Aus verschiedenen Materialien 28.04.2020, 07:01 Uhr

Wasserstoff beeinflusst Eigenschaften von Supraleitern

Die Suche nach vielversprechenden Supraleitern, die auch bei hoher Temperatur elektrischen Strom ohne Widerstand leiten können, gestaltet sich schwierig. Forscher der Technischen Universität Wien (TU Wien) haben nun herausgefunden, dass Wasserstoff die elektronischen Eigenschaften der Supraleiter beeinflusst.

Wasserstoffmoleküle

Sobald bei der Herstellung von Nickelat-Supraleitern Wasserstoff eingeschlossen wird, ist das Material nicht supraleitend.

Foto: panthermedia.net/Sashkin7

„Hochtemperatur-Supraleitung ist ein äußerst komplexes und schwieriges Forschungsgebiet“, betont Karsten Held, Professor am Institut für Festkörperphysik der TU Wien. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass eine Gruppe Wissenschaftler aus Stanford spektakuläre Ergebnisse veröffentlichte, die aber von keinen anderen Forschern reproduziert und damit auch nicht bestätigt werden konnten. Das Team aus Stanford hatte im Sommer 2019 ein neues Zeitalter für die Hochtemperatur-Supraleitung in Aussicht gestellt. Die Wissenschaftler begründeten dies mit der Entdeckung sogenannter Nickelaten, einer besonderen Klasse von Materialien, die Eigenschaften von Supraleitern aufwiesen. Sie könnten also auch bei hohen Temperaturen ohne jeden Widerstand elektrischen Strom leiten.

Forscher der TU Wien fanden nun heraus, warum sich die Ergebnisse aus den USA nicht wiederholen ließen. Das liege daran, dass bei manchen Nickelaten zusätzliche Wasserstoffatome in die Struktur des Materials eingebaut werden. Durch diese Zugabe ändere sich das Verhalten des Materials. Diesen Effekt müsse man deshalb bei der Herstellung neuer Supraleiter entsprechend berücksichtigen.

Empfänglich für Wasserstoff

„Lange Zeit konzentrierte man sich ganz besonders auf sogenannte Cuprate, also kupferhaltige Verbindungen. Man spricht daher auch vom Kupfer-Zeitalter“, erklärt Karsten Held. „Mit ihnen gelangen einige wichtige Fortschritte, auch wenn es in der Theorie der Hochtemperatur-Supraleitung bis heute viele offene Fragen gibt.“ Forscher hatten in der Vergangenheit herausgefunden, dass manche Materialien nur nahe dem absoluten Temperatur-Nullpunkts eine supraleitende Funktion aufweisen. Diese sind für technische Anwendungen aufgrund dessen jedoch gar nicht einsetzbar. Jahrzehntelang haben Wissenschaftler deshalb nach Materialien gesucht, die auch bei höheren Temperaturen diese besondere Eigenschaft mitbringen. Entdeckt wurden in den 1980er-Jahren sogenannte „Hochtemperatur-Supraleiter“. Wobei der Name irreführend ist, weil auch die Hochtemperatur-Supraleiter stark gekühlt werden müssen, um ihre besonderen supraleitenden Eigenschaften zu erhalten. Den Forschern allerdings war es wichtig, auch Supraleiter bei höheren Temperaturen ausfindig zu machen.

Bei diesen Forschungen konzentrierte man sich erstmals auf eisenhaltige Supraleiter. Daraus resultierte auch das Ergebnis der Stanford-Wissenschaftler. An der TU Wien analysierte man nun die Nickelate mit Hilfe von Supercomputern. Dabei kam heraus: Sie sind extrem empfänglich für Wasserstoff. Wasserstoffatome können beispielsweise bei der Synthese in bestimmte Nickelate eingebaut werden. Die Folge: Die elektronischen Eigenschaften des Materials ändern sich vollständig. „Allerdings passiert das nicht bei allen Nickelaten“, sagt Liang Si von der TU Wien. „Unsere Berechnungen zeigen, dass es bei den meisten von ihnen energetisch günstiger ist, Wasserstoff einzubauen, bei den Nickelaten aus Stanford allerdings nicht. Auch geringfügige Änderungen der Synthesebedingungen können einen Unterschied ausmachen.“ Eine Gruppe Forscher von der National University of Singapore (NUS Singapore) nutzte am 24. April 2020 diese Erkenntnisse von der TU Wien, um supraleitende Nickelate herzustellen. Dies gelang, da sie schon bei der Produktion den freiwerdenden Wasserstoff entweichen ließen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter/-ingenieur TGA (m/w/d) INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik als Projektleiter EMSR (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Projektleiterin als Ingenieurin Mittel- und Niederspannungstechnik (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg-Rothenburgsort Zum Job 
Stadtverwaltung Frankenthal-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker - Technische Rechnungsprüfung (m/w/d) Stadtverwaltung Frankenthal
Frankenthal (Pfalz) Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) HKLS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / CAD-Konstrukteur TGA (m/w/d) ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Bauleiter / Obermonteur (m/w/d) HLKS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales für unsere Key Accounts (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
AllTerra Deutschland GmbH-Firmenlogo
Support Mitarbeiter Vermessungslösungen / Vermessungstechnik (m/w/d), 80-100 % (Wunstorf bei Hannover, Hamburg, Berlin oder Leipzig) AllTerra Deutschland GmbH
Berlin, Leipzig, Hamburg, Wunstorf bei Hannover Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur als Sachgebietsleiter - Betriebsservice U-Bahn, Bauprojekte (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Langenbrettach Zum Job 
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH-Firmenlogo
Traineeprogramm für Ingenieure (all genders) - befristet für 24 Monate Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Frankfurt am Main Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Maschinenbau Silberhorn GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) (Sonder-)Maschinenbau Maschinenbau Silberhorn GmbH
Parsberg (Lupburg) Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)

Supercomputer helfen dabei, Supraleiter zu finden

Um weiter an den Eigenschaften von Nickelaten forschen, sie besser verstehen und vorhersagen zu können, entwickeln und verwenden die Wissenschaftler an der TU Wien neue Computerberechnungsmethoden. „Nachdem hier eine große Zahl quantenphysikalischer Teilchen gleichzeitig eine Rolle spielt, sind Rechnungen extrem aufwendig“, erklärt Liang Si. „Durch die Kombination verschiedener Methoden gelingt es uns nun aber sogar, die kritische Temperatur abzuschätzen, bis zu der die verschiedenen Materialien supraleitend sind. Solche zuverlässigen Berechnungen waren bisher nicht möglich.“ Konkret berechnete das Team, in welchem Bereich sich die Konzentration von Strontium in den Nickelaten bewegen darf, damit eine Supraleitung möglich wird.

In einem weiteren Experiment hat es diese Vorhersagen bestätigen können. Karsten Held wagt nach den Erfolgen einen Blick in die Zukunft: „Durch die neuen Nickelat-Supraleiter sowie unser theoretisches Verständnis und die Vorhersagekraft der Computerrechnungen eröffnet sich eine ganz neue Perspektive, dem großen Traum der Festkörperphysik näher zu kommen: einem Supraleiter bei Umgebungstemperatur, also ohne Kühlung.“

 

Mehr zum Thema Supraleiter:

  • Premiere für den supraleitenden Generator
  • Mit einem Quantenradio das Rätsel der Gravitation lösen?

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.