Apple und IBM im Boot 19.05.2015, 10:30 Uhr

Digitale Betreuung: Japans Post versorgt Senioren mit iPads und speziellen Apps

Die japanische Post will Millionen alter Menschen mit einem speziell auf die Bedürfnisse der Senioren zugeschnittenen iPad ausstatten und ihnen so eine wesentlich bessere Rund-um-Betreuung bieten. Dafür ist die Japan Post Group jetzt eine Kooperation mit Apple und IBM eingegangen. Ziel dieses ungewöhnlichen Programms ist es bis 2020 vier bis fünf Millionen iPads an Japaner im Alter von 65 Jahren und darüber auszugeben.

Apple-Chef Tim Cook, Japans Post-Chef Taizo Nishimuro und IBM-Chefin Ginni Rometty (v.l.): Die japanische Post will bis 2020 vier bis fünf Millionen iPads an Japaner im Alter von 65 Jahren und älter verteilen. Dafür kooperiert das Unternehmen mit Apple und IBM. In Japan hat die Post bereits langjährige Erfahrung mit der Altenbetreuung. So bietet sie den Angehörigen von Senioren einen Service an, bei dem Mitarbeiter bei den alleinlebenden Älteren nach dem Rechten schauen und ihre Beobachtungen an die Verwandten weiterleiten. 

Apple-Chef Tim Cook, Japans Post-Chef Taizo Nishimuro und IBM-Chefin Ginni Rometty (v.l.): Die japanische Post will bis 2020 vier bis fünf Millionen iPads an Japaner im Alter von 65 Jahren und älter verteilen. Dafür kooperiert das Unternehmen mit Apple und IBM. In Japan hat die Post bereits langjährige Erfahrung mit der Altenbetreuung. So bietet sie den Angehörigen von Senioren einen Service an, bei dem Mitarbeiter bei den alleinlebenden Älteren nach dem Rechten schauen und ihre Beobachtungen an die Verwandten weiterleiten. 

Foto: Japan Post

Das Pilotprojekt soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres starten. Die neue iPad-Version soll mit zuvor aufgeladenen, von IBM entwickelten japanisch-sprachigen Apps ausgestattet werden und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und medizinischer Versorgung erleichtern.

Die Geräte verfügen über ein deutlich einfacheres Interface, wie eine leichtere Bedienung sowie Einstellungen für hörbehinderte Nutzer und größere Schriftgrößen. Zudem sollen die Geräte auch mit Gymnastik- und Diät-Programmen sowie einer modifizierte Version von Face Time ausgestattet werden, die es den Nutzern ermöglicht, mit ihren Familien, ihren Betreuern und Pflegern in Kontakt zu bleiben.

Ein Erinnerungsprogramm, das beispielsweise an die Einnahme von Medikamenten erinnert, ist ebenfalls vorgesehen. Die Verwaltung und Absicherung erfolgt aus IBMs Cloud heraus.

Apple drängt ins Gesundheitswesen

Laut Apple-Chef Tim Cook soll der modifizierte iPad Teil einer größer angelegten Initiative von Apple sein, in das Gesundheitswesen vorzudringen. Verglichen wird das Vorhaben mit „HealthKit, einer Plattform für den Austausch von Informationen mit medizinischem Fachpersonal sowie mit „ResearchKit“, bei dem die Gesundheitsdaten einer Person für wissenschaftliche Forschungszwecke verwandt werden können.

Geplant ist, dass Japans Post eine größere Menge der iPads kauft und an die bestehenden Kunden entweder kostenlos oder für eine monatliche Gebühr von umgerechnet zwischen 10 und 15 Euro verteilt. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter der Post im Umgang mit den Geräten geschult.

Service zur Altenbetreuung

Es ist kein Wunder, dass die iPads für Senioren gerade in Japan getestet werden. Die japanische Gesellschaft altert nicht nur, sondern sie schrumpft zugleich auch schnell. Im Vergleich zu anderen industrialisierten Ländern laufen diese Prozesse in Japan deutlich rascher ab. Das stellt das Gesundheitssystem des Landes vor enorme Herausforderungen.

Ältere Menschen in Japan sollen künftig iPads mit speziellen Apps nutzen, die ihnen den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und medizinischer Versorgung erleichtern. 

Ältere Menschen in Japan sollen künftig iPads mit speziellen Apps nutzen, die ihnen den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und medizinischer Versorgung erleichtern. 

Foto: Japan Post

Viele Länder blicken mit Interesse darauf, wie Japan in den kommenden Jahren mit diesem demografischen Dilemma umgeht. „Diese Initiative hat das Potenzial, weltweit Dinge anzustoßen, da viele Länder vor der Herausforderung stehen, eine alternde Bevölkerung zu unterstützen“, erklärte Tim Cook.

Lange Erfahrung mit Seniorenleistungen 

Japan Post ist ein gigantisches Unternehmen. Die japanische Postbank verkauft finanzielle Dienstleistungen und Lebensversicherungsprodukte an nahezu 33 Millionen  Senioren. Die Post verfügt über 400.000 Mitarbeiter. Mit 24.000 Filialen deckt Japans Post zudem das ganze Land nahezu flächendeckend ab. Hinzu kommt, dass die Post schon langjährige Erfahrung mit der Altenbetreuung hat.

So bietet sie den Angehörigen von Senioren den so genannten Watch Over Service an – eine Leistung, bei der der Postbeamte die Älteren auf dem Land und in entlegenen Winkeln des Landes aufsucht, dort nach dem Rechten schaut und seine Beobachtungen später an die Verwandten weiterleitet. Dieser Service kann nun durch iPad erweitert und verbessert werden.

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