Reversibler Mörtel 03.11.2014, 08:59 Uhr

Schonende Innendämmung für denkmalgeschützte Bauten

Fraunhofer-Wissenschaftler haben einen speziellen Putz für die Innendämmung von historischen Gebäuden entwickelt, der darunter liegende Farbschichten aus früheren Zeiten nicht zerstört. Jetzt arbeiten sie an entsprechenden Dämmmaterialien, die in etwa zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen sollen. 

Denkmalgeschützte Gebäude lassen sich mit einem speziellen Putz von innen dämmen. Der Mörtel kann bei Bedarf rückstandsfrei abgelöst werden.

Denkmalgeschützte Gebäude lassen sich mit einem speziellen Putz von innen dämmen. Der Mörtel kann bei Bedarf rückstandsfrei abgelöst werden.

Foto: Fraunhofer IBP

In Altbauwohnungen und denkmalgeschützten Häusern zieht es im Winter gerne durch die Gemäuer und Fenster. Es entstehen hohe Heizkosten – die Fassaden sind zwar schön, jedoch sind sie auch Energieschlucker.

Eine Innendämmung war bisher kaum möglich, da bei Renovierungsarbeiten meist Farbschichten aus früheren Zeiten zum Vorschein kommen, die erhalten werden wollen. Malereien von Ornamenten, Blumen und anderen Formen geben Hinweise auf frühere Lebensweisen und den Geschmack der Menschen zum damaligen Zeitpunkt. Doch der Montagekleber von Innendämmplatten würde diese Schmuckstücke zerstören.

Reversibler Mörtel erlaubt Dämmung

Jetzt haben Forscher des Fraunhofer Institutes für Bauphysik IBP einen speziellen Putz und verschiedene Dämmsysteme für genau diese historischen Gebäude entwickelt.

Grundlage für den Putz und die Innendämmung ist ein spezieller Mörtel, der direkt auf die Farbschichten aufgetragen werden kann. Ohne Rückstände zu hinterlassen, kann er jederzeit wieder abgenommen werden. „Ähnliche Verfahren gibt es bereits in der Restaurierung von Wandmalerei“, erklärt der Gruppenleiter am IBP in Holzkirchen, Dr. Ralf Kilian. „Diese haben wir nun in die energetische Sanierung überführt und dazu ein komplett neuartiges Putz-System entwickelt.“

Materialien werden im Kloster Benediktbeuern getestet

Jetzt fehlt noch das entsprechende reversible Dämmmaterial für historische Gebäude. Denn eine falsche Dämmung würde sich hinter dem Material absetzen und die wertvollen Farbschichten zerstören.

Das historische Kloster Benediktbeuren in Bayern darf auf einer Fläche von elf Quadratmetern von Fraunhofer Forschern für Tests mit Dämmmateriealien genutzt werden.

Das historische Kloster Benediktbeuren in Bayern darf auf einer Fläche von elf Quadratmetern von Fraunhofer Forschern für Tests mit Dämmmateriealien genutzt werden.

Foto: Wikimedia

Die Fraunhofer-Forscher führen daher entsprechende Untersuchungen im Kloster Benediktbeuern in Abstimmung mit dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durch. Auf einer Fläche von elf Quadratmetern testen sie verschiedene Materialien angefangen bei traditionellen Schilfrohrmatten und kapillaraktiven Mineralschaumplatten bis hin zu hochdämmenden Aerogel-Dämmputzen, die von der NASA für die Raumfahrt entwickelt wurden.

Simulationen und Messungen mit Sensoren hinter der Dämmung sollen Aufschluss über die Feuchtigkeit geben, die sich hinter den Materialien ansammelt. Dazu heizen sie alte Gemäuer bei gleichzeitig hoher Raumfeuchtigkeit auf.

Dämmplatten aus Rohrkolben bereits patentiert

Außerdem entwickeln die Wissenschaftler in ihren Laboren Plattenmaterial auf Rohrkolben, die schimmelresistent sind und daher eine gute Dämmwirkung haben. Diese sind inzwischen bereits patentiert. Bis eine reversible Innendämmung für die historischen Bauten jedoch marktreif sein wird, kann es noch zwei bis drei Jahre dauern.

Auf der Messe „Denkmal“ vom 6. bis 8. November 2014 in Leipzig werden die Innovationen in Halle 2 auf dem Stand H 30 präsentiert.

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