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Ingenieurpädagogik studieren: Warum Absolventen doppelte Berufschancen genießen

02. März 2021

Lehrerin im Klassenraum technische Inhalte an der Tafel
Ingenieurpädagogen können als Lehrer tätig sein oder sich für eine Karriere in der Aus- und Weiterbildung entscheiden. Foto: panthermedia.net/elmirex2009
Ingenieure als Pädagogen: Passt das zusammen? Und wie! Ein Studium der Ingenieurpädagogik eröffnet doppelte Berufschancen. Ein Ingenieurpädagoge berichtet aus seinem Schulalltag.
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Was ist Ingenieurpädagogik?

Ingenieurpädagogik ist alles andere als die kleine Schwester der Ingenieurwissenschaft. Das Fach bezieht sich nicht nur auf pädagogische Lehrinhalte. Der Beruf des Ingenieurpädagogen ist auch nicht auf ein Lehramt festgelegt. Wer Technik gerne vermittelt, sollte sich diesen Studiengang näher anschauen.

Wer Ingenieurpädagogik studiert, wird auf den Beruf als Berufsschullehrer vorbereitet. Die Hochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd kooperieren bei diesem Studiengang. Drei Viertel des Studiums sind Technik, 25 % Bildungswissenschaft. Etwa die Hälfte der Absolventen wird Lehrer, die anderen gehen in die Industrie. Ingenieurpädagogen können beides und sie sind begehrt am Arbeitsmarkt.

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Die Ingenieurpädagogik verbindet ingenieurwissenschaftliche Fächer mit bildungswissenschaftlichen Inhalten. Absolventen können als Ingenieur oder im Aus- und Weiterbildungsbereich arbeiten.  Durch einen Master-Abschluss als „M.Sc. Ingenieurpädagogik“ öffnet sich die Tür in das Lehramt an beruflichen Schulen. Sie sind auf der Suche nach einer Weiterbildung? Hier finden Sie passende Angebote.

Wer das Unterrichten beherrscht, hat also auch ohne Lehramtsstudium gute Chancen, Lehrer zu werden. Und damit womöglich Beamter auf Lebenszeit. „Diese Sicherheit bietet kein Industrieunternehmen“, sagt Andreas Mahler. Doch deshalb ist der Ingenieur nicht Lehrer geworden. „Das bin ich aus Überzeugung.“ Gerade an beruflichen Schulen ist der Mangel an Lehrern groß, dabei gibt es dort eine lernwillige Klientel: Berufsschüler, hinter denen ein Betrieb steht oder Schüler am technischen Gymnasium, bei denen das Ziel Abitur für die nötige Motivation sorgt. „Die meisten wissen, warum sie an der Schule sind“, sagt Mahler.

Abwechslungsreiche Tätigkeit als Ingenieurpädagoge

Was ihm neben dieser Motivation an der Berufsschule gefällt, ist deren Vielfalt. Mahler ist Klassenlehrer der Industriemechaniker des 2., 3. und 4. Ausbildungsjahres am Kreisberufsschulzentrum in Ellwangen. Er unterrichtet Vollzeitschüler am technischen Gymnasium und bringt sich auch außerhalb seines eigentlichen Unterrichts ein, etwa indem er Referendare betreut.

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Mahler wollte von Beginn seines Studiums an Lehrer werden. Er hat an den Hochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd den Kooperationsstudiengang Ingenieurpädagogik studiert und hätte als vollwertiger Ingenieur auch in die Industrie gehen können. Das hat beispielsweise sein Kommilitone Martin Jackert getan, als er im Referendariat feststellte: „Lehrer sein ist doch nichts für mich.“

Ingenieurpädagogik studieren: Ein Studium, unterschiedliche Berufswege

Es gibt unterschiedliche Wege, um als Ingenieur Lehrer an einer Berufsschule zu werden. Teilweise unterscheidet sich der Zugang von Bundesland zu Bundesland, weil Bildung bekanntlich Landessache ist. Typisch sind ein abgeschlossenes Ingenieurstudium mit anschließendem Referendariat oder nach dem Bachelor-Abschluss in einer Ingenieurdisziplin ein Master-Studium in Berufspädagogik an einer Pädagogischen Hochschule. Wer vorhat, als Ingenieur zugleich Lehrer zu werden, der ist im zusammenhängenden Studiengang Ingenieurpädagogik ideal aufgehoben. „Unser Ziel ist es, Lehrer für technische Fächer an Berufsschulen auszubilden“, sagt Marcus Liebschner, Studiendekan an der Hochschule Aalen. Die Hochschule Aalen ist federführend im Bachelor-Studiengang, „der stark technisch orientiert ist“.

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Etwa drei Viertel der Vorlesungen sind ingenieurnaturwissenschaftliche, ein Viertel Bildungswissenschaften. Mit Fertigungstechnik sowie Energie- und Automatisierungstechnik gibt es zwei berufliche Fachrichtungen, die für das Bachelor- wie auch Master-Studium identisch sind. In beiden Fachrichtungen ist zusätzlich Physik das Unterrichtsfach.

Diese Hochschulen bieten ein Studium der Ingenieurpädagogik an

Hochschule Studiengang/Abschluss
Hochschule Merseburg University of Applied Science Ingenieurpädagogik, Bachelor of Engineering
Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingenieurpädagogik, Bachelor of Engineering
Hochschule Mannheim Ingenieurpädagogik, Bachelor of Science
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd (University of Education) Ingenieurpädagogik, Bachelor of Engineering, Master of Science
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Ingenieurpädagogik, Bachelor of Science, Master of Education, Master of Science
Technische Hochschule Rosenheim (University of Applied Science) Ingenieurpädagogik, Bachelor of Engineering
Hochschule Landshut Ingenieurpädagogik, Bachelor of Engineering
Hochschule Aalen Ingenieurpädagogik (Fertigungs-, Energie-, Automatisierungstechnik), Bachelor of Engineering
Hochschule Esslingen Ingenieurpädagogik (Elektro-, Informationstechnik), Bachelor of Science
Pädagogische Hochschule Heidelberg Ingenieurpädagogik, Master of Science

Diese Module lernen Studierende der Ingenieurpädagogik

Während der Lehrzeit belegen Studierende Vorlesungen und Seminare zu den Grundlagen der Erziehungswissenschaft, Berufspädagogik und Fachdidaktik. Insbesondere die Berufspädagogik bringt Studierenden nicht nur die psychologischen Grundlagen des Lehrens und Lernens näher, sondern befasst sich mit den organisatorischen Bedingungen beruflicher Bildung. Konkret werden Unterrichtsmethoden gelehrt, um Technik und andere komplexe Sachverhalte zu vermitteln.

Neben fachspezifischen Modulen wie Elektro- oder Automatisierungstechnik warten Inhalte zur Schulpraxis auf die Studenten. Wie Theorie und Praxis verbunden werden, stellt auch für Industrieunternehmen eine gefragte Kompetenz dar.

Industrie wird auf Ingenieurpädagogen aufmerksam

„Die Industrie wird immer mehr auf Ingenieurpädagogen aufmerksam“, sagt Liebschner und begründet: „Die Industrie sucht zunehmend Ingenieure, die komplexe Produkte erklären können.“ Ingenieurpädagogen sind dafür ausgebildet. Einstiegsgehalt und Karrierechancen unterscheiden sich nach Meinung des Professors nicht von anderen Ingenieurdisziplinen.

Die Studenten, die nicht in die Industrie aussteigen, wechseln für das Master-Studium an die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, das auch Absolventen anderer Hochschulen offensteht. Uwe Faßhauer leitet dort den Studiengang federführend. „Um ein höheres Lehramt an beruflichen Schulen zu bekommen, braucht man den Master-Abschluss.“

Technik und Mensch näher zusammenbringen

Für den Studiengang würden sich Menschen eignen, „die von der Technik begeistert sind und zugleich ein Faible dafür haben, Lernprozesse zu konzipieren und auszufüllen“. Das Studium dauert drei Semester, der Schwerpunkt liegt auf der Ingenieurpädagogik und der Fachdidaktik. Die Ingenieurwissenschaften rücken etwas in den Hintergrund. Laut Faßhauers gibt es generell einen Mangel an wissenschaftlichen Berufsschullehrern. Viel zu wenige entscheiden sich für den Beruf. Darüber hinaus: Etwa die Hälfte der Master-Absolventen geht in die Industrie, die anderen werden Berufsschullehrer.

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Was verdienen Ingenieurpädagogen?

In diesem Fall folgt die Vorbereitung auf den Schuldienst, das Referendariat. Es dauert 18 Monate, der Verdienst liegt bei etwa 1.500 Euro brutto monatlich. Als Lehrer beginnen sie in der Besoldungsgruppe A 13. Je nach Alter und Familienstand verdienen sie 3.800 Euro brutto. Ein Jahr nach Abschluss des Referendariats werden sie Beamte auf Lebenszeit. „Arbeitslose Berufsschullehrer gibt es nicht und jeder der will, bekommt einen Platz im Referendariat“, sagt Faßhauer.

Trotz „exotischer“ Ausbildung vollwertiger Ingenieur

Auch Martin Jackert, 28, hatte Ingenieurpädagogik in Aalen und Schwäbisch Gmünd studiert, dann sein Referendariat angefangen, um Berufsschullehrer zu werden. Nach sechs Monaten hat er den Vorbereitungsdienst aus zweierlei Gründen abgebrochen.

Jackert hatte vor seinem Studium eine Lehre als Funkelektriker bei Kathrein in Nördlingen abgeschlossen. Dorthin kehrte er als Ingenieur zurück. Etwa 700 Mitarbeiter produzieren in Nördlingen Antennen für den Mobilfunk. Jackert hat im September 2012 in der Produktionsplanung angefangen, inzwischen ist er zudem Projektmanager für den Großkunden Ericsson. „Mit meiner Ausbildung bin ich zwar ein Exot unter meinen Kollegen, aber dennoch vollwertiger Ingenieur.“ Er ist mit seinem Job zufrieden, ein Lehrerdasein hat sich für ihn erledigt.

Mahler hat im ersten Durchgang des Studiums 2003 angefangen. Seit 2010 ist er Lehrer. „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.“ So unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein – trotz identischer Ausbildung.

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