Neuen Spieltisch erfunden 12.05.2016, 07:47 Uhr

Diese interaktive Tischtennisplatte kennt jeden Drall und Spin

Das letzte Tischtennisduell dürfte für die meisten Ingenieure schon eine Weile zurück liegen. Vielleicht haben sie noch auf den fest montierten Tischtennisplatten auf dem Pausenhof in der Schule gespielt. Inzwischen ist auch die Tischtennisplatte im 21. Jahrhundert angekommen: Sie ist interaktiv und digital.

Spielerdaten auf einer Tischtennisplatte: Der Student Thomas Mayer hat ein Spielgerät entwickelt, das Spieler und Ball genau erfasst und optimal ist, um sein Spiel zu verbessern.

Spielerdaten auf einer Tischtennisplatte: Der Student Thomas Mayer hat ein Spielgerät entwickelt, das Spieler und Ball genau erfasst und optimal ist, um sein Spiel zu verbessern.

Foto: Thomas Mayer

Mit den Tischtennisplatten aus Beton, die noch immer auf Pausenhöfen herumstehen, hat die interaktive Ausgabe des Interaktionsspezialisten Thomas Mayer nur noch wenig gemein. Kameras halten jeden Schlag, jede Bewegung, jede Flugkurve fest.

Und das ist kein Kinderspiel: Tischtennisbälle sind ungeheuer schnell, wenn der Spieler sein Handwerk beherrscht und versiert Vorhand und Rückhand einzusetzen versteht. Dann rasen die kleinen Bälle mit einem Durchmesser von 40 mm mit bis zu 230 km/h über die Platte. Damit sind Tischtennisbälle – bezogen auf die Zeit zwischen zwei Ballkontakten – die schnellsten Bälle der Welt innerhalb des Ballschlagsports.

Tischtennisplatte wird interaktiv

Nun aber könnte die interaktive Platte des gelernten Schreiners Thomas Mayer (28) den Sport auf eine neue Stufe heben. Er hat aus der grünen Tischtennisplatte als Student an der Hochschule für Gestaltung im baden-württembergischen Schwäbisch-Gmünd im Rahmen seiner Bachelorarbeit ein Hightechgerät gemacht.

Die Tischtennisplatte von Thomas Mayer braucht Highspeedkameras und einen HD-Projektor.

Die Tischtennisplatte von Thomas Mayer braucht Highspeedkameras und einen HD-Projektor.

Foto: Thomas Mayer

„Die Grundidee meiner Bachelorarbeit war, den Bewegungen des Pingpongballs in Echtzeit zu folgen, um die Daten dann für Trainer und Spieler zu visualisieren“, erklärt der ehemalige Student für Interaktionsgestaltung. „Der Ball ist also quasi der Mauszeiger, der mir Koordinaten liefert und mit verschiedenen Schaltflächen interagieren kann.“

Mayer hat ein Mapped Interface entwickelt, dass er auf die Platte projizieren kann. Die Felder der Tischtennisplatte werden zu Projektionsflächen und zum interaktiven Dashboard. Wichtige Informationen für Spieler und Trainer werden in verschiedenen Kategorien gesammelt und können sichtbar auf der Platte angezeigt werden.

Die Oberfläche wird zum Interface: Auch einen Überblick über die eigene Statistik liefert der interaktive Tischtennistrainer von Thomas Mayer.

Die Oberfläche wird zum Interface: Auch einen Überblick über die eigene Statistik liefert der interaktive Tischtennistrainer von Thomas Mayer.

Foto: Thomas Mayer

Dafür hat Mayer eine Tischtennisplatte in seinem Büro aufgestellt und darüber zwei Playstation-CL-Kameras montiert, um die Bewegungen des Pingpongballs aufzuzeichnen. Dazu gesellt sich ein Full-HD-Beamer, der die umgewandelten visualisierten Daten auf die Tischtennisplatte projiziert.

Leistung des Spielers ist jederzeit zu sehen

Der Spieler findet auf der Übersicht neben einer abstrakten Dokumentation seiner Spielhistorie und seiner persönlichen Rekorde auch einen Kalender, um die nächsten Trainingseinheiten zu planen. Die Leistung und auch die Entwicklung des Spielers sind abrufbar.

Ein großes Problem war für den Hobby-Tischtennisspieler das Design eines funktionstüchtigen Interfaces, weil er auch die Ergonomie der Spieler mit berücksichtigen musste.

Die Tischtennisplatte als Projektionsfläche: Von oben werden Informationen auf die Platte projiziert, die den Spielern schnelle Hilfe bieten.

Die Tischtennisplatte als Projektionsfläche: Von oben werden Informationen auf die Platte projiziert, die den Spielern schnelle Hilfe bieten.

Foto: Thomas Mayer

Technik kann auch Spin der Bälle analysieren

„Mit dem richtigen Trackingprogramm können sogar Top- und Backspin erkannt und verbessert werden“, sagt Mayer. Dafür muss das Programm beim Aufprall der Bälle, die neuerdings aus Plastik und nicht mehr aus Zelluloid gefertigt werden, deren Geschwindigkeitsveränderung messen und deren Ein- und Ausfallswinkel miteinander vergleichen können. Dann, da ist sich Thomas Mayer sicher, kann er das Tischtennisspiel revolutionieren. „Als ich anfing, Hindernisse ins Spiel zu projizieren, stellte ich fest, dass man so den kompletten Spielablauf verändern kann“, sagt Mayer. Wir sind gespannt.

Noch Lust auf ein Match zwischen Topspieler Timo Boll und einem Roboter? Hier geht es weiter.

Von Detlef Stoller

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