Uniti aus Schweden 08.12.2017, 15:27 Uhr

Dieses Elektroauto hat keine Pedale, keinen Tacho und wiegt nur 400 kg

Keine Pedale, kein Tacho, zwei Sitze, mit dem variablen Lenker wird gleichzeitig beschleunigt und gebremst: Ein schwedisches Start-up hat das Elektroauto neu gedacht und auf alles Überflüssige verzichtet. Nun geht es in die Fertigung.

Uniti mit geöffneten Flügeltueren

Uniti mit geöffneten Flügeltüren: Das kleine Elektroauto wiegt nur 400 kg und ist eine Entwicklung der Universität Lund in Schweden. 2019 soll es auf den Markt kommen.

Foto: Uniti

Uniti One von außen

Das Uniti One bricht mit herkömmlichen Design und Ausstattungen.

Foto: Uniti

Das Uniti One hat zwei Joysticks statt eines Lenkrads und dazwischen ein Tablet.

Das Uniti One hat kein profanes Lenkrad mehr, sondern wird über Joysticks gesteuert. Alle wichtigen Fahrdaten werden über ein Tablet angezeigt.

Foto: Uniti

Der Fahrersitz ist extrem funktional designt.

Der Innenraum ist extrem schlicht gehalten. Ob das auch den Sitzkomfort mindert, wird sich erst bei Auslieferung herausstellen.

Foto: Uniti

Der Schlüssel ist eine Karte.

Natürlich wird das Uniti One auch nicht mit einem gewöhnlichen Schlüssel geöffnet, sondern mit einem "Smart Key". Man könnte auch Karte dazu sagen.

Foto: Uniti

Update vom 8. Dezember 2017

Über den Prototypen und die Pläne des schwedischen Start-ups Uniti haben wir bereits im Oktober 2016 berichtet. Jetzt ist klar, der Wagen wird tatsächlich gebaut. Am 7.12.2017 wurde das futuristische E-Fahrzeug in der schwedischen Hafenstadt Landskrona offiziell präsentiert. Dort hatte Siemens eine vollautomatische Fabrik eigens für die Fertigung der Elektroautos gebaut. Als erster einer ganzen Reihe von in den nächsten Jahren geplanten Fahrzeugmodellen wird nun der Uniti One in die Produktion gehen.

Er glänzt laut Hersteller durch seine Energieeffizienz und eine Reichweite von 300 Kilometern bei einer Batterieleistung von 22 Kilowatt pro Stunde. Vor einem Jahr war noch eine Reichweite von 150 Kilometern vorgesehen. Wie geplant dagegen wird der Uniti One kein Lenkrad haben, sondern über Joysticks manövriert werden. Wie nutzerfreundlich dieses Kontrollsystem tatsächlich ist, wird sich aber erst herausstellen, wenn die ersten Fahrzeuge im Jahr 2019 ausgeliefert werden.

Die Suche nach einem Partner aus dem Einzelhandel, ist Uniti derweil geglückt. Das neue Modell Uniti One wird in Schweden beim Handelsriesen MediaMarkt ausgestellt sein, wo auch Vorbestellungen entgegengenommen werden. Insgesamt hat Uniti bereits 1.000 Vorbestellungen erhalten, so das Unternehmen. Immerhin kostet der Uniti One auch nur 19.900 Euro, ein erschwinglicher Preis für ein Elektroauto dieser Dimension.

Die Pläne von Uniti, wie sie noch im Oktober 2016 feststanden

Elektroautos gibt es inzwischen viele, aber ein Großteil der Konzepte nimmt lediglich konventionelle Fahrzeuge, baut einen Elektromotor ein und vergleicht auf dieser Basis Kosten, Nutzen und Emissionen. Es geht aber auch anders: Eine Gruppe schwedischer Studenten rollt das Feld derzeit von hinten auf und hat mit Uniti ein neuartiges Elektroauto konzipiert, das sich von altbekannten Mustern löst.

Genau auf den Pendlerbedarf zugeschnitten

Das Auto ist klein, leicht, nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut, mit modernster Technik ausgestattet und verzichtet auf überflüssige Plätze, die im Berufsverkehr meistens sowieso nicht genutzt werden. Zwei Sitzplätze genügen. Damit ist Uniti genau auf den Bedarf von innerstädtischen Pendlern zugeschnitten.

Das leichte Kleinstfahrzeug ist vor allem für kurze innerstädtische Strecken vorgesehen. Entwürfe zeigen einen kleinen Wagen mit einem zentralen Fahrersitz vorn und zwei (Not-)Sitzen hinten. Der Elektromotor mit 15 kW soll es auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h bringen, die 11 kWh Na-Ion-Batterie soll für eine Reichweite von rund 150 km sorgen.

So etwas nannte man früher einen typischen Zweitwagen: Urlaubsreisen, flottes Vorankommen auf der Autobahn oder komplette Umzüge sind damit, nun ja, schwierig, aber auch gar nicht geplant. Doch für den Stadtverkehr, gelegentliche Einkaufsfahrten und den täglichen Weg zur Arbeit eignet sich Uniti perfekt.

„Skandinavisches Design“ bekommt neue Bedeutung

Und was zeichnet Uniti nun aus? Unnötige Bauteile und Features haben die Entwickler einfach weggelassen, der Rest besteht soweit wie möglich aus biologischen Materialien aus regionaler Produktion. Dadurch konnten die angehenden Ingenieure das Gewicht des Autos auf nur 400 Kilogramm reduzieren.

Verpackt ist das Ganze in futuristischem Design, alles ist weit weg von langweiligem Ökochic. Das Auto hat fließende Formen, eine hochgezogene Frontscheibe, die in ein Sonnendach übergeht, Flügeltüren und insgesamt einer Form, die zum Hingucken verleitet.

Modernste Technik löst das Ticket für die Zukunft

Trotz Reduzierung auf das Wesentliche haben die Ingenieure dem Elektroauto moderne Technik wie ein dreifach redundantes Steer-by-Wire-System, Fahrerassistenzfunktionen und ein Head-up-Display in Vollbild spendiert – das nach eigenen Angaben branchenweit erste. Damit bekommt der Fahrer im Sinne von Augmented Reality während der Fahrt relevante Zusatzinfos vor Augen geführt. , ohne ständig auf das Armaturenbrett schauen zu müssen. Bedienen lässt es sich durch Gesten mit der Hand.

Angesichts der Größe, dem Antrieb und dem Spaßfaktor und konsequent weitergedacht sehen die Erfinder das Wägelchen auch nicht zwingend als Auto – vielmehr sortieren sie es bei „Unterhaltungselektronik“ ein. Entsprechend sind dann auch die Vertriebswege. Denkbar sei der Verkauf im Elektronikfachhandel – oder gleich per Online-Bestellung, geliefert wird frei Haus per Spedition.

Marktreife voraussichtlich 2019

Allerdings ist das Auto, das bei Investoren so viel Furore auslöst, noch mitten im Entwicklungsstadium. Einen funktionierenden Prototypen haben die Entwickler für Ende 2017 angekündigt. Auf den Markt soll das Wägelchen ab 2019 kommen. Der Preis soll bei 20.000 Euro liegen. Außer mit dem Verkauf der Autos will Uniti mit Lizenzmodellen für die einzelnen Technologiesysteme Geld verdienen.

Dass das Konzept durchaus den Nerv der Zielgruppe trifft, zeigen die über 200 Vorbestellungen, die es bereits jetzt gibt – zwar derzeit noch unverbindlich, nach Aussage des Start-ups aber ohne großartige Werbung. Auch der Erfolg der Crowdfunding-Kampagne, mit der der Bau des Prototypen finanziert werden soll, lässt hoffen: Nach nur 36 Stunden hatte das Unternehmen die angestrebten 500.000 Euro zum Bau des Prototypen schon zusammen.

Was als Projekt der Universität Lund in Südschweden begonnen hatte, ist inzwischen ein amtliches Start-up. Unterstützt wird es weiterhin von der Universität sowie vom schwedischen Staat, soll aber mithilfe privater Investoren und eigener wirtschaftlicher Erfolge in absehbarer Zeit eigenes Geld verdienen.

Weitere spannende Entwürfe von Elektroautos, etwa vom Pariser Autosalon, finden Sie hier.

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