Ersten Menschen gerettet 13.09.2016, 12:37 Uhr

Israel will Verschüttete über ihre Handys aufspüren

Smartphones sollen künftig Verschütteten nach Katastrophen und Unglücken das Leben retten. Das israelische Militär hat eine Technik entwickeln lassen, die Smartphones Verschütteter auch in eingestürzten Gebäuden orten können. Ungeplant hat die Technik jetzt in Tel Aviv beim Einsturz eines Parkhauses gezeigt, was sie kann.

Simulation eines eingestürzten Parkhauses mit Toten und Verletzten: Eine neue Technik aus Israel kann die Smartphones von Verschütteten orten und sie in 3D-Modellen für die Rettungskräfte sichtbar machen. Das soll ihre Rettung entscheidend beschleunigen.

Simulation eines eingestürzten Parkhauses mit Toten und Verletzten: Eine neue Technik aus Israel kann die Smartphones von Verschütteten orten und sie in 3D-Modellen für die Rettungskräfte sichtbar machen. Das soll ihre Rettung entscheidend beschleunigen.

Foto: Israel Aerospace Industries

Wenigstens ein Mensch verdankt der neuen Technik mit dem Nahmen Res-Q-Cell sein Leben. Ende August war eine noch im Bau befindliche Hochgarage in Tel Aviv eingestürzt. Dabei kamen vier Menschen ums Leben, weitere 20 wurden verletzt. Zumindest einer der Verschütteten ist nach Darstellung der israelischen Armee durch die neue Software gefunden und lebend gerettet worden.

Die israelischen Streitkräfte und das Wehrtechnikunternehmen Israel Aerospace Industries (IAI) haben gemeinsam eine Software entwickelt, die es ermöglicht, die Mobiltelefone von Verschütteten zu aktivieren. Anschließend können sie geortet werden.

Das Ortungssystem Res-Q-Cell kann Smartphones bis auf einen Meter genau lokalisieren und feststellen, wer der Besitzer ist. So wissen die Rettungskräfte, um welche Opfer es sich handelt.

Das Ortungssystem Res-Q-Cell kann Smartphones bis auf einen Meter genau lokalisieren und feststellen, wer der Besitzer ist. So wissen die Rettungskräfte, um welche Opfer es sich handelt.

Foto: Israel Aerospace Industries

System kann Smartphones metergenau orten

Das Res-Q-Cell-System deckt jeweils eine Untersuchungsfläche von rund 100 m2 ab. Die ausgestrahlten Signale aktivieren die Mobiltelefone selbst dann, wenn das normale Mobilfunknetz infolge einer Katastrophe nicht mehr funktioniert. Dabei ist nach Angaben von Oberst Ramtin Salti egal, über welchen Mobilfunkstandard sich das angepeilte Telefon normalerweise ins Netz einwählt. Unterstützt werden die gängigsten Mobilfunkstandards wie GSM, UMTS und LTE.

Die Antennen des Ortungssystems Res-Q-Cell bieten auch einen Überblick, wo Opfer einer Katastrophe verschüttet sind.

Die Antennen des Ortungssystems Res-Q-Cell bieten auch einen Überblick, wo Opfer einer Katastrophe verschüttet sind.

Foto: Israel Aerospace Industries

Auch Marke und Modell des einzelnen angepeilten Mobiltelefons sollen keine Rolle spielen. Allerdings sollte es sich um Smartphones handeln, ältere Mobiltelefone ermöglichen nicht in jedem Falle den angestrebten Erfolg. Wenn die Verbindung mit dem Mobiltelefon des Opfers hergestellt ist, wird mit einfachen Peilungen der genaue Ort des Telefon festgestellt.

Dabei müssen die Smartphones offenbar nicht einmal eingeschaltet sein. Allerdings muss der Akku noch Spannung besitzen, um das Smartphone ansprechen zu können. 

Die Antennen zur Ortung von Smartphones sind mobil auf einem Fahrzeug montiert und können so schnell in ein Katastrophengebiet gebracht werden.

Die Antennen zur Ortung von Smartphones sind mobil auf einem Fahrzeug montiert und können so schnell in ein Katastrophengebiet gebracht werden.

Foto: Israel Aerospace Industries

Mit Hilfe verschiedener  Signale ist es möglich, die Umgebung des Telefons einschließlich der Verschütteten dreidimensional und präzise aufzuzeichnen. Das kann die Rettungsarbeiten erheblich beschleunigen und vereinfachen. Im Fall des in Tel Aviv eingestürzten Parkhauses gelang es mit Hilfe der neuen Technik nicht nur horizontal, sondern auch vertikal genaue Aufzeichnungen zu machen.

Nach Angaben des Herstellers Israel Aerospace Industries gelang die Lokalisierung der Smartphones im Schutt des Parkhauses auf etwa einen Meter genau. An weiteren Verbesserungen der Genauigkeit werde gearbeitet.

Wenn die Verletzten in einem unwegsamen Gelände geborgen sind, so haben sich die israelischen Streitkräfte auch schon überlegt, wie sie Verletzte am schnellsten ins Krankenhaus bringen können. Dazu haben sie die Drohne AirMule entwickelt, die sogar Menschen bergen und befördern kann.

Das Smartphone als Retter in der Not nutzen auch die Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Prien. Sie haben ein System entwickelt, dass die Ortung von Lawinenopfern beschleunigen soll.

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