Studie zum Einkommen 18.08.2020, 15:00 Uhr

Bedingungsloses Grundeinkommen: Forscher suchen jetzt Freiwillige

Das bedingungslose Grundeinkommen könnte Wirklichkeit werden. Forscher suchen jetzt Freiwillige, die jahrelang 1.200 Euro pro Monat erhalten sollen. Die Kernfrage: Was macht das mit den Menschen?

Sparschwein steht auf Geldscheinen

Bedingungsloses Grundeinkommen: Macht es die Menschen produktiver - oder faul?

Foto: panthermedia.net/Thomas Klee

Die Idee: Jeder Mensch bekommt jeden Monat genug Geld zum Leben, unabhängig von seiner persönlichen Situation. „Bedingungsloses Grundeinkommen“ heißt das in der Theorie. Jetzt soll das Konstrukt in einer Langzeitstudie in der Praxis untersucht werden.

Die Kernfrage: Wie verändert sich der Alltag von Menschen, wenn sie jeden Monat 1.200 Euro bekommen – bedingungslos, ob bedürftig oder nicht? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Verein „Mein Grundeinkommen“ und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität Köln wollen das in einer Langzeitstudie untersuchen. Seit Dienstag können sich Freiwillige online als Testkandidaten für die Studie bewerben

Bedingungsloses Grundeinkommen: 120 Teilnehmer werden ausgewählt

Voraussetzung: Ein erster Wohnsitz in Deutschland die Volljährigkeit. Sobald eine Million Bewerber zusammengekommen sind, startet ein Auswahl- und Auslosungsprozess. 120 Teilnehmer sollen dann ab Frühjahr 2021 monatlich drei Jahre lang das bedingungslose Grundeinkommen von 1.200 Euro erhalten. Finanziert wird das Projekt über Spenden.

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Die Wissenschaftler wollen dann durch regelmäßige Befragungen der Teilnehmer herausfinden, wie sich ihr Alltag durch das Geld verändert. Der Blick richtet sich dabei unter anderem auf das Arbeitsleben, die Finanzen, den Bereich Familie und Beziehungen, soziale Kontakte oder auch auf mögliche psychische Veränderungen. Zur Analyse des Stresslevels würden auch Haarproben ausgewertet, heißt es.

„Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“, sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen, am Dienstag in Berlin.

Es gebe zwar bereits weltweit wissenschaftliche Studien zum Thema, aber ihre Erkenntnisse seien begrenzt, so Jürgen Schupp vom DIW Berlin. „Sie sind entweder veraltet, nicht verallgemeinerbar oder untersuchen das Grundeinkommen nur für Erwerbslose. Vor diesem Hintergrund betreten wir in Deutschland mit dieser Studie wirklich wissenschaftliches Neuland“.

Gegner glauben: Bürgergeld bremse Motivation aus

Brandneu ist die Idee vom Bedingungslosen Grundeinkommen nicht, seit Jahren wird darüber auch in der Politik diskutiert. Fürsprecher sind etwa Linke-Chefin Katja Kipping, aber auch der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner. Gemeint ist damit eine Leistung, die jedem Bürger zustehen soll – unabhängig von Lebens- und Einkommensverhältnissen und dem Status der Beschäftigung. Also eine Summe X, die regelmäßig ohne Vorprüfungen an alle gezahlt wird, ob reich, ob arm, ob Baby oder Greis. Manchmal ist auch von „Bürgergeld“ die Rede.

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Gegner der Idee befürchten, dass eine solche Zahlung die Motivation von Menschen bremse und diese letztlich unglücklicher mache. Zudem werden die Kosten angeführt. Rein rechnerisch würde ein Grundeinkommen von 1.000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr kosten. Die gesamten Staatsausgaben liegen bisher laut Statistischem Bundesamt bei knapp 1,5 Billionen Euro im Jahr.

Kein Beweis für die „Faulheitsthese“

Der Verein „Mein Grundeinkommen“ widerspricht in beiden Punkten: Für die „Faulheitsthese“ gebe es keine Beweise. In weltweit allen Pilotprojekten sei genauso oder sogar noch mehr weitergearbeitet worden. Für die Finanzierung gebe es verschiedene Modelle.

„Das Grundeinkommen ist im Wesentlichen eine Steuerreform“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Menschen mit geringen Einkommen hätten dadurch mehr Geld zur Verfügung, die so genannte Mittelschicht etwa gleich viel und die Reichsten etwas weniger als vorher. „Unterm Strich zahlen diese Menschen dann mehr Steuern als sie Grundeinkommen erhalten.“ Mit Hartz IV gebe es zudem auch heute schon eine Art Grundeinkommen – nur sei dieses nicht bedingungslos, sondern sorge für Demotivation, Existenzangst und Misstrauen.

Ein Beitrag von:

  • dpa

  • ingenieur.de

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