Projekt Lowline 13.07.2015, 06:55 Uhr

In New York wird weltweit erster unterirdischer Park geplant

New York ist die Stadt der Superlative. Es passt, dass gerade dort der weltweit erste sonnige Park unter der Erde geplant wird. Und zwar für eine verlassene unterirdische Straßenbahnstation im beliebten Stadtteil Manhattan. Lowline nennt sich dieses abgefahrene Projekt.

Bäume und Pflanzen unter der Erde: Eine verlassene unterirdische Straßenbahnstation in New Yorks beliebtem Stadtteil Manhattan soll zum Park umgebaut werden. Lowline nennt sich das Projekt.

Bäume und Pflanzen unter der Erde: Eine verlassene unterirdische Straßenbahnstation in New Yorks beliebtem Stadtteil Manhattan soll zum Park umgebaut werden. Lowline nennt sich das Projekt.

Foto: The Lowline

Wo Lowline mal entstehen könnte, war vor Jahrzehnten die Endstation für den Straßenbahnverkehr zwischen Brooklyn und der Lower East Side.

Anno dazumal: Bis 1948 war die Endstation für den Straßenbahnverkehr zwischen Brooklyn und der Lower East Side in Betrieb. 

Anno dazumal: Bis 1948 war die Endstation für den Straßenbahnverkehr zwischen Brooklyn und der Lower East Side in Betrieb. 

Quelle: The Lowline

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Doch 1948 wurden in New York die Straßenbahnen abgeschafft. Und seitdem liegt das Gelände samt Schienen und Oberleitungen brach. Von der U-Bahn-Station Essex Street aus kann man dieses verlassene Terminal sehen.

Unterirdisch chillen und eine gute Zeit haben

Das unbenutzte Areal ist etwa 5000 m2 groß. Dan Barasch und James Ramsey wollen diese historische Ruine nutzbar machen. Barasch ist ein ehemaliger Marketingmanager beim Internetkonzern Google, Ramsey ein Architekt, der früher für die Raumfahrtbehörde Nasa Satelliten mitentwickelt hat.

Angeblich ist die wahnwitzig klingende Idee für den sonnigen Park unter der Erde in einer Nacht mit zu viel Wein entstanden. Die New Yorker sollen dort chillen, spielen, sich Kunstwerke anschauen, eben eine gute Zeit im Grünen verbringen und und und.

Sonnenlicht über der Erde einfangen und unter der Erde verteilen

Im Lowline-Konzept sind Bäume, Pflanzen, Blumen, Bänke und jede Menge Sonnenlicht eingeplant, das von oben unter die Erde geleitet wird. Das fehlende Tageslicht soll durch eine Solartechnologie ersetzt werden: Oberhalb der Erde stehen Stangen mit schüsselförmigen Kollektoren, die Sonnenlicht einfangen – zum Beispiel auf dem Mittelstreifen der Delancey Street.

Für Licht im Lowline-Park soll Solartechnik sorgen. Stangen mit schüsselförmigen Kollektoren sollen das Sonnenlicht oberhalb der Erde einfangen.

Für Licht im Lowline-Park soll Solartechnik sorgen. Stangen mit schüsselförmigen Kollektoren sollen das Sonnenlicht oberhalb der Erde einfangen.

Quelle: The Lowline

Die Strahlen werden über Glasfaserkabel in den Untergrund geleitet. Dort sammeln Distributoren an der Decke das Tageslicht und verteilen es in den sechs Meter hohen Räumen des Terminals. Es soll genügend  Licht eindringen, damit Pflanzen unter der Erde wachsen. An bewölkten Tagen oder nachts, braucht Lowline aber zusätzlich künstliches Licht. 

Zweite Crowdfunding-Kampagne für Lowline

Um diese Solartechnik weiter zu testen und zu perfektionieren, haben die Planer gerade auf der Finanzierungsplattform Kickstarter nach Unterstützern gesucht. Erfolgreich. Mit über 223.000 US-Dollar kamen am Ende mehr zusammen als angepeilt waren. Es war bereits die zweite Crowdfunding-Kampagne für dieses Projekt. Im September 2012 wurden 150.000 US-Dollar gesammelt.

Kein schöner Anblick: Seit Jahrzehnten gammelt die ehemalige Endstation ungenutzt vor sich hin. 

Kein schöner Anblick: Seit Jahrzehnten gammelt die ehemalige Endstation ungenutzt vor sich hin. 

Quelle: The Lowline

Das reichte, um eine funktionsfähige Miniaturversion des Untergrundparks zu bauen und in einem verlassenen Lagerhaus auszustellen. Tausende Besucher schauten sich den kleinen Prototyp an. Für das unkonventionelle Vorhaben werben übrigens auch prominente New Yorker wie die Schauspielerin Lena Dunham.

Bau noch ungewiss

Doch um Lowline bauen zu können, wären ungefähr 55 Mio. $ nötig. Allein mit privaten Unterstützern ist die Summe kaum zu stemmen. Außerdem muss die städtische Verkehrsbehörde Metropolitan Transportation Authority (MTA) grünes Licht geben. Die Behörde ist der Eigentümer der alten Straßenbahnstation und kann sich dort auch einen Nachtclub oder Geschäfte vorstellen. Das Publikum dafür wäre wohl da. Denn seit einigen Jahren siedeln sich in dem ehemaligen Arbeiterviertel Lower East Side schicke Bars, Restaurants und Hotels an.

Auch für Unterhaltung soll im unterirdischen Lowline-Park gesorgt sein. Haken des Lowline-Projektes: Die Umsetzung würde rund 500 Mio. $ kosten

Auch für Unterhaltung soll im unterirdischen Lowline-Park gesorgt sein. Haken des Lowline-Projektes: Die Umsetzung würde rund 500 Mio. $ kosten

Quelle: The Lowline

Daher haben die Lowline-Planer noch viel Überzeugungsarbeit vor sich, um ihren Traum zu Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn es nach ihnen ginge, könnte die Grünanlage schon 2018 eröffnet werden.

Ein Beitrag von:

  • Lisa von Prondzinski

    Die Journalistin und freie Redakteurin bedient die Fachbereiche Gesundheit, Wissenschaft und Soziales.

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