Cloud Corridor 02.09.2015, 16:00 Uhr

Nachbarschaft im Wolkenkratzer – Anders leben in Los Angeles

Ein chinesischer Architekt hat für Los Angeles eine ungewöhnliche Hochhaussiedlung geplant: Sie soll nachbarschaftliche Begegnung zwischen den Häusern ermöglichen. Doch wie spaziert man von Hochhaus zu Hochhaus? 

Illustration des Cloud Corridors: Verbindungswege, Balkone und Gärten sollen Bewohnern der neun Hochhäuser ein nachbarschaftliches Miteinander ermöglichen. 

Illustration des Cloud Corridors: Verbindungswege, Balkone und Gärten sollen Bewohnern der neun Hochhäuser ein nachbarschaftliches Miteinander ermöglichen. 

Foto: MAD

Das chinesisch-amerikanische Architekturbüro MAD hat Pläne vorgestellt, in denen eine dörfliche Struktur aus der Ebene in die Vertikale gehoben wird. Der sogenannte Cloud Corridor ist eine Ansammlung von neun Hochhäusern, die mit Verbindungswegen, Balkonen und Gärten die Bewohner ermutigen soll, durch nachbarschaftliche Begegnung aus der Isolation der eigenen Wohneinheit herauszukommen. Die Idee von MAD wird im Rahmen einer Ausstellung im Architektur- und Design-Museum in Los Angeles gezeigt.

Traditionelle chinesische Architektur in moderne Urbanität überführt

Los Angeles ist mit seinen knapp vier Millionen Einwohnern im Zentrum die größte Stadt Kaliforniens und muss auf vermehrten Zuzug und veränderte Wohnbedingungen reagieren – wie weltweit so viele wachsende Großstädte. Für seine Ausstellung „Shelter: Rethinking how we live in Los Angeles“ hat das Architektur- und Design-Museum jetzt sechs in L.A. ansässige Architekturbüros gebeten, ihre Vision des Zusammenlebens in der Großstadt zu formulieren.

Das Architekturbüro hat auf einer Grundfläche von 9000 m2 an der Museum Row im Zentrum von Los Angeles neun Hochhäuser mit unterschiedlicher Höhe geplant. Das höchste Gebäude ist 167 m hoch. 

Das Architekturbüro hat auf einer Grundfläche von 9000 m2 an der Museum Row im Zentrum von Los Angeles neun Hochhäuser mit unterschiedlicher Höhe geplant. Das höchste Gebäude ist 167 m hoch. 

Foto: MAD

Ma Yansong, der vor elf Jahren das Architekturbüro MAD gründete, hat seine Ausbildung in China und den USA erhalten und später bei Zaha Hadid in London gearbeitet. Jetzt hat er ein Büro in Peking und Los Angeles und versucht, traditionelle chinesische Architektur in moderne urbane Typologien zu überführen.

Zum Beispiel die Idee der Hutongs, der Wohnhöfe mit engen Gassen, wie es sie auch heute noch in Peking gibt. Rein äußerlich hat der Cloud Corridor nichts mehr mit einem traditionellen Hutong zu tun, aber die Idee des dörflichen Lebens könnte sich hier nach Ma Yansongs Vorstellungen in der Vertikalen fortsetzen.

Unter der begrünten Anhöhe ist der Zugang zur Metro

Dafür hat er auf einer Grundfläche von 9000 m2 an der Museum Row im Zentrum von Los Angeles neun Hochhäuser mit unterschiedlicher Höhe geplant. Das höchste Gebäude ist 167 m hoch. Alle Häuser stehen auf einer künstlichen Anhöhe, die begrünt wird und in ihrer geschwungenen Form an eine Hügellandschaft erinnert. Sie wird als Park öffentlich genutzt werden können. Darunter wird sich der Zugang zur bereits geplanten neuen U-Bahn-Station befinden. Sowohl der Zugang zur Metro als auch der Eingang zu den Wolkenkratzern werden sich hier befinden.

Auf jeder Ebene umziehen umlaufende offene Balkone die Wohntürme, unterbrochen von großzügigen Plattformen als öffentliche Orte, die Ausblicke und Begegnungen ermöglichen. 

Auf jeder Ebene umziehen umlaufende offene Balkone die Wohntürme, unterbrochen von großzügigen Plattformen als öffentliche Orte, die Ausblicke und Begegnungen ermöglichen. 

Foto: MAD

Alle neun der schlanken, skulptural wirkenden Türme, sind über Korridore miteinander verbunden. Auf jeder Ebene umziehen umlaufende offene Balkone die Wohntürme, unterbrochen von großzügigen Plattformen als öffentliche Orte, die Ausblicke und Begegnungen ermöglichen sollen. Außer der Balkonbegrünung sind auch mehrstufige Gärten vorgesehen. Durch die Verbindungsgänge und Grünanlagen werden sich die Menschen häufiger begegnen und sich eher als Nachbarn begreifen, glaubt Ma Yansong. Der Vereinzelung und Anonymisierung soll das entgegenwirken.

Von Gudrun von Schoenebeck

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