Selbstständigkeit 08.10.2021, 11:09 Uhr

Die sieben schlimmsten Fehler beim Businessplan

Ohne Businessplan gibt es weder Fördergelder noch Investoren. Bei der Erstellung des wichtigen Planungsdokuments kann viel schiefgehen. Welche Inhalte gehören in den Businessplan? Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

Der Businessplan ist das A und O für Gründer. Foto: Panthermedia.net/ stockyimages (YAYMicro)

Der Businessplan ist das A und O für Gründer.

Foto: Panthermedia.net/ stockyimages (YAYMicro)

Die Idee ist da, der Entschluss ist gefasst. Fehlt nur das Startkapital. Ohne Businessplan in der Tasche kommen Unternehmensgründer nicht weit. Warum es sich lohnt, den Businessplan nicht nur als Verkaufswerkzeug zu verstehen und welche Fallstricke Gründer bei der Erstellung umgehen können, verraten wir Ihnen in unserem Beitrag.

Was ist ein Businessplan?

Ein Businessplan dient der Realisierung einer Geschäftsidee, in ihm werden sämtliche Planungsschritte eines unternehmerischen Vorhabens festgehalten – verdichtet in einer Strategie, die Ziele, Potenziale und Risiken auslotet. Insbesondere für Gründer ist ein schriftlich fixierter Geschäftsplan der Schlüssel zur Selbstständigkeit. Bevor Banken, Förderinstitute und Kooperationspartner bei der Finanzierung mitspielen, wollen sie von der Tragfähigkeit eines Konzepts überzeugt werden.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Gründer? 

Daher wird der Businessplan primär als Verkaufspapier verstanden. Experten empfehlen jedoch, in einem Businessplan mehr als ein Instrument zur Kapitalbeschaffung zu sehen. So auch Daniel Mund vom Startercenter Essen, der angehende Unternehmer in allen Fragen zur Gründung berät: „Einen Businessplan sollte man in erster Linie für sich selbst erstellen. Er gibt die Gelegenheit, sein Luftschloss zu ordnen und mögliche Defizite zu identifizieren. Wer sich im Vorfeld aller Chancen und Gefahren bewusst ist, der gründet mit einem viel besseren Gefühl.“

Daniel Mund vom Startercenter Essen berät Unternehmens- und Existenzgründer. Foto: IHK zu Essen

Daniel Mund vom Startercenter Essen berät Unternehmens- und Existenzgründer.

Foto: IHK zu Essen

Welche Inhalte hat ein Businessplan?

Je nach Idee, Produkt oder Dienstleistung, setzen Businesspläne unterschiedliche Schwerpunkte. Wer sich mit einem Foodtruck selbstständig mache, müsse seine eigentliche Geschäftsidee nicht lang und breit erklären, so Mund. Ein Start-up hingegen, das mit einem neuartigen Digitalangebot an den Markt geht, sei gut beraten, ausführlicher auszuholen. Auch wird sich ein Handwerker, der seinen eigenen Betrieb eröffnen möchte,   anderen Fragen stellen müssen als ein Ingenieur, der neue Verfahren entwickelt und mit Patenten hantiert.

Allerdings gibt es Aspekte, die jeder Businessplan umfassen sollte:

  • Die Unternehmensidee: Was ist das Neue an der Idee? Welche Probleme löst sie? Hier empfiehlt es sich, aus der Warte potenzieller Kunden zu denken.
  • Angaben zum Gründer(-Team): Wer gründet? Welche Qualifikationen bringen die Beteiligten mit? Welche Unternehmensform wird angestrebt? Diese Auskünfte schaffen Vertrauen und juristische Klarheit.
  • Markt- und Wettbewerb: Wer ist die Zielgruppe? Gibt es Konkurrenz am Markt und wie hebt sich das Angebot vom Wettbewerb ab? Eine detaillierte Branchenanalyse zeugt von Kenntnis.
  • Marketing und Vertrieb: Wie wird die identifizierte Zielgruppe erreicht? Wie gestaltet sich der Preis? Auf welchem Weg kommt die Ware, die Dienstleistung zum Kunden? Ein Angebot muss schließlich Abnehmer finden.
  • Finanz- und Liquiditätsplanung: Welche Investitionen und Personalkosten fallen an?  Mit welchen Gewinnen und Verlusten ist in der Anfangsphase zu rechnen? Ein realistisch ermittelter Kapitalbedarf gehört zu den tragenden Säulen eines Businessplans.
  • Risikobewertung: Welche Probleme könnten zu Beginn auftreten? Welche Gegenmaßnahmen lassen sich jetzt schon vorbereiten? Wer in alternativen Szenarien denkt, überzeugt mit Weitsicht.

Wie mache ich einen Businessplan?

Die Erstellung eines Businessplans ist nicht zu unterschätzen, aber beileibe kein Hexenwerk. Es gibt Literatur und Internetquellen, mit Checklisten, die Schritt für Schritt erläutern, welche Angaben zu berücksichtigen sind. Erste Anlaufstellen können Handels- und Handwerkskammern, örtliche Wirtschaftsförderungen oder spezielle Gründerzentren sein. In Workshops und offenen Sprechstunden lassen sich erste Fragen klären.

Gründungszuschuss: Was Sie beim Start in die Selbstständigkeit beachten müssen

Hier finden sich meist auch Ansprechpartner, die im nächsten Schritt bei der Erstellung eines Businessplans individuell unterstützen. In Nordrhein-Westfalen gibt es 75 Startercenter, die Existenzgründer informieren und mit Mitteln des Landes und der Europäischen Union gefördert werden. Daneben bieten private Gründungs- und Steuerberater entsprechende Dienste an.

Die sieben schlimmsten Fehler bei der Erstellung eines Businessplans

Ein Patentrezept für den perfekten Businessplan gibt es nicht. Fallstricke lassen sich aber umgehen. Hier sind sieben Fehler, die Gründer bei der Erstellung eines Businessplans vermeiden sollten, um Geldgeber zu überzeugen und den größtmöglichen Nutzen aus ihrem Konzeptpapier zu ziehen.

Der (Zeit-)Aufwand hinter einem Businessplan wird unterschätzt.

Bis hierhin sollte deutlich geworden sein: Ein Businessplan schreibt sich nicht an einem Wochenende. Viele Fragen verlangen Denkschmalz und manches Detail klärt man besser mit Fachleuten ab – etwa die Wahl der Unternehmensform mit einem Steuerberater. Auch kann es nicht schaden, Testkunden in die Idee „einzuweihen“. Der Blick von außen kann wertvolles Feedback liefern.

Praxistipps für den Start: Was Sie von diesen Gründern lernen können

Die Angaben im Businessplan sind unklar oder unvollständig.

Ein Businessplan erfordert Sorgfalt. Wenn Entscheider rätseln müssen, worum es eigentlich geht, stehen die Chancen schlecht. Auch „Mut zur Lücke“ ist nicht ratsam. Wer angesichts unklarer Prognosen keine Gewinnerwartungen formulieren möchte, wird kaum mit Zusagen bei den Banken rechnen dürfen. Auf eine „beliebte“ Leerstelle, gerade bei Gründungen mit technischem Hintergrund, weist Daniel Mund hin:

„Das technische Know-how geht aus der bisherigen beruflichen Tätigkeit hervor. Dass Ingenieure mitunter im Studium mit BWL in Berührung gekommen sind, wird gerne unterschlagen. Wer betriebswirtschaftliche Kenntnisse nachweisen kann, sollte diese unbedingt mit aufführen.“

Es werden unrealistische Ziele formuliert.

Es schadet nicht, vom eigenen Vorhaben überzeugt zu sein. Allerdings: Superlative, unbändiges Wachstum und kometenhafte Umsätze in den ersten Monaten der Gründung schraubt man besser herunter.

Der zu erwartende Cashflow unterliegt falschen Annahmen.

Bis die erste Rechnung geschrieben ist und das Konto den ersten Zahlungseingang vermeldet, können Wochen ins Land gehen. „Laufende Kosten sind in der Regel sofort da“, so Mund. Diese Anlaufphase sollte man unbedingt berücksichtigen. Ebenso, dass Fördergelder erst bewilligt werden müssen. „So manche Gründung ist gescheitert, weil Zuschüsse erst spät genehmigt wurden oder die Finanzierungszusage ganz ausblieb“, berichtet der Gründungsberater.

Die Marktanalyse wird nicht seriös durchgeführt.

„Bei der Marktanalyse schauen Entscheider besonders genau hin“, weiß Daniel Mund. „Sie verrät, ob sich der Gründer mit der Materie beschäftigt hat. Häufig wird die Nachfrage über-, die Konkurrenz unterschätzt.“ Studien und Statistiken können hilfreich sein, sofern die richtigen Schlüsse gezogen werden. Was nützt ein bundesweiter Handwerkermangel, wenn das avisierte Einzugsgebiet vor Anbietern wimmelt?

Wie müssen Ingenieure ihre berufliche Selbstständigkeit anmelden? 

Der Gründer weiß nicht, weiß in seinem Businessplan steht.

Der Verlockung ist groß: Ein Coach bietet an, einen wasserdichten Businessplan zu schreiben. Kann man machen (lassen). Aber dann sollte man unbedingt wissen, was in dem Papier steht. Spätestens bei der Präsentation fallen Wissenslücken auf. „Ein Berater kommt in fünf Minuten dahinter, dass der Gründer keine Ahnung hat – die Bank schafft es in einer Minute“, warnt Mund. Am besten sei: gerne fachliche Unterstützung einholen, den Businessplan besser selber schreiben.

Wer die Schreibarbeit fürchtet: Keine Bange, ein Businessplan ist keine Prosa und auch führen ungelenke Formulierungen nicht gleich zum K.O. Im Gegenteil: „Es kann ein Vorteil sein, wenn der Businessplan authentisch wirkt.“

Der Businessplan wird für die Schublade geschrieben.

Gut, bis hierhin ist es noch ein kleiner Weg. Sollte der Businessplan den gewünschten Erfolg bei den Kapitalgebern erbracht haben, heißt das nicht, dass er seine Schuldigkeit getan hat. Ein Businessplan wächst mit dem Business, und wächst das Business nicht, lässt sich zumindest am Businessplan ablesen, wo die Sollbruchstellen liegen. Mund: „Ein Businessplan bietet den Soll-Ist-Vergleich. Wer einen hat, muss nicht im Nebel stochern.“ Die Aussicht auf eine Navigationsstütze durch die aufregende Startphase sollte Gründer bei der Erstellung eines Businessplans ermutigen. Daniel Mund rät: „Gehen Sie mit Spaß an die Sache.“

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Ein Beitrag von:

  • Patrick Torma

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