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Bau

Maschinengewehr gegen Ziegelwand: 15 Schüsse, kein Durchschuss

01. September 2026

Ein aktueller Beschusstest zeigt, was Ziegelmauerwerk aushalten kann: Eine 36,5 cm starke Wand widerstand 15 Schüssen aus 10 m Entfernung und erreichte die höchste Widerstandsklasse FB 7.
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Was passiert, wenn ein Maschinengewehr auf eine Ziegelwand feuert? Ein aktueller Beschusstest liefert darauf eine ungewöhnliche Antwort. Eine Wand aus Ziegelmauerwerk hat nach Herstellerangaben eine Prüfung nach DIN EN 1522 beim Beschussamt Ulm bestanden und dabei die höchste Beschusswiderstandsklasse FB 7 erreicht.

Interessant ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Frage, welche Anforderungen eine solche Mauerwerkskonstruktion erfüllen muss und was der Nachweis tatsächlich belegt.

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Inhaltsverzeichnis

15 Schüsse auf 36,5 cm Ziegel

Für die Prüfung wurde ein 1 × 1 m großer, beidseitig verputzter Wandaufbau mit einer Dicke von 36,5 cm hergestellt. Getestet wurde der Objektziegel Poroton-S7 des Herstellers Schlagmann Poroton. Das Beschussamt Ulm untersuchte laut Hersteller unter anderem Bereiche an Stoß- und Lagerfugen sowie an den Ziegelstegen. Diese Stellen sind bei einem Mauerwerksaufbau besonders relevant, weil der Beschusswiderstand nicht allein von der Festigkeit des einzelnen Steins abhängt. Entscheidender ist das Zusammenspiel der gesamten Konstruktion.

Die Prüfung erfolgte nach DIN EN 1522. Für die höchste Widerstandsklasse FB 7 werden 15 Schüsse aus 10 m Entfernung abgegeben. Zum Einsatz kommt ein Geschoss des Kalibers 7,62 × 51 mm mit einer Auftreffgeschwindigkeit von bis zu 838 m/s. Das entsprechende Prüfgeschoss kann unter diesen Bedingungen laut Hersteller sogar eine 28 mm dicke Stahlplatte durchschlagen.

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Bei der geprüften Ziegelwand kam es nach Angaben von Schlagmann dagegen weder zu einem Durchschuss noch zu einem Splitterabgang auf der Rückseite. Das Beschussamt Ulm bescheinigte dem Aufbau demnach die Eigenschaft als „durchschusshemmende Konstruktion“ der Klasse FB 7.

Was die Klasse FB 7 aussagt

Die DIN EN 1522 teilt beschusshemmende Bauteile in die Klassen FB1 bis FB7 ein. Klassifiziert wird dabei nicht pauschal ein Baustoff, sondern ein konkret geprüfter Bauteilaufbau. Neben Wänden können etwa auch Türen und Fensterrahmen entsprechend eingestuft werden. Für Verglasungen gelten dagegen eigene Prüfklassen.

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Beschussklassen
FB1 Schutz gegen Kleinkaliber (bspw. Büchse .22 LR)
FB2 Schutz gegen Faustfeuerwaffen (bspw. 9 mm Luger)
FB3 Schutz gegen Faustfeuerwaffen (bspw. .357 Magnum)
FB4 Schutz gegen starke Faustfeuerwaffen (bspw. .357 Magnum und .44 Magnum)
FB5 Schutz gegen Gewehre (bspw. 5,56 x 45 mm NATO)
FB6 Schutz gegen Sturmgewehre (bspw. 5,56 x 45 mm und 7,62 x 51 mm NATO)
FB7 Schutz gegen härtere Gewehrmunition (bspw. 7,62 x 51 mm Hartkern)

Das ist für die Einordnung des Ergebnisses entscheidend. Aus dem FB-7-Nachweis für den Poroton-S7 lässt sich nicht ableiten, dass jede beliebige Ziegelwand automatisch diese Klasse erreicht. Wanddicke, Fugenausbildung, Putz und Ausführung sind maßgeblich.

Und selbst eine FB-7-Wand macht noch kein FB-7-Gebäude. Fenster, Türen, Tore, Installationen und Wandanschlüsse können abweichende Widerstandseigenschaften haben. Für einen tatsächlich geschützten Baukörper muss deshalb die gesamte Gebäudehülle betrachtet werden.

Warum beschusshemmende Gebäude wichtiger werden

Beschusshemmende Konstruktionen sind nicht nur für militärische Gebäude relevant. Sie spielen überall dort eine Rolle, wo Personen oder kritische Infrastruktur vor bewaffneten Angriffen geschützt werden sollen, etwa in sicherheitsrelevanten Bereichen von Behörden oder in Einrichtungen mit erhöhtem Schutzbedarf.

Aktuell rückt das Thema vor allem durch den Ausbau der Bundeswehr-Infrastruktur in den Fokus. Mit „G-CAP Inland Stufe 1“ sollen bundesweit rund 300 Gebäude in etwa 130 Liegenschaften entstehen, darunter Unterkünfte, Funktionsbereiche, Lehrsäle und Waffenkammern. Die entsprechenden Rahmenverträge wurden Ende August 2026 unterzeichnet.

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Damit treffen zwei Anforderungen aufeinander. Die Gebäude müssen in vergleichsweise kurzer Zeit entstehen, gleichzeitig gelten bei militärischen Einrichtungen erhöhte Anforderungen an Robustheit und Schutz. Der Hersteller positioniert seinen Beschussnachweis erkennbar vor diesem Hintergrund. Er soll belegen, dass sich eine Schutzfunktion auch mit einem klassischen Mauerwerksbaustoff erreichen lässt.

Schutzwirkung entsteht aus dem gesamten Aufbau

Technisch interessant ist vor allem das Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile einer Mauerwerkswand. Ein Geschoss trifft nicht zwangsläufig auf den gleichen Querschnitt, sondern kann beispielsweise einen Ziegelsteg, eine Stoßfuge oder eine Lagerfuge treffen. Die Konstruktion muss deshalb auch an diesen unterschiedlichen Stellen ausreichend widerstandsfähig sein. Deshalb betrachtet die Prüfung nicht nur ideale Treffer in der Ziegelmitte, sondern untersucht auch Fugen- und Stegbereiche.

Der aktuelle Test ist dabei kein grundsätzlicher Erstnachweis für die Beschusshemmung von Ziegelmauerwerk. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Mauerwerkskonstruktionen hohe Beschusswiderstände erreichen können. Neu ist der konkrete Nachweis für den hier geprüften Wandaufbau.

Vorfertigung als zusätzlicher Faktor

Für die aktuelle Diskussion um militärische Infrastruktur ist eine weitere Eigenschaft relevant. Der Poroton-S7 lässt sich auch als vorgefertigtes Wandelement einsetzen. Laut Hersteller lassen sich damit auf der Baustelle etwa 30 bis 45 m² Mauerwerk pro Stunde errichten.

Damit verbindet der geprüfte Aufbau mehrere Anforderungen, die bei bestimmten Gebäuden zusammenkommen können. Dazu zählen eine konventionelle tragende beziehungsweise raumabschließende Wand, bauphysikalische Funktionen, industrielle Vorfertigung und, nach Herstellerangaben, eine nachgewiesene Durchschusshemmung.

Quellen:

  • DIN EN 1522:1999-02 – Durchschusshemmung, Anforderungen und Klassifizierung
  • Beschussamt Ulm – Aufgaben und ballistische Prüfungen
  • Schlagmann Poroton – Angaben zum Beschusstest des POROTON-S7 und zum geprüften Wandaufbau
  • Bundeswehr – Informationen zum Programm G-CAP Inland und zum Ausbau der Bundeswehr-Infrastruktur


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