Paketzustellung aus der Luft 12.12.2017, 08:11 Uhr

Amazon erhält Patent für Drohne, die sich selbst zerstören kann

Amazon feilt weiter an der Paketlieferung aus der Luft und hat dafür eine selbstzerstörende Drohne patentiert. Durch den Einsatz dieser Drohne soll verhindert werden, dass jemand im Falle eines Ausfalls durch herabstürzende Drohnenteile oder Pakete verletzt wird.

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Foto: Amazon

Der US-amerikanische Online-Versandriese Amazon hält an seinen Plänen fest, Pakete aus der Luft durch den Einsatz von Logistikdrohnen an Kunden auszuliefern. Dabei sollen in erster Linie kleinere Lieferungen zugestellt werden. Das Unternehmen forscht schon seit längerer Zeit an dieser innovativen Möglichkeit der Paketzustellung, sodass immer wieder neue Patente und Konzepte zu diesem Thema im Netz auftauchen.

Selbstzerstörungsmechanismus für mehr Sicherheit

Die Idee von einer Drohne mit einem Selbstzerstörungsmechanismus klingt zunächst nach einem irrsinnigen Vorhaben. Tatsächlich wirkt sich die Selbstzerstörungsfunktion aber positiv auf die Sicherheit aus. Einer Patentschrift zufolge, die erst kürzlich öffentlich wurde, sollen die neuen Drohnenmodelle von Amazon in der Lage sein, einzelne Komponenten und Teile abzustoßen. Dies soll wahlweise direkt per Fernfunktion oder im Fall einer Fehlfunktion automatisch realisiert werden. Falls das System einen Defekt an einem der Teile feststellt, wird die Drohne automatisch über einem unbewohnten Bereich zerstört. Zu den abwurfbaren Teilen, die im Patentantrag aufgeführt werden, gehören neben den Batterien und Sensoren auch die Verkleidung und die eigentliche Nutzlast. Das Demontieren dieser Teile während des Betriebs soll mit Miniatur-Sprengsätzen und kleinen Federn realisiert werden.

Mobile Drohnenstationen

Damit eine Direktlieferung aus der Luft auch einwandfrei realisiert werden kann, muss jedoch eine Landebasis für den Flugkörper vorhanden sein. Die vorhandenen Lager des Unternehmens eignen sich für diesen Einsatzbereich kaum, da sie von vielen Kunden zu weit entfernt sind. Ein Patent, das vor einigen Monaten im Netz aufgetaucht ist, gibt einen ersten Einblick darüber, wie Amazon das Problem lösen möchte. Demnach sollen spezielle Container zum Einsatz kommen, die auf Schiffen und Zügen aufgestellt werden und als eine Art mobiler Station für die Drohnen fungieren. Einen ähnlichen Plan verfolgt der US-Paketdienst UPS, der Drohnen von seinen Zustellfahrzeugen aus starten lässt. Der Online-Riese ist für seine innovativen Logistiklösungen bekannt. Aus dem Drang nach Innovation ist wohl auch die Idee entsprungen, Pakete per Fallschirm aus fliegenden Drohnen abzuwerfen. Ein Patent des US-Unternehmens zeigt, wie Pakete aus einer fliegenden Drohne abgeworfen werden und wie sich aus dem Paket Schnüre und ein kleiner Schirm lösen, die das Paket sanft und sicher an die Lieferadresse bringen. Auch Blutspenden werden auf diese Weise in abgelegene Regionen transportiert. Das Fallschirm-Liefersystem lässt sich mit optionalen Sensoren ausstatten, sodass die Lieferung direkt vor der Haustür und nicht im Garten oder auf dem Dach landet. Im Patent sind unterschiedliche Größen und Formen abgebildet, was eventuell bedeuten könnte, dass der Online-Riese künftig so eine große Bandbreite an unterschiedlichen Paketen versenden könnte.

Die ersten Testflüge der neuen Drohnen haben sich laut Amazon, als äußerst erfolgsversprechend erwiesen. Der Jungfernflug wurde am 7. Dezember 2017 durchgeführt. Ein Amazonkunde bekam in Cambridge seine Lieferung per Drohne zugestellt. Der Brite bestellte einen Fire-TV-Stick und eine Packung Popcorn und bekam seine Lieferung bereits 13 Minuten nach Abgabe der Bestellung per Drohne ausgeliefert. Wer in dem unmittelbaren Radius einer Drohnenstation lebt oder arbeitet, soll seine Amazonbestellung per Drohne zugestellt bekommen. Das maximale Gewicht des Pakets darf jedoch nicht über 2,5 Kilogramm betragen. Amazon zufolge sei das ein sehr guter Wert, da die meisten Produkte und Expresslieferungen, die über Amazon realisiert werden, ohnehin deutlich unter dieser Gewichtsmarke liegen.

Lieferung innerhalb von 20 Minuten

Unmittelbar vor der Ankunft der Drohne wird der Kunde über die Prime-App darüber informiert, dass die Lieferung der Bestellung bevorsteht. Der Kunde hat somit ausreichend Zeit, um eine geeignete Landezone auszusuchen und sie zu markieren. Die Markierung der Landezone erfolgt durch den Einsatz einer speziellen Matte, die der Kunde beispielsweise auf eine größere freie Fläche in seinem Garten legt. Sobald die Landezone von der Drohne erkannt wird, setzt sie zur sicheren und sanften Landung an, stellt das Paket zu und kehrt wieder vollautomatisch zu ihrer Basisstation zurück. Inoffiziellen Informationen zufolge sollen von der Abgabe der Bestellung bis zur Zustellung des Pakets weniger als 30 Minuten vergehen. Um dieses Feature nutzen zu können, darf der Kunde nicht mehr als 15 Kilometer von einem Amazon-Standort entfernt sein. Diese Angaben decken sich mit den Testergebnissen aus Großbritannien im Jahr 2016.

Auch DHL und Co. setzen auf Logistikdrohnen

Auch der deutsche Logistik-Gigant DHL arbeitet schon seit Jahren an Drohnen, die im Bereich der Paketbeförderung eingesetzt werden sollen. Die ersten Testflüge mit dem sogenannten „Paketcopter 3“ etwa auf die Winklmoosalm sind vielversprechend verlaufen. Das Fluggerät ist in der Lage, sich die Pakete vollautonom aus speziellen Packstationen zu holen und diese am Ziel in einer Packstation abzulegen, um sie vor Diebstahl und Wettereinflüssen abzusichern. Der Kunde wird per App über die Zustellung seiner Lieferung benachrichtigt und holt diese ganz einfach aus der Station ab.

Innovative Idee mit zahlreichen Hürden

Offiziellen Angaben von Amazon zufolge arbeitet das Unternehmen derzeit mit Hochdruck an der Entwicklung einer ganzen Bandbreite an neuen Drohnen für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche. Wann der Onlineriese den offiziellen Marktstart der Paketzustellung per Drohne plant, ist zurzeit jedoch unbekannt. Diesbezüglich hat Amazon auf jeden Fall noch einen weiten Weg vor sich und muss noch zahlreiche technische, logistische und gesetzliche Hürden meistern. In den USA zeigt sich die FAA (Federal Aviation Administration) bislang noch sehr skeptisch, wenn es um den kommerziellen Einsatz von Logistikdrohnen geht. Amazon hat die Behörde deswegen schon häufiger öffentlich kritisiert. Kritiker des Vorhabens von Amazon warnen in erster Linie vor den unabsehbaren Folgen, wenn tausende von Lieferdrohnen über unseren Köpfen unkoordiniert unterwegs sein sollten. Das aktuelle Testgelände befindet sich in Cambridge in England, wo es unter kontrollierten Bedingungen viel einfacher ist, mit Logistikdrohnen zu experimentieren als es unter Realbedingungen jemals sein wird.

Welchen Regeln kommerzielle und private Drohnen schon heute unterworfen sind, was ein Drohnenführerschein ist und wo Drohnen verboten sind, zeigen unsere 8 Fakten über Drohnen.

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