Mehr deutsches Soja 04.04.2013, 12:22 Uhr

Neue Soja-Sorten vertragen besser deutsches Klima

Forscher arbeiten an Soja-Züchtungen, die besser an das kältere Klima in Deutschland angepasst sind. Die neuen Sorten können bereits zwei Wochen früher als bisher mit dem gleichen Ertrag geerntet werden und bieten zudem einen höheren Eiweißgehalt. Bislang müssen große Mengen Soja nach Deutschland importiert werden.

Der Agrartechniker Dr. Volker Hahn von der Universität Hohenheim arbeitet an Soja-Pflanzen, die besser ans deutsche Klima angepasst sind und höhere Ernteerträge versprechen.

Der Agrartechniker Dr. Volker Hahn von der Universität Hohenheim arbeitet an Soja-Pflanzen, die besser ans deutsche Klima angepasst sind und höhere Ernteerträge versprechen.

Foto: Universität Hohenheim/Landessaatzuchtanstalt

Soja ist eine subtropische Planze. Sie wächst hauptsächlich in warmen Ländern wie Brasilien, Paraquay und den USA. Da sie eine Kurztagspflanze ist, benötigt sie sehr viel Wärme. Unser Klima mit kühlen Nächten und Winden auf den Äckern lässt die Pflanze jedoch nur langsam reifen, so dass sie erst im Oktober geerntet werden kann. Züchtungsforscher der Universität Hohenheim wollen dies ändern: Im April wollen sie erstmals neue Sojabohnen-Sorten auf ihren Versuchsfeldern in Kleinhohenheim und Eckartsweier bei Kehl aussäen, die auch in hiesigem Klima gut gedeihen können und einen höheren Ernteertrag versprechen.

Die konventionelle Soja, die derzeit in Deutschland angebaut wird, wächst in Körnermaisanbau-Anlagen, die eine gewisse Wärme spenden. Entlang der Donau und des Rheins gibt es rund 5000 Hektar Anbauflächen. In Freiburg steht die größte Tofu-Fabrik Europas. „Soja ist ein Wachstumsmarkt“, meint Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim. „Die Nachfrage nach Tofu-Produkten und Soja-Milch steigt seit Jahren.“ Außerdem ist Soja auch als Futterpflanze aufgrund ihres hohen Futterwertes von Bedeutung. Um den steigenden Bedarf stärker durch heimische Produktion decken zu können, arbeiten die Hohenheimer Forscher an neuen Züchtungen, die besser an das Klima in Deutschland angepasst sind.

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Kleine Toastereien für mehr Gewinn

Um Sojabohnen mit einer noch besseren Qualität entwickeln zu können, führt Dr. Hahn zusätzlich Versuche mit Soja-Produzenten durch. Soja ist für die Tiere als Futterpflanze oft erst nach dem sogenannten Toasten verträglich, wenn es durch Dampf und Druck erhitzt wird. Dieser Vorgang geschieht in den sogenannten Toastereien. Doch nicht jeder Landwirt kann sich eine eigene Toasterei leisten, so dass die Sojabohnen zu den wenigen großen Toastereien transportiert werden müssen, was mit hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden ist.

Der Agrartechniker Ludwig Asam vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) entwickelnt nun preisgünstige Kleintoastereien, damit Transportkosten gespart werden und schon kleine eiweißreiche Soja-Erntemengen verarbeitet werden können.

Versuchsanlagen in den USA wälzen Boden mit Zwischenfrüchten um

Dass die Direktsaat von Soja im Öko-Anbau funktieren kann, zeigen die Versuche in einem privaten Forschungsinstitut in Pennsylvania, USA. Dort wird seit 30 Jahren ökologischer und konventioneller Soja-Anbau im Vergleich betrieben. Bei ähnlichen Wetterverhältnissen wie in Deutschland werden im ökologischen Anbau wie im konventionellen ähnlich hohe Ernteergebnisse erzielt. Farmleiter Jeff Moyer vom Rodale Institute verwendet ein spezielles System, bei dem auf eine direkte Bodenbearbeitung weitgehendst verzichtet wird. Moyer wälzt den Boden aus Zwischenfrüchten mit einer Messerwalze um, auf dem anschließend die Direktsaat kommt. Die Zwischenfrüchte unterdrücken den Unkrautwuchs, so dass eine Unkrautbekämpfung nicht notwendig ist.

Hohe Nachfrage nach Soja fordert Importe

„Wenn es uns gelingt, verbesserte Sorten zu züchten, hat Deutschland gute Chancen, die Eigenversorgung mit Öko-Soja in Zukunft auszubauen“, erklärt Dr. Hahn. Aber Soja-Selbstversorger werde Deutschland wohl niemals.„Dafür ist die Nachfrage viel zu groß.“

Soja liefert als einzige Pflanze eine Eiweißqualität, die mit dem tierischen Eiweiß vergleichbar ist. Die Sojabohnen enthalten 38 % Eiweiß und 18 % Öl. Zwei Prozent der Ernte wird von uns Menschen direkt konsumiert. Der größte Teil hierbei wird für die Produktion von Sojaöl verwendet, das als Lebensmittel aber auch als Biodiesel verwendet wird. Das Nebenprodukt Sojakuchen, das als Abfallprodukt entsteht, wird mit dem noch höheren Eiweißgehalt von 98 Prozent für die Tierproduktion verwendet.

Sojaanbau bringt stickstoffreichen Boden

Mehr Sojaanbau würde dann auch einen erhöhten Beitrag zum Umweltschutz leisten, da der Boden mit mehr Stickstoff versorgt werde. Das Projekt wurd vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft mit einer Summe von rund 127.000 Euro gefördert.

 

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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