Bodensensoren und Software 14.11.2014, 09:39 Uhr

Frühwarnsystem von Siemens prognostiziert Deichbruch

Oft bleiben zwischen sichtbarem Schaden am Deich und seinem Bruch kaum 60 Minuten. Siemens testet deswegen in Amsterdam ein Frühwarnsystem. Es besteht aus Bodensensoren und einer Software, die im Ernstfall rechtzeitig Verantwortliche auf Smartphone oder Tablet alarmiert. 

Der provisorisch geschlossene Dammbruch in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) am 17. Juni 2013. Das System von Siemens soll zukünftig rechtzeitig vor Dammbrüchen warnen. 

Der provisorisch geschlossene Dammbruch in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) am 17. Juni 2013. Das System von Siemens soll zukünftig rechtzeitig vor Dammbrüchen warnen. 

Foto: dpa-Zentralbild

Während die internationale Politik um verbindliche Klimaschutzziele ringt, haben Menschen weltweit immer häufiger mit verheerenden Auswirkungen extremer Wettersituationen zu kämpfen. Der Meeresspiegel steigt, Naturkatastrophen nehmen zu. Systeme, die Mensch und Infrastruktur vor Sturm- und Flutkatastrophen schützen, werden daher immer dringender gebraucht.

In Amsterdam ist jetzt ein Überwachungs- und Frühwarnsystem im Einsatz, das den Schutzdamm wirksam für den Katastrophenfall rüsten soll. Im Deich eingelassene Sensoren und eine Analysesoftware können Schäden und mögliche Bruchstellen frühzeitig erkennen. Das System liefert permanent Informationen über den Zustand des Deichs – auch auf das Tablet oder Smartphone des Verantwortlichen vor Ort.

Siemens: System hat Tests bestanden

Entwickelt wurde das Monitoring-System unter der Federführung des Ingenieurs Bernhard Lang von Siemens Corporate Technology. Es kann auf den Meter genau analysieren, wo ein Deich beschädigt ist und wann er im Falle von Hochwasser brechen wird. In einem Pilotprojekt mit Waternet Amsterdam, dem Betreiber des örtlichen Trink- und Abwassernetzes und des Deichschutzes, wurde das System auf einem Abschnitt von fünf Kilometern am Ringdijk in Amsterdam installiert und in den vergangenen Monaten erprobt. Wie Siemens jetzt meldete, hat das System die Tests bestanden.

Software gleicht Daten ab und entwickelt Szenarien

Etwa alle 100 Meter wurden Sensoren im Deich versenkt – zusätzlich über und unter der Oberfläche von Wasserläufen. Die Sensoren messen Temperatur, Druck, Feuchtigkeit und Verschiebungen im Deich sowie Wasserstand und Wassertemperatur im Kanal. 

Via GPRS-Mobilfunk werden die Messergebnisse in ein Rechenzentrum in Karlsruhe übermittelt. Dort nimmt eine Software die Datenanalyse vor, indem sie die Echtzeit-Messergebnisse mit bereits gespeicherten Daten abgleicht. Wenn beispielsweise plötzlich 14 Grad Celsius Innentemperatur im Deich gemessen werden, könnte das ein Hinweis sein, dass ein Bruch droht, weil wärmeres Wasser von außen eingedrungen sein muss. Das Grundwasser, und damit normalerweise das Innere des Deichs, hat etwa acht Grad Celsius.

Frühwarnsystem von Siemens: Derzeit ist eine Kette von Sensoren auf einer Länge von fünf Kilometern an einem Deich in Amsterdam installiert. Sie liefern permanent Informationen über dessen Zustand. 

Frühwarnsystem von Siemens: Derzeit ist eine Kette von Sensoren auf einer Länge von fünf Kilometern an einem Deich in Amsterdam installiert. Sie liefern permanent Informationen über dessen Zustand. 

Quelle: Siemens

Da die Software auch weiß, aus welchem Material der Deich an der konkreten Stelle besteht, lässt sich auch der sogenannte Hangabrutschfaktor bestimmen. Die Software ist dabei laut Siemens in der Lage, zwischen typischen Schwankungen und untypischen Abweichungen zu unterscheiden und schlage rechtzeitig Alarm. Im Standardbetrieb werden die Ergebnisse im Stundentakt auf die Monitore oder mobilen Endgeräte der Verantwortlichen vor Ort gesendet. In kritischen Situationen wird die Datenübertragungsrate erhöht, das System ist außerdem mit dem Katastrophenschutz vernetzt.

Risiko und Kosten gesenkt

Je nach Material eines Deiches erfolgt eine Wartung alle fünf bis 30 Jahre. Experten versenken dabei Messgeräte im Boden, um die Stabilität zu überprüfen. Zukünftig könnten die Verantwortlichen den Zustand des Deiches permanent auf ihrem Smartphone oder Tablet prüfen. Die kontinuierliche Überwachung senkt das Risiko einer Überflutung und die Instandhaltungskosten.

Laut Siemens setzen sich mehr als zwei Drittel der Städte in Europa bereits jetzt damit auseinander, wie sie sich vor Hochwasser schützen. Nach Angaben des Rückversicherers Munich Re machten Überschwemmungen 2013 knapp 40 Prozent der weltweiten Gesamtschäden durch Naturkatastrophen aus.

Ein Beitrag von:

  • Susanne Neumann

    Susanne Neumann ist Webjournalistin. „Inhalt mit Anspruch“ ist das Motto der freien Journalistin und Online-Redakteurin. Sie steht für gründliche Recherche, eine verständliche Darstellung auch komplizierter Sachverhalte und Freude am Thema. Sie hat  Politik-, Theater-, und Kommunikationswissenschaften studiert.

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Elektrotechnik, Elektronik

ANDRITZ Küsters GmbH-Firmenlogo
ANDRITZ Küsters GmbH Automatisierungsingenieur oder Techniker als Customer Digital Services Expert (m/w/d) Krefeld
Evonik Operations GmbH-Firmenlogo
Evonik Operations GmbH Gruppenleitung (m/w/d) EMSR-Projektmanagement Marl
JUMO GmbH & Co. KG-Firmenlogo
JUMO GmbH & Co. KG Leiter Vertriebsaußen-/-innendienst (m/w/d) Kirchheim unter Teck, Region Stuttgart
ZWP Ingenieur-AG-Firmenlogo
ZWP Ingenieur-AG Ingenieur / Bachelor / Master / Techniker (m/w/d) im Bereich Elektro- und Nachrichtentechnik Bochum
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG-Firmenlogo
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG Anforderungsmanager (m/w/d) Hardwareentwicklungen Norderstedt
Comtronic GmbH Verbindungstechnik-Firmenlogo
Comtronic GmbH Verbindungstechnik Vertriebsingenieur (m/w/d) Bedien- und Anzeigegeräte Schönau bei Heidelberg
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professor/in für Computer Vision and Control (m/w/d) Rapperswil (Schweiz)
Capgemini Engineering-Firmenlogo
Capgemini Engineering Testingenieur Automotive – Infotainment / Connectivity (m/w/d) München
Capgemini Engineering-Firmenlogo
Capgemini Engineering Entwicklungsingenieur Funktionsentwicklung Batteriemanagement Hochvoltspeicher Elektromobilität (m/w/d) München
Thyssengas GmbH-Firmenlogo
Thyssengas GmbH Ingenieur Informations- und Kommunikationstechnik als Referent Netzwerkmanagement und Fernwirktechnik (m/w/d) Dortmund

Alle Elektrotechnik, Elektronik Jobs

Top 5 Messtechni…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.