studiengang der TU Wien existieren Zulassungsbeschränkungen.

In zwei international bekannten Rankings sieht die Bewertung wie folgt aus:

  • QS World University Rankings: Platz 191 von 1.000 bewerteten Unis (Stand 2021)
  • The Times Higher Education World University Rankings: generell 251-300, bei Computer Science Rang 76 (Stand 2019)

Berufsbegleitendes Studium an der TU Wien

Die TU Wien bietet auch berufsbegleitende Studiengänge, Universitätslehrgänge und Kompaktprogramme in unterschiedlichen Disziplinen an, die teilweise in Deutsch, teilweise in Englisch durchgeführt werden. Die Übersicht zeigt die Angebote Stand Ende 2021.

Abschluss Master of Business Administration (MBA):

  • Mobility Transformation (3 Semester plus Masterthese)
  • Automotive Industry (3 Semester plus Masterthese)
  • Modern Workplace & Facility Management (4 Semester plus Masterthese)

Abschluss Master of Science (MSc):

  • Immobilienmanagement & Bewertung (4 Semester)
  • Environmental Technology & International Affairs (4 Semester)
  • Renewable Energy Systems (4 Semester)
  • Engineering Management (3 Semester)
  • Nachhaltiges Bauen (4 bzw. 2 Semester)
  • Healthcare Facilities (4 Semester)

Universitätslehrgänge:

  • Immobilienwirtschaft & Liegenschaftsmanagement (4 Semester)
  • Industrial Engineering (4 Semester)
  • Master of Engineering Nachhaltiges Bauen (4 bzw. 2 Semester)

Kompaktprogramme, die in nur wenigen Tagen oder Wochenendblöcken durchgeführt werden:

  • Immobilien und Bauen
  • Management & Leadership
  • Nachhaltigkeit & Energie
  • Technology & engineering

Bedeutende Erfindungen und technische Entwicklungen

Im Laufe ihrer Geschichte hat die TU Wien mit einigen Erfindungen bzw. technischen Weiterentwicklungen Erfolge erzielt, die allerdings eher in der Fachwelt als in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Drei Beispiele mögen aufzeigen, was die TU Wien zum technischen Fortschritt beigetragen hat und beiträgt.

Cermets

Im Bereich der industriellen Forschung hat die TU Wien einen wichtigen Teil zur Entwicklung der so genannten Cermets beigetragen. Dabei handelt es sich um besonders harte und widerstandsfähige Materialien, die in zahlreichen Branchen benötigt werden – zum Beispiel in Form von Schneidwerkzeugen und Bohrern – um wiederum andere harte Werkstoffe zu bearbeiten. Cermets bilden ein Klasse von Hartmetallen, deren Hauptkomponenten Titan, Kohlenstoff und Stickstoff sind. Sie wurden zunächst in den 1930er Jahren von dem österreichischen Unternehmen Plansee entwickelt und patentiert. Ab 1970 begann dann an der TU Wien eine intensive Forschung und Weiterentwicklung dieser Metalle. Ein Ergebnis dieser Weiterentwicklung ist die in jüngster Zeit gelungene Herstellung von Cermetbauteilen mit Hilfe von 3D-Filamentdruckern.

Neuartige Steuerung für Flugzeuge

Große wie kleine Flugzeuge werden je nach wetterbedingter Situation von Turbulenzen erschüttert, die vor allem bei Menschen mit Flugangst Furcht und Schrecken bereiten. Im Juli 2019 wurde auf dem Aérosalon in Paris eine Erfindung von András Gálffy vorgestellt, einem Dissertanten der TU Wien am Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik, die mit Hilfe von speziellen Sensoren Turbulenzen erkennt und mit einer intelligenten Regelungstechnologie gegensteuern kann.

Die gängige Praxis heutzutage ist, Turbulenzen so weit wie möglich vorherzusagen und die betroffenen Regionen in der Luft zu umfliegen. Das führt zu mehr Zeitaufwand, mehr Treibstoffverbrauch und insgesamt zu höheren Kosten. Die von Gálffy entwickelte Technologie ermöglicht es, dass die Flügelklappen Schwingungsbewegungen durchführen, die der Turbulenz genau entgegenwirken. Dadurch kann der Auftrieb variiert und das Schwingungsverhalten des Flugzeugs deutlich reduzuert werden. In Simulationen und bei unbemannten Testflügen ließen sich die Störeffekte um mehr als 80 % verringern. Das Verfahren ist bereits zum Patent angemeldet und soll durch Testreihen mit bemannten Flugzeugen zur Serienreife gebracht werden, um es in Zukunft auf die kommerzielle Luftfahrt übertragen zu können.

Heißes Wasser statt giftiger Lösungsmittel

Im Jahr 2020 wurde Miriam Unterlass, ihres Zeichens Materialwissenschaftlerin an der TU Wien, mit dem Staatspreis für eine ökologisch saubere Methode zur Kunststoffherstellung ausgezeichnet. Unterlass und ihrem Team ist es gelungen, biologische Kunststoffe unter Verwendung von heißem Wasser statt giftiger Chemikalien zu produzieren. Das ist nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern optimiert gleichzeitig die Eigenschaften des Materials.

Das Verfahren ist mittlerweile zum Patent angemeldet und für industrielle Anwendungen zur Reife gebracht. Kristalline Polymide können nun hergestellt werden, ohne dass hochgiftige Zusatzstoffe verwendet werden müssen. Polymide werden als Hochleistungswerkstoffe vor allem in der Elektronik- und Luftfahrtindustrie benötigt. Ihre Produktion erfolgt unter hohem Druck (um die 17 bar) und bei hohen Temperaturen (200 °C). Mittlerweile forschen Frau Unterlass und ihr Team daran, dieses als hydrothermal bezeichnete Verfahren auf andere wichtige Werkstoffe zu übertragen.

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