Maschinenbau 20.07.2012, 11:00 Uhr

Deutscher Maschinenbau bekommt Konkurrenz aus China

Deutsche Maschinenbauer müssen sich auf steigenden Wettbewerb durch chinesische Unternehmen einstellen. Welche Risiken, aber durchaus auch neuen Geschäftsmöglichkeiten sich hieraus ergeben, analysiert eine umfassende Studie, die vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) jetzt in Frankfurt vorgestellt wurde.

Die Analyse des aktuellen, bis 2015 gültigen Fünfjahresplanes zeigt laut VDMA, dass China enorme Anstrengungen unternimmt, um im Maschinenbau technologisch weiter aufzuholen und Marktpositionen zu stärken. „Schon heute ist das Land mit einem Umsatz von 563 Mrd. € weltgrößter Maschinenbauer und hat auch seinen Anteil an den weltweiten Maschinenexporten auf inzwischen fast 10 % ausgebaut“, heißt es dazu im Vorwort der Studie. Strategische Schwerpunkte der Chinesen seien nun, die Abhängigkeit von ausländischen Technologien zu reduzieren, Umwelt und Ressourcen zu schonen sowie den F&E-Anteil am Bruttoinlandsprodukt massiv zu steigern.

Chinesische Unternehmen wollen Innovationsführer im Maschinenbau werden

Insbesondere Forschung und Entwicklung stehen im Zentrum des aktuellen Fünfjahresplanes, denn die chinesischen Firmen wollen Innovationsführer in wichtigen Bereichen werden. „Die Schlüsselindustrien sollen regional konzentriert werden, zum Beispiel Highend-Equipment in Hunan oder Neue Energien in Sichuan“, stellt VDMA-Präsident Thomas Lindner fest.

Der Studie zufolge ist es das Ziel Chinas, bis 2015 Maschinen nicht mehr nur im unteren Preissegment anzubieten, sondern auch Technologie nach dem Stand der Technik zu liefern. Das würde auch den deutschen Maschinenbau treffen. Auf dem Weg zu diesem neuen Niveau werde China erneut Überkapazitäten und landesinternen Wettbewerb schaffen, was auf den Weltmärkten für starke Verzerrungen sorgen könne. Beispielsweise sei China mittlerweile der größte Hersteller von Werkzeugmaschinen und habe zur Entlastung des Binnenmarktes seine Exportziele für 2015 auf 4 Mrd. $ fixiert – das Achtfache gegenüber 2010.

Dass die Firmenkäufe der Chinesen in Europa zum Ausverkauf des deutschen Maschinenbaus führen würden, verneinte Lindner entschieden. „Genauso wie deutsche Unternehmen sich stark mit Investitionen in Produktion, Entwicklung und Vertrieb in China engagieren, sollten wir nichts dagegen haben, dass sich auch chinesische Unternehmen in Deutschland engagieren“, betont er. Es müsse aber fair zugehen und Wettbewerbsgleichheit gewährleistet sein. Wenn die chinesische Zentralregierung Auslandsinvestitionen massiv fördere, dürfe sie deutsche Unternehmen bei Engagements in China nicht einschränken. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sei es notwendig, die Aktivitäten der chinesischen Wettbewerber sowie die lenkende Hand von Partei und Regierungsstellen genau zu beobachten und zu analysieren.

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Deutscher Maschinenbau: Fünfjahresplan empfiehlt gezielte Förderung bestimmter Bereiche

Hierbei liefere der akribisch erstellte Fünfjahresplan wichtige Informationen. Ihm lasse sich entnehmen, dass besonders die Förderungen in folgenden Bereichen von großer Relevanz für den deutschen Maschinenbau sind: Zulieferer für die Elektromobilität, Solar- und Windkraftindustrie, Luftfahrt, Hochgeschwindigkeitszüge und intelligente Ausrüstungen für die Produktionstechnik. Für Teilbranchen des Maschinen- und Anlagenbaus wie Hütten- und Walzwerkeinrichtungen, Thermoprozesstechnik, Gießereimaschinen, Verfahrenstechnik, Fluidtechnik, Präzisionswerkzeuge, Werkzeugmaschinen oder Formenbau ergeben sich neue Marktpotenziale.

„Aber es entstehen auch staatlich geförderte mächtige neue Wettbewerber“, warnt Lindner. Man müsse sich auf die veränderten Bedingungen in China einstellen und die eigenen Strategien neu ausrichten. Das könne verstärkte Produktion und Entwicklung in China heißen, aber auch Nachdenken über neue Kooperationen oder gesteigerte Innovationen, um den chinesischen Wettbewerb auf Distanz zu halten.

Jörg Nürnberg, Executive Director der Droege Group China Ltd., welche die Studie im Auftrag des VDMA durchgeführt hatte, fasst die Erkenntnisse in einem prägnanten Satz zusammen: „China ist auf dem besten Weg zur Innovationsmaschine.“ Der Wille zur eigenständigen Innovation sei in sieben strategische Sektoren spezifiziert, die für die Gesamtwirtschaft herausragende Bedeutung hätten, in denen China aber noch gegenüber anderen Staaten merkliche Defizite aufweise. Dies seien: umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Energiequellen, Highend-Equipment, Energieeffizienz, neue Materialien, Biotechnologie und neue IT.

Für F&E sowie eigenständige Innovation sollen bis 2015 mindestens 2 % des BIP – etwa 215 Mrd. € – ausgegeben werden. Mit Marktanreizen wie etwa Steuerbefreiungen werde die technologische Entwicklung gefördert. Weiterhin heiße China alle Investitionen von Auslandsunternehmen willkommen, sofern sie einen Technologietransfer mit sich bringen.

Deutscher Maschinenbau soll künftig verstärkt Massenmärkte bedienen

Was die Auswirkung dieser Entwicklungen für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau betrifft, meint China-Experte Nürnberg: „Dennoch gibt es einige Bereiche, an denen deutsche Unternehmen arbeiten können, um vom 12. Fünfjahresplan zu profitieren.“ Seine Empfehlungen: Produkte sollten den Marktbedürfnissen angepasst sein. Auch Massenmärkte sollten bedient werden. Kunden wollten flächendeckenden Einsatz. Und nicht zuletzt: Lokale F&E werde zunehmend notwendig.

 

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