VNG Verbundnetz Gas 29.07.2011, 12:08 Uhr

Erdgas-Speicher mit Strahlpumpen geht in Betrieb

Die Ferngasgesellschaft VNG Verbundnetz Gas und ihr russischer Partner Gazprom haben im Untergrundspeicher Bernburg in Sachsen-Anhalt eine neue Einspeiseanlage in Betrieb genommen. Die Technik dafür wurde in Russland entwickelt und nun an die deutschen Standards angepasst.

Wenn die neue Einspeiseanlage im Erdgasspeicher Bernburg ihre Arbeit aufnimmt, ist aus einem großen Rohr zunächst ein starkes Rauschen zu hören. Es stammt vom Erdgas, das hier von einem Verdichter mit einem Druck von mehr als 40 bar einströmt und auf eine Strahlpumpe trifft.

Nach einigen Minuten kommt ein anschwellendes Pfeifen hinzu. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Druck im vorderen Teil der Strahlpumpe auf mehr als 60 bar steigt und im hinteren Teil ein Unterdruck entsteht. Nun wird der „Bypass“ geöffnet: Durch ein weiteres Rohr strömt Erdgas aus der Ferngasleitung in den hinteren Teil der Strahlpumpe, wird dort vom Unterdruck angesaugt und so beschleunigt in den Untergrundspeicher abtransportiert. Das Pfeifen ist jetzt verklungen, das stetig strömende Gas lässt nur noch ein leises Rauschen vernehmen.

Erdgas-Speicher mit Strahlpumpen: 80 % mehr Einspeiseleistung

„Wir erreichen mit der neuen Anlage 80 % mehr Einspeiseleistung“, berichtet Winfried Becker, Leiter des Speicherservice bei der Ferngasgesellschaft VNG Verbundnetz Gas, die den Speicher in Sachsen-Anhalt betreibt. Zwar muss auch der Verdichter, hinter den insgesamt zwei Strahlpumpen geschaltet sind, mehr Energie aufwenden als zuvor, doch unter dem Strich rechnet Becker für die Gaseinspeisung mit einer Energieeinsparung von 10 % bis 20 %. Bei jährlich 20 GWh Stromverbrauch können so bis zu 4 GWh eingespart werden.

Für noch wichtiger hält er es, dass der Speicher jetzt flexibler betrieben werden kann, weil sich die gleiche Menge Gas in kürzerer Zeit einlagern lässt. In einem zunehmend liberalisierten Gasmarkt, in dem Speicherbetreiber auch Dienstleistungen für andere Unternehmen anbieten, ist das bares Geld wert.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 

Die Investition von insgesamt 1,6 Mio. € soll sich so innerhalb von drei bis fünf Jahren bezahlt machen. Von der Gesamtsumme entfielen lediglich 90 000 € auf die beiden Strahlpumpen selbst, die übrigen Mittel wurden für die gastechnische Einbindung der Aggregate in das Speichersystem gebraucht.

Strahlpumpen in Erdgas-Speichern arbeiten nach Venturi-Prinzip

Die Strahlpumpen, auch Ejektoren genannt, arbeiten nach dem Venturi-Prinzip, das auch in der chemischen Industrie genutzt wird, dort um Gase in Flüssigkeiten aufzulösen oder um Strömungsgeschwindigkeiten zu messen. In der Gasspeicherung waren sie lange Zeit nicht üblich.

Der russische Erdgasproduzent Gazprom setzt Venturi-Ejektoren seit einigen Jahren auf seinem Untergrundspeicher Saratow ein. Nachdem sich VNG-Experten dort mit der Technik vertraut gemacht hatten, entstand die Idee, sie in einem russisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt auf den Speicher Bernburg zu übertragen. Das erwies sich allerdings als ziemlich schwierig. Denn die Strahlpumpen waren nach russischen Normen gebaut. Um sie in Deutschland einsetzen zu können, mussten andere technische Standards und Zertifizierungsvorschriften eingehalten werden.

Gemeinsam mit dem wissenschaftlich-technischen Zentrum VNII-Gazprom passten die VNG-Speicherexperten die Konstruktion der Strahlpumpe an und ließen die drucktechnisch entscheidenden Gehäuseteile von der badischen Firma Kempe fertigen. Die Strömungstechnik lieferte die Maschinenfabrik Woronjesh. Das Ganze wurde dann in Bernburg zusammengebaut und vom TÜV Süd abgenommen.

„Dieser Weg war alles andere als leicht“, berichtete Gazprom-Vorstand Vlada Rusakowa bei der offiziellen Inbetriebnahme der Strahlpumpen in Bernburg. „Es gab viele Schwierigkeiten, die wir überwinden mussten.“ Nun könne die Technik in Bernburg einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und gleichzeitig zur Energieeffizienz leisten.

Strahlpumpen machen die Erdgas-Infrastruktur leistungsfähiger

„Dadurch wird die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur weiter gesteigert. Es ist geplant, zu den bisher projektierten Ejektoren in den nächsten Jahren zwei weitere zu errichten“, sagte VNG-Vorstand Uwe Barthel. Der Speicher Bernburg verfügt derzeit insgesamt über vier Verdichter, die in 35 unterirdischen Salzkavernen insgesamt 1,1 Mrd. m3 Erdgas speichern können. Eine weitere Kaverne wird derzeit vorbereitet.

Neben der bestehenden Speicheranlage will die VNG gemeinsam mit Gazprom bis 2014 für insgesamt 350 Mio. € die neue Speicheranlage „Katharina“ errichten. Dazu sollen zwölf Kavernen aus dem Steinsalz gespült werden, in denen sich insgesamt 600 Mio. m3 Erdgas lagern lassen. Dabei arbeitet das russisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen mit den regionalen Niederlassungen der Chemiekonzerne Solvay und Esco zusammen. Sie spülen das Steinsalz aus den Kavernen und nehmen die Sole für ihre eigene Produktion ab.

Es ist außerdem geplant, vom Speicher „Katharina“ aus eine 37 km lange Gasfernleitung zur Jagal-Leitung zu bauen. Diese transportiert russisches Erdgas von der polnischen Grenze aus weiter im deutschen Gasleitungsnetz von Wingas. Damit kann Gazprom dann das in Bernburg gelagerte Erdgas direkt in das Pipeline-System von Wingas einspeisen, an dem der russische Erdgasproduzent ebenfalls beteiligt ist.

Ob bei „Katharina“ auch Strahlpumpen eingebaut werden, steht noch nicht fest. Dort herrschen durch die Jagal-Anbindung deutlich höhere Druckverhältnisse als im VNG-Speicher, so dass sich die Technik nicht einfach übertragen lässt. 

Ein Beitrag von:

  • Stefan Schroeter

    Stefan Schroeter verfasst fachjournalistische Berichte über die Energiewirtschaft.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.