Buggy namens Strati 12.09.2014, 08:26 Uhr

In Chicago kommt erstmals ein Auto aus dem 3D-Drucker

Auf der Technologiemesse ITMS in Chicago entsteht derzeit das erste funktioniernde Auto der Welt, das nahezu komplett aus dem 3D-Drucker kommt. Wenn die Probefahrt gelingt, soll das Wägelchen bald auch zu erwerben sein. Der zimmergroße Drucker steht ebenfalls zum Verkauf.

Strati ist das erste funktionierende Auto aus dem 3D-Drucker. Komponenten wie Motor, Batterie und Reifen stammen allerdings aus konventioneller Fertigung.

Strati ist das erste funktionierende Auto aus dem 3D-Drucker. Komponenten wie Motor, Batterie und Reifen stammen allerdings aus konventioneller Fertigung.

Foto: Local Motors

Müssen Autos eigentlich zwingend aus einzelnen Blechteilen bestehen, oder kann man sie auch einfach im Ganzen ausdrucken? Ja, man kann – fast jedenfalls. Den entsprechenden Beweis liefert derzeit das Unternehmen Local Motors aus Phoenix in Arizona. Die Firma mit 78 Mitarbeitern und einem Netzwerk aus nach eigenen Angaben tausenden kreativen Köpfen reklamiert für sich, gemeinsam mit ihren Unterstützern die coolsten Maschinen herzustellen: „We make the coolest machines together.“

3D-Drucker schichtet 18 Kilogramm kohlenstoffverstärktes Polymer pro Stunde

Im Rahmen der sechstägigen Messe International Manufacturing Technology Show (ITMS) 2014, die derzeit in Chicago stattfindet, druckt gerade ein Drucker mit den Abmessungen eines Zimmers einen kompletten Buggy aus. Das Big Area Additive Manufacturing System (BAAM) wurde erfunden und gebaut von der Firma Cincinnati Inc., die sich auf Laser-Schneide-Systeme, Biegepressen und ähnliches spezialisiert hat, und den Oak Ridge National Laboratorys mit Fokus auf Energiesysteme. BAAM verarbeitet pro Stunde mehr als 18 Kilogramm eines mit Kohlenstoff verstärkten Polymers namens Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Schicht für Schicht entsteht so die Karosse des Wägelchens.

Der 3D-Drucker ist so groß wie ein Zimmer. Er braucht 44 Stunden, um alle Autoteile auszudrucken. Als Tinte benutzt er ein mit Kohlenstoff verstärktes Polymer namens Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS).

Der 3D-Drucker ist so groß wie ein Zimmer. Er braucht 44 Stunden, um alle Autoteile auszudrucken. Als Tinte benutzt er ein mit Kohlenstoff verstärktes Polymer namens Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS).

Quelle: Local Motors

Während der Hauptteil tatsächlich aus einem einzigen Stück besteht, kommen noch weitere Einzelteile dazu: Kotflügel, Sitze und ähnliches – zusammen etwa 40 Teile – werden ebenfalls gedruckt. Der Elektromotor, die Batterie, die Reifen und das eine oder andere weitere Einzelteil stammen dagegen aus konventioneller Fertigung. Zum Vergleich: Ein normales Auto besteht aus rund 20.000 Einzelteilen aus allen möglichen Materialien.

44 Stunden hat es gedauert, die Teile auszudrucken. Jetzt werden sie geschliffen, zusammengesetzt und mit den technischen Komponenten ausgestattet. Ziel ist es, mit dem Strati genannten Auto am 13. September die erste Probefahrt zu machen. Wenn das gelingt, wird Strati das erste funktionierende Automobil aus dem 3D-Drucker sein.  

Designwettbewerb brachte Strati hervor

Vorausgegangen war der spektakulären Aktion ein Designwettbewerb, den Local Motors Anfang des Jahres ausgeschrieben hatte, um die perfekte Blaupause für ein schichtweise ausdruckbares Fahrzeug zu finden. Das Design, für das sich die Jury am Ende entschieden hatte und das derzeit in Chicago entsteht, stammt von Michele Anoe.

Probefahrt mit dem unfertigen Strati: Wenn auch die Probefahrt mit der fertigen Version gelingt, wollen die Erfinder das Auto aus dem 3D-Drucker in den nächsten Monaten zur Serienreife bringen.

Probefahrt mit dem unfertigen Strati: Wenn auch die Probefahrt mit der fertigen Version gelingt, wollen die Erfinder das Auto aus dem 3D-Drucker in den nächsten Monaten zur Serienreife bringen.

Quelle: Local Motors/Screenshot

Während Local Motors hofft, Strati in den kommenden Monaten reif für den Verkauf zu machen, setzt Cincinnati Inc. darauf, den Drucker zu vermarkten. Zwei Riesenprinter seien bereits verkauft worden, heißt es auf der amerikanischen populärwissenschaftlichen Website popsci.com. Ein Unternehmen wollte sie für Forschungszwecke und möchte mit ihnen Kunststoffgemische für den Druck testen.

Wenn es nach Cincinnati Inc. geht, schlagen demnächst auch Firmen zu, die Teile für Autos, Flugzeuge, Roboter und ähnliches damit herstellen wollen. Immerhin schaffe ein großer Drucker wie dieser Stücke, die rund zehnmal so groß sind wie die Ausdrucke derzeit gebräuchlicher Industrieprinter, heißt es.   

Von Judith Bexten

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