Fertigung 19.04.2002, 17:33 Uhr

Dünneres Blech stärkt Wachstumschancen

Die Weißblechdose hält sich gut im Markt, denn sinkende Wanddicken sowie optimierte Design- und Abfülltechniken bescheren ihr neue Anwendungschancen, wie die Branchenvertreter auf der Interpack in der Messehalle 10 verdeutlichen.

Auf der 16. „Interpack“ beweist die Weißblech-Verpackungsbranche vom 24. bis 30. April in Düsseldorf: Der seit Jahren anhaltende Trend zur Gewichtsoptimierung ist ungebrochen. „Durch die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Blech- und Verpackungshersteller“, so berichtet Astrid Goldberg vom Düsseldorfer Informations-Zentrum Weißblech IZW (Halle10/E 17), „konnte das Ausgangsmaterial für 0,33-l-Getränkedosen auf eine Dicke von 0,21 mm reduziert werden. Nach dem „Abstrecken“ werde die Wanddicke sogar auf nur noch 0,07 mm reduziert – ohne dabei die Stapelfähigkeit auf den Paletten zu reduzieren. Innerhalb von nur zehn Jahren sei damit der spezifische Materialeinsatz um gut ein Viertel gesunken.
Einen ähnlichen Weg beschreitet die Verpackungsmittelindustrie im Bereich Weißblech auch außerhalb des Getränkesektors, wobei hier der technisch mögliche Fortschritt oftmals durch die Investitionsrhythmen der Abfüller vorgegeben wird, wie Klaus-Dieter Feldmann von Züchner Verpackungen in Seesen berichtet. Nach Jahren relativen Stillstands sei jetzt wieder eine deutliche Reduzierung der Wanddicken zu erwarten, wobei hier Züchner durch ein neues, mit Hilfe der Computersimulation optimiertes Sickenprofil Vorreiter sein will. „Wir haben es geschafft, die Wand auf 0,17 mm zu reduzieren und werden auch noch ein weiteres Hundertstel schaffen“, meint der Experte. Bei einem Markt von rund 500 Mio. Dosen der 850 ml-Norm in Deutschland bedeutet das gegenüber der bis jetzt üblichen Dicke von 0,195 mm einen verminderten Stahlverbrauch von rund 40 000 t – die nicht verteilt und recycelt werden müssen.
Dünner wurden auch die Materialdicken bei den Aufreißdeckeln mit 73 mm Durchmesser, die jetzt 0,21 mm dick sind. Vor allem durch neue Blechhärten und eine zusätzlich stabilisierte Reißfläche konnte hier eine vergleichbare Sicherheit erreicht werden, die auch den Belastungen bei den temperatur- und druckintensiven Abfüllprozessen gewachsen ist.
Als weltweit erster Hersteller bietet Schmalbach-Lubeca/Continental Can Europe, Ratingen, eine aseptische Abfülltechnologie für Getränkedosen an. Die inzwischen marktreife Technologie, auf die das in Halle 10 ausstellende Verpackungsunternehmen ein Patent hält, gewährleistet lange Produkthaltbarkeit bei gleich bleibender Qualität – auch für nichtkarbonisierte Getränke wie etwa Milch-Drinks, angereicherte Fruchtsäfte oder stille Wässer mit Wellness-Zusatznutzen. Continental Can Europe arbeitet derzeit mit dem niederländischen Molkereiunternehmen Refresco zusammen, um in Zukunft erweiterte Produktionskapazitäten für solche Produkte anbieten zu können. Mitte 2003 soll eine aseptische Abfüllanlage für Dosen in Betrieb gehen, die weltweit erstmals eine kommerziell relevante Größenordnung erreicht.
Bei der aseptischen Abfüllung werden die Getränke für eine kurze Zeit auf 140 °C erhitzt und anschließend unter keimfreien Bedingungen in zuvor sterilisierte Dosen abgefüllt. Vor dem Verschließen der Dosen wird eine geringe Menge an sterilisiertem, flüssigem Stickstoff in die Dose eingebracht, die den Sauerstoff im Gebinde beseitigt und bei Getränken ohne Kohlensäure den notwendigen Innendruck erzeugt, um den Behälter zu stabilisieren.
Bei einer garantierten Haltbarkeit von einem Jahr bleiben durch das besonders schonende aseptische Abfüllverfahren Geschmackserlebnis und Vitamine ebenso erhalten wie wertvolle Zusatzstoffe, die insbesondere im wachsenden Markt der „Functional Drinks“ verwendet werden. „Wir sind von den Wachstums-Chancen auf diesem Gebiet überzeugt. Deshalb wollen wir diesen Zukunftsmarkt gemeinsam mit unseren Kunden aktiv mitgestalten“, erklärt Rob Miles. Der Marketing-Manager von Schmalbach-Lubeca/Continental Can Europe verspricht dabei schon heute: „Die aseptische Abfüllung wird unterm Strich nicht teurer als das bisher übliche Sterilisationsverfahren.“
Breiter werden in Zukunft in jedem Fall die Einsatzgebiete der Dosen.Neben klassischen Gebieten wie Gemüsekonserven und einige Getränkesparten dringen sie nun auch verstärkt in andere Bereiche. So will das IZW auf seinem Stand neben Verpackungsvisionen für den Lebensmittel- und Getränkesektor auch neue Verpackungsideen für pharmazeutische Produkte und Kosmetik vorstellen. Denn inzwischen sind beim Bedrucken die bisherigen Nachteile der Stahldose gegenüber der Aluminiumalternative geschrumpft. So kann Schmalbach-Lubeca laut den Firmeninformationen jetzt Stahldosen so bedrucken, dass sie jeden Vergleich in Bezug auf Glanz und Brillanz standhielten. Ein neuer Grundlack, der mehr Aluminium-Pigmente enthält, macht’s möglich. MANFRED SCHULZE/Si

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

  • Manfred Schulze

    Manfred Schulze ist freier Journalist für Fachzeitungen Energie, Logistik, Technologie.

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