Mit deutschem Know-how 05.05.2015, 10:57 Uhr

Japan baut Biogas-Kapazität aus

Biogas entpuppt sich für Japan als besonders attraktive Erneuerbare Energiequelle. Dabei ist das Land aber stark auf deutsche technische Hilfe angewiesen, um den bisherigen Rückstand aufzuholen. Nach sechsmonatiger Bauzeit ging jetzt in Osaka eine Biogas-Pilotanlage an den Start – mit Unterstützung aus Niedersachsen. 

Die Biogas-Pilotanlage in Osaka: Sie verfügt über eine Kapazität von 250 Kilowatt. 

Die Biogas-Pilotanlage in Osaka: Sie verfügt über eine Kapazität von 250 Kilowatt. 

Foto: EnviTec/Renagen

Die deutsche EnviTec Biogas AG aus Lohne in Niedersachsen hat in Zusammenarbeit mit der japanischen Renagen-Gruppe, einem bedeutenden Reststoff-Verwerter, nach sechsmonatiger Bauzeit eine Biogas-Pilotanlage in Osaka in Betrieb genommen. Sie verfügt über eine Kapazität von 250 Kilowatt.

Diese Energie soll aus Reststoffen – beispielsweise aus den Abfällen von Supermärkten und Restaurants –gewonnen werden. Gemeinsam mit Renagen will der niedersächsische Biogas-Experte jährlich bis zu zehn BiogasAnlagen in Japan aufbauen. Die ersten Schritte für zwei weitere Anlagen sind bereits getan.

Hohe Subventionen aus der Staatskasse

Um die Biogas-Produktion schneller in Gang zu bekommen, hat die japanische Regierung hohe Subventionen für diese Art der Energiegewinnung eingeführt. Auf 20 Jahre hinaus erhalten die Betreiber von Biogas-Anlagen je erzeugte Kilowattstunde elektrischer Energie umgerechnet rund 30 Cent als Zuschuss.

Ganz anders als Deutschland nutzte Japan sein Potenzial für die Biogaserzeugung bislang so gut wie gar nicht. Das ändert sich gerade. Denn insbesondere Biogas bietet dem stark von importierten Energieträgern abhängigen Land eine vielversprechende Alternative, nicht zuletzt weil Biogas-Anlagen anders als Windkraft und Photovoltaik unabhängig von den Witterungsbedingungen sind und damit zur notwendigen Grundlast in der Stromversorgung beitragen können.

Absatzchancen für deutsche Anlagenbauer

Deutsche Anlagebauer, die in den zurückliegenden Jahren erhebliches Know-how aufbauten, haben nun auf dem japanischen Markt große Chancen, ihre Biogas-Anlagen zu verkaufen.

Biogas entsteht beim Abbau organischen Materials durch Mikroorganismen unter Luftabschluss. In großen Fermentern werden Substrate wie etwa Maissilage und Gülle kontinuierlich vergoren. Dabei entsteht Biogas, das zu mehr als der Hälfte aus Methan besteht. Dieses Gas kann direkt an der Biogasanlage in einem Blockheizkraftwerk verbrannt werden, wobei Strom und Wärme entstehen. Der Strom wird dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Lokale Verwertung organischer Abfälle

In Japan konzentriert sich die Nutzung der Biomasse vorwiegend auf die lokale Verwertung organischer Abfälle, da ein intensiver Anbau von Energiepflanzen aufgrund der geringen landwirtschaftlich nutzbaren Fläche nur schwer möglich ist.

So wird Biomasse in Japan in Abfälle (Altpapier, Tierexkremente, Lebensmittelabfälle und Klärschlamm), landwirtschaftliche Reststoffe wie Reisstroh oder Restholz aus der Forstwirtschaft sowie Feldfrüchte wie zum Beispiel Futterpflanzen klassifiziert. Biogas-Anlagen in Japan werden vor allem mit Gülle und Abfällen gefüttert. Das bedeutet, dass der Energiegehalt geringer und das Volumen größer sind. Das Fermenterrührwerk muss daher deutlich größer ausgelegt werden. 

Erneuerbare Energiequellen noch gering

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien geht die Regierung in Tokio bisher insgesamt noch ausgesprochen zurückhaltend vor. Der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix des Landes liegt bei zehn Prozent. Der Großteil entfällt auf Wasserkraft. Alle anderen erneuerbaren Energien wie Sonnen-, Windenergie oder Biomasse machen knapp 1,5 Prozent aus. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix auf 13,5 Prozent steigen und bis 2030 wird eine Steigerung auf rund 20 Prozent angestrebt.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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