VDMA 17.08.2020, 16:14 Uhr

Maschinenbau streicht in der Krise 32.000 Jobs: Warum das noch moderat ist

Im Maschinenbau fallen Zehntausende Jobs weg. Laut dem Verband VDMA ist der Stellenabbau aber noch moderat. INGENIEUR.de hat nachgefragt und exklusive Stimmen für Sie zum Jobverlust im Maschinenbau.

Zwei Maschinenbauer

Die Corona-Krise fordert 32.000 Jobs im Maschinenbau. (Symbolbild)

Foto: panthermedia.net/jakubzak92

32.000 Arbeitsplätze sind im ersten halben Jahr im Maschinenbau gestrichen worden. Die Corona-Krise, Handelsbarrieren und der Strukturwandel in der Autoindustrie haben zum Verlust der Arbeitsplätze geführt. Die Zahl der Beschäftigten sank bis Ende Juni auf rund 1,03 Millionen.

„Angesichts der immensen Belastungen, denen unsere Industrie ausgesetzt ist, bleibt dies ein moderater Abbau“, argumentiert Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbauverbandes VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.). Die Kurzarbeit sei an dieser Stelle ein helfendes Instrument.

Sind 32.000 verlorene Jobs wirklich „moderat“ oder sind das genau 32.000 Stellen zu „viel“, die hier weg gefallen sind?

VDMA-Sprecher Holger Paul äußert sich dazu auf Nachfrage von INGENIEUR.de:

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„Das ist eine spannende Diskussion, die wir auch intern geführt haben. Es handelt sich hier um 3 % der Beschäftigten im Maschinenbau. Wenn man mal schaut, dass die Auftragseingänge um 30 % runtergegangen sind in den letzten Monaten und dass die Produktion auch zweistellig eingebrochen ist, genaue Werte haben wir hier noch nicht, kann man unterm Strich sagen, dass es ein moderater Abbau ist.“

Paul verweist dabei auf andere Branchen, in denen der Stellenabbau noch massiver ist, wie in der Autoindustrie. Dass die Stellenstreichungen im Maschinenbau weh tun, stehe aber außer Frage, so der VDMA. „Harmlos ist hier nicht gemeint, aber im Verhältnis gesehen, wie die Aufträge runter gehen, handelt es sich um einen moderaten Stellenabbau.“ Getragen werde das Ganze von der Kurzarbeit.

Maschinenbau: Kurzarbeit ist das Mittel der Wahl

„Von daher ist Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf dem richtigen Weg, wenn er die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds auf 24 Monate ausdehnen will“, sagte Wiechers. Der SPD-Politiker und Vizekanzler hatte sich am Wochenende in einem Interview für eine Verlängerung ausgesprochen.

Kurzarbeitergeld-Rechner: Wie viel Geld bekomme ich eigentlich?

Gut ein Drittel der Beschäftigten in der exportorientierten Branche war den Angaben zufolge Anfang Juli in Kurzarbeit. Der Anstieg von geschätzt 354.000 Kurzarbeitern im Juni auf 378.000 im Juli sei allerdings deutlich geringer ausgefallen als in den Monaten zuvor. Bei Neueinstellungen überwiegt den Angaben zufolge derzeit die Vorsicht. „Die Zahl der gemeldeten Stellen im Maschinenbau hat sich zum Vorjahr fast halbiert“, erläuterte Wiechers.

Beim VDMA hält man Kurzarbeit weiterhin für den richtigen Weg, das bestätigt Holger Paul. „Eindeutig, das ist das Mittel der Wahl.“

Welche Unternehmen im Maschinenbau besonders viele Stellen streichen mussten, ist nicht bekannt. „Die dürfen wir auch nicht kommunizieren, das ist Sache der einzelnen Unternehmen“, so Paul.

„Wir erfahren das auch oft erst aus der Presse, wer zahlreiche Jobs gestrichen hat.“

Conti und alles, was sich im Umfeld Automobil bewegt, zählt zu den Firmen, die wohl immens Jobs streichen mussten, berichtet der VDMA-Sprecher aber dann doch. „Klar, die Automobilbranche ist von zwei Seiten getroffen, der Corona-Krise und dem Strukturwandel.“

Vor allem die Corona-Krise setzt den Maschinenbauern hart zu. Im ersten Halbjahr waren deutlich weniger Bestellungen eingegangen als im Vorjahreszeitraum (minus 16 %). Insbesondere die Nachfrage aus dem Ausland verringerte sich. Internationale Handelskonflikte hatten die Maschinenbauer bereits im vergangenen Jahr belastet. Produktion und Umsatz waren gesunken.

Umschwung kann gelingen, je nachdem, wie die Corona-Pandemie verläuft

Ob die Aussichten weiter auf Stellenabbau stehen oder es doch eine Trendwende zum Positiven gibt, kann der Verband auch nicht einschätzen. Doch sollte es bald ein Medikament oder eine Impfung geben, dann könne sich auch im Maschinenbau eine Wende einstellen. „An den russischen Impfstoff glaubt ja keiner so wirklich“, sagt Paul. Wir berichteten hier über die Zulassung.

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Ein Beitrag von:

  • dpa

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Pressesprecherin beim VDI e.V.

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