Produktentwicklung 02.04.2013, 13:25 Uhr

Kosten senken genügt nicht im globalen Wettbewerb

Kostensenkung allein bringt auf den globalen Märkten langfristig keinen Erfolg. Um dem wachsenden Wettbewerbsdruck zu begegnen, müssen die Wünsche und Anforderungen der Kunden frühzeitig in den Entwicklungsprozess eingebracht werden, erklärten Experten auf dem 20. Management Kolloquium der TU München.

Experten warnen: Produktionskosten senken allein genügt heute nicht mehr, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.

Experten warnen: Produktionskosten senken allein genügt heute nicht mehr, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.

Foto: dpa/Friso Gentsch, Volkswagen

Dass Unternehmen ihre Produkte am Bedarf der Kunden ausrichten sollten, ist eigentlich selbstverständlich. „Die kundenorientierte Gestaltung von Produkten und Services ist die Grundvoraussetzung, um im Wettbewerb bestehen zu können“, sagte Horst Wildemann als Gastgeber des 20. Münchner Management Kolloquiums an der Technischen Universität.

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Allerdings führe das heutige Unternehmensumfeld, etwa durch die zunehmende Vernetzung der Kunden und steigenden Wettbewerbsdruck, zu einer Renaissance des Cost Engineering, erklärte der Professor und Unternehmensberater. „Globale Unternehmen müssen unterschiedlichste Kundenanforderungen auf dem Weltmarkt individuell erfüllen.“ Es gelte deshalb heute im Idealfall Kundenwert und Kostenoptimierung gleichzeitig zu realisieren.

„Allein Kosten zu senken greift zu kurz“

Allein die Kosten zu drosseln, greife zu kurz, warnten Experten im Verlauf des hochkarätig besetzten Symposiums. Sie waren sich darin einig, dass vor allem die Sparpotenziale im Bereich Personal ausgeschöpft seien. Insgesamt, warnte Wildemann, „führt eine reine Kostenreduktion zu Einbußen bei Qualität und Innovationskraft, die die Wettbewerbsposition der Unternehmen gefährden“.

Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns Martin Winterkorn stellte dar, vor welcher Bewährungsprobe z. B. die Automobilindustrie steht. Märkte und Kundenwünsche differenzierten sich immer stärker, der Innovationsdruck Richtung emissionsloser und unfallfreier Mobilität steige, darüber hinaus wachse die Wettbewerbsintensität durch neue, teils aggressive Konkurrenten. „Unter diesen Bedingungen müssen mehr denn je die drei wesentlichen Faktoren für einen dauerhaften Unternehmenserfolg in Einklang gebracht werden: Produktqualität, Produktivität und Kundenzufriedenheit“, erklärte Winterkorn. Hier seien neue intelligente Konzepte des Cost Engineering gefragt.

Das „Lego-Prinzip“ schafft Übersichtlichkeit

VW nutzt deshalb vorrangig zwei Stellhebel: die Lokalisierung von Produkt und Produktion sowie die modulare Baukastenstrategie, die „das technologische und wirtschaftliche Rückgrat“ der VW-Fahrzeugflotte bildet. Dieses „Lego-Prinzip“ schaffe durch den Einsatz von Modulen mehr Übersichtlichkeit. Qualität werde weltweit durch Standardisierung gesichert, gleichzeitig wachse die Flexibilität, sagte Winterkorn.

Auch das Industrieschwergewicht Siemens bekommt den zunehmenden Wettbewerbsdruck auf den Weltmärkten zu spüren. Imitierten chinesische oder indische Konkurrenten vor zehn Jahren noch westliche Technik und verkauften sie auf lokaler oder regionaler Ebene, drängen sie heute zunehmend mit eigenen Innovationen und Hochtechnologie auch auf westliche Märkte, führte Roland Busch, Vorstandsmitglied der Siemens AG, aus.

Zwischen Kosten- und Leistungsführerschaft entscheiden

Laut Busch müssen sich Unternehmen deshalb entscheiden, ob sie die Kosten- oder die Leistungsführerschaft einnehmen wollen. „Ein bisschen von beidem funktioniert nicht“, ist Busch überzeugt. Er plädiert deshalb für Forschung und Entwicklung direkt vor Ort, z. B. in den Schwellenländern. „Das reduziert Kosten und erhöht die Kundenausrichtung. Ein Entwickler, der selbst vom jeweiligen Markt kommt, sieht die Anforderungen mit ganz anderen Augen.“ Zu Ende geführt, bedeute dies aber auch, zum Teil komplett neue Produkte herzustellen, basierend auf lokalen Gegebenheiten und Komponenten.

Wie der TÜV Rheinland durch Cost Engineering seinen Umsatz steigern konnte, skizzierte Vorstand Manfred Bayerlein. Das Serviceunternehmen, das an 500 Standorten in 65 Ländern seine Dienste anbietet, sieht modernes Projekt- und Workflow-Management als effiziente Stellschrauben. Beispiel Aufzugprüfungen: „Hier wollten wir uns im Massengeschäft differenzieren und Kosten reduzieren, ohne an der Sicherheit zu sparen“, erklärte Bayerlein. TÜV Rheinland schaffte das bisherige Verfahren mit Gewichten ab und ersetzte es durch eine vollständig elektronische Prüfung. Zudem wurde ein IT-gestützter und papierloser Workflow eingeführt. „Unsere Kunden können jederzeit auf die entsprechenden Daten zugreifen“, so Bayerlein. Durch die Umstellung konnte der Dienstleister seinen Marktanteil in diesem Segment von 23 % auf 27 % ausbauen.

Aus der Sicht von Helmuth Frisch, CEO der S & S Separation and Sorting Technlogy GmbH, geht es beim Thema Cost Engineering darum, mit den Auftraggebern im Gespräch zu bleiben und konkret auf ihren Bedarf einzugehen. Das schaffe Vertrauen und bilde die Basis für langfristige Geschäftsbeziehungen. „Die meisten neuen Entwicklungen werden von Kunden angestoßen“, ist die Erfahrung des Unternehmenslenkers.

Ein Beitrag von:

  • Simone Fasse

    Freie Journalistin und der Kopf hinter der Kommunikationsagentur Verbia in München. Simone Fasse besuchte die Georg-von-Holtzbrinck-Schule und arbeitete als Volontärin und Redakteurin bei VDI Nachrichten, bevor sie als in die Unternehmenskommunikation des Pay-TV-Senders Premiere (heute Sky Deutschland) wechselte. Seit 2007 schreibt sie freiberuflich mit den inhaltlichen Schwerpunkten Digitalisierung, Neue Technologien, New Work, Diversity/Women in Tech. Sie wurde mit dem „Medienpreis Technik“ ausgezeichnet und moderiert Events und Paneldiskussionen.

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