Experten-Interview 06.12.2021, 12:27 Uhr

Ist zu viel Teamwork ein Karrierekiller? Worauf Introvertierte achten müssen

Ohne Teamwork scheint im Job nichts zu gehen. Doch oft wirkt es kontraproduktiv. Welche Fehler sollte man vermeiden? Team- und Kommunikationsexperte Peter Rach gibt Tipps, wie man bei der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen nicht untergeht.

Stillere Menschen können im Teamwork schnell untergehen - selbst, wenn sie die besseren Ideen haben. Foto: Panthermedia.net/nd3000

Stillere Menschen können im Teamwork schnell untergehen - selbst, wenn sie die besseren Ideen haben.

Foto: Panthermedia.net/nd3000

ingenieur.de: Teamworking gilt oft als Kernkompetenz. Doch oft wirkt es kontraproduktiv – warum?

Peter Rach: Eigentlich ist Teamwork in fast jedem Kontext produktiv. Arbeitsplätze ohne Teamwork sind mittlerweile fast undenkbar. Aber es kann aus zwei Gründen als kontraproduktiv empfunden werden: Eine Aufgabe ist zu klein, um sie auf mehrere Personen aufzuteilen. Oder es gibt zu wenig Platz, die Mitarbeiter des Teams würden sich auf den Füßen rumstehen. Stellen Sie sich beim Fußball zwei Torwarte in einem Tor vor. Aber was oft als Ursache für schwache Teamleistung übersehen wird, ist das Zwischenmenschliche: Es mangelt an interner Abstimmung, es fehlen Informationen, es gibt Missverständnisse, Teammitglieder verstehen sich persönlich nicht, geraten in Konflikte, verweigern die Zusammenarbeit. Es gibt Teamleiter und höhere Vorgesetze die sich in gut funktionierende Abläufe einmischen und diese durcheinander wirbeln. Es gibt Politik und Animositäten zwischen Teams und Führungskräften, die Bereichsergebnisse torpedieren. Die Gegenmittel zu diesen Teamwork-Bremsen sind viel Kommunikation, Meetings, Workshops und Konfliktmanagement. Dazu müssen manche Player erst teamfähig gemacht werden.

Wie das?

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Auch hier kennen wir Top-Spieler aus dem Fußball, die nicht zur Kooperation fähig waren und die Nationalmannschaft verlassen mussten. Hier helfen Kommunikationstrainings, Teamwork-Trainings, Einzelcoachings, Teamcoachings und Supervision. Natürlich kann man auch Meetings und Teambesprechungen überstrapazieren. Aber dort, wo sich Unternehmen und Führungskräfte weigern, die Zeit und das Geld in die notwendige Kommunikation, Abstimmung, Schulung und Persönlichkeitsentwicklung zu investieren, wird kein effizientes Teamwork gedeihen können. In diesen Fällen wird es immer so aussehen, als wäre das Teamwork und all die unproduktiven Besprechungen Schuld an der Misere. Das ist eine optische Täuschung. Denn das Dumme ist, ohne Teamwork geht es eben nicht.

Wer am lautesten schreit, wird befördert

Wann schadet zu viel Teamworking der Karriere? Worauf sollte man achten, dass das nicht passiert?

Es kann leicht passieren, dass stille, introvertierte, aber intelligente Mitarbeiter zu unauffällig im Team abtauchen. Leider fallen aber in vielen Unternehmen Karriere-Entscheidungen nach Sichtbarkeit. Es entscheidet ja nicht der direkte Chef über eine Beförderung, sondern dessen Chef. Und der kann nur denjenigen befördern, der ihm auffällt. Es gibt Mitarbeiter, die bei jedem Projekt „hier“ schreien, und bei jedem Bericht über Erfolge in der ersten Reihe stehen. Die, die den Mund aufreißen, mitreden, und mitbestimmen wollen. Die fallen auf, die werden gesehen. Die Schattenseite dieser „Hoppla-jetzt-komme-ich-Typen“: Sie sind meist weder gute Teamworker noch werden sie gute Führungskräfte. Im Team bekommen sie schnell den Ruf: „Große Klappe, nichts dahinter“ oder „Ellenbogentyp“, man vermisst deren tatkräftige Mitarbeit und ärgert sich über „geklaute Ergebnisse“. Selten gibt es auch die Auffälligen, die aber tatsächlich auch Top-Performer sind. Die haben trotzdem oft Ärger mit dem Team, weil der durchschnittliche Mitarbeiter nicht Schritt halten kann. Beide Typen werden als Führungskraft noch schlimmer. Die mit der großen Klappe halten am Ende nicht, was sie ursprünglich versprachen. Um das zu verbergen, werden sie später nicht hinter ihren Mitarbeitern stehen, sich nicht für sie einsetzen, Fehler unter den Teppich kehren oder die Pleiten einzelnen in ihrem Team in die Schuhe schieben.

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Und die Leistungsträger?

Die Top-Performer tun sich hingegen schwer, für weniger Performance, als sie selbst schon immer gezeigt haben, Verständnis aufzubringen. Entsprechend ist der Druck von ihnen meist (zu) hoch. Beide gelten auf ihre Weise als unfaire Chefs. Der optimale Chef ist selbst hochgradig leistungsfähig und kompetent, kann aber gleichzeitig sehr gut mit Menschen umgehen: Er ist ein guter Teamworker und ein exzellenter Kommunikator. Unternehmen mit kluger Beförderungsstrategie achten darauf, gute Teamworker zu befördern und diejenigen, die nur heiß auf Karriere sind, lieber links liegen zu lassen.

Wie kann man geschickt die Karriere im Team voranbringen?

Wenn Sie als Ingenieurin oder Ingenieur weiterkommen wollen, betrachten Sie zunächst Ihre Chefs, deren Chefs und die Beförderungskultur Ihres Unternehmens. In einem Unternehmen, das darauf achtet, nicht die Blender zu befördern, müssen Sie derjenige werden, dem das Team am meisten zutraut. Ein guter Teamplayer mit viel positiver Energie. Das bleibt einem guten Chef nicht verborgen. Am Ende bleibt es aber gerade den introvertierten Leistungsträgern nicht erspart, irgendwann selbst in die erste Reihe zu treten, und die Team-Erfolge hochzuhalten. Dabei ist es aber genauso wichtig den eigenen Beitrag nicht zu verstecken. Die Betonung des eigenen Beitrages gehört aber am ehesten in Vier-Augen-Gespräche mit den Vorgesetzten.

Bewerbung: Diese Fehler müssen Sie vermeiden!

Welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden?

Ich empfehle: immer integer bleiben. Das bedeutet hinter jedem einzelnen im Team zu stehen, selbst wenn man denjenigen nicht leiden kann. Oft glauben Mitarbeiter, sie hätten das Recht, über Kollegen zu urteilen, über diejenigen zu lästern, die nicht performen, oder Kollegen die Zusammenarbeit zu verweigern, die anders ticken als sie selbst. Oder wie leicht lässt man sich dabei von Kollegen mitreißen. Wer sich dazu hinreißen lässt – ob im Team oder allein – andere Teammitglieder schlecht zu behandeln, der torpediert nicht nur die Stimmung im Team. Am Ende leiden der Kommunikationsfluss, die Kooperation und die Teamleistung. Ein kluger Chef sieht, dass nicht nur einer beteiligt ist. Ein guter Teamworker löst die Probleme mit seinem Kollergen. Wer aus Sturheit und Rechthaberei Teil des Problems ist, wird sicher nicht befördert.

Ihre Top-Tipps zu Teamwork: Regeln für fruchtbares Arbeiten im Team

  • Vergessen Sie, dass Sie im Besitz der Wahrheit sind. Merksatz: Es gibt keine Wahrheit! Unser Gehirn ist zu begrenzt, und die Situationen in unserer heutigen Welt sind zu komplex, als dass irgendwer einen Sachverhalt wirklich korrekt einschätzen könnte. Erst die Diskussion mit anderen Menschen, und deren andere Sichtweise der Dinge, erweitert unsere eigene Sicht. Merksatz: „Wenn Zwei in einem Raum einer Meinung sind, ist einer überflüssig.“
  • Vergessen Sie den Unsinn, man müsste Dinge nur auf der Sachebene diskutieren. Und falls es mal emotional wird, möglichst schnell auf die Sachebene zurückkehren. Das funktioniert nicht. Der deutsche Kommunikations-Papst Friedemann Schulz-von Thun sagt: Wenn die Beziehungsebene gestört ist, hat die Sachebene keine Chance. Viele Ingenieurinnen und Ingenieure sind sehr sachorientiert. Sie tendieren dazu, der Beziehungsebene zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Doch Menschen sind Beziehungs-Tiere und sie reagieren oft emotional. Emotionale Intelligenz ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Zusammenarbeit mit Menschen.
  • Der wichtigste Faktor im Teamwork ist eine Atmosphäre von psychologischer Sicherheit. Das bedeutet: Keiner muss befürchten von den anderen irgendwie angegriffen zu werden. Das ist in der Realität gar nicht so einfach. Schließlich gibt es genug Gelegenheiten, bei denen Klartext geredet werden muss. Und manche Kollegen klingen schnell gereizt. Doch es gibt den feinen Unterschied zwischen deutlich und angreifend. Wer im Miteinander angreifend kommuniziert (Lautstärke, Tonfall, Vorwürfe, Druck), der ruiniert das Teamwork und damit die Teamperformance.
  • Schließlich braucht exzellentes Teamwork den Willen zu Feedback und Retrospektiven. Eine sehr mächtige Säule der agilen Arbeitsmethoden, die ja heute in aller Munde sind. Dazu gehört die Bereitschaft Fehler einzugestehen und permanent aus den eigenen Fehlern zu lernen.

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