Bildung 23.08.2013, 09:49 Uhr

Mit Ingenieurpädagogik doppelte Berufschancen

Wer Ingenieurpädagogik studiert, wird auf den Beruf als Berufsschullehrer vorbereitet. Die Hochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd kooperieren bei diesem Studiengang. Drei Viertel des Studiums sind Technik, 25 % Bildungswissenschaft. Etwa die Hälfte der Absolventen wird Lehrer, die anderen gehen in die Industrie. Ingenieurpädagogen können beides und sie sind begehrt am Arbeitsmarkt.

Der Ingenieur Andreas Mahler ist Berufsschullehrer. "Das bin ich aus Überzeugung. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen." 

Der Ingenieur Andreas Mahler ist Berufsschullehrer. "Das bin ich aus Überzeugung. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen." 

Foto: Foto: Archiv

Wer das Unterrichten beherrscht, hat auch ohne Lehramtsstudium gute Chancen, Lehrer zu werden. Und damit Beamter auf Lebenszeit. „Diese Sicherheit bietet kein Industrieunternehmen“, sagt Andreas Mahler, 33. Doch deshalb ist der Ingenieur nicht Lehrer geworden. „Das bin ich aus Überzeugung.“ Gerade an beruflichen Schulen ist der Mangel an Lehrern groß, dabei gibt es dort eine lernwillige Klientel: Berufsschüler, hinter denen ein Betrieb steht oder Schüler am technischen Gymnasium, bei denen das Ziel Abitur für die nötige Motivation sorgt. „Die meisten wissen, warum sie an der Schule sind“, sagt Mahler.

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Was ihm neben dieser Motivation an der Berufsschule gefällt, ist deren Vielfalt. Mahler ist Klassenlehrer der Industriemechaniker des 2., 3. und 4. Ausbildungsjahres am Kreisberufsschulzentrum in Ellwangen. Er unterrichtet Vollzeitschüler am technischen Gymnasium und bringt sich auch außerhalb seines eigentlichen Unterrichts ein, etwa indem er Referendare betreut.

Mahler wollte von Beginn seines Studiums an Lehrer werden. Er hat an den Hochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd den Kooperationsstudiengang Ingenieurpädagogik studiert und hätte als vollwertiger Ingenieur auch in die Industrie gehen können. Das hat beispielsweise sein Kommilitone Martin Jackert getan, als er im Referendariat feststellte: „Lehrer sein ist doch nichts für mich.“

Unterschiedliche Ausbildungswege

Es gibt unterschiedliche Wege, um als Ingenieur Lehrer an einer Berufsschule zu werden. Teilweise unterscheidet sich der Zugang von Bundesland zu Bundesland, weil Bildung bekanntlich Landessache ist. Typisch sind ein abgeschlossenes Ingenieurstudium mit anschließendem Referendariat oder nach dem Bachelor-Abschluss in einer Ingenieurdisziplin ein Master-Studium in Berufspädagogik an einer Pädagogischen Hochschule. Wer vorhat, als Ingenieur zugleich Lehrer zu werden, der ist im zusammenhängenden Studiengang Ingenieurpädagogik ideal aufgehoben. „Unser Ziel ist es, Lehrer für technische Fächer an Berufsschulen auszubilden“, sagt Marcus Liebschner, Studiendekan an der Hochschule Aalen. Die Hochschule Aalen ist federführend im Bachelor-Studiengang, „der stark technisch orientiert ist“.

Etwa drei Viertel der Vorlesungen sind ingenieurnaturwissenschaftliche, ein Viertel Bildungswissenschaften. Mit Fertigungstechnik sowie Energie- und Automatisierungstechnik gibt es zwei berufliche Fachrichtungen, die für das Bachelor- wie auch Master-Studium identisch sind. In beiden Fachrichtungen ist zusätzlich Physik das Unterrichtsfach.

Den Kooperationsstudiengang Ingenieurpädagogik gibt es seit zehn Jahren

Den Kooperationsstudiengang Ingenieurpädagogik gibt es seit zehn Jahren. Durchschnittlich schließen etwa 15 Absolventen mit dem Bachelor-Grad ab. Rund ein Drittel von ihnen geht in die Industrie. „Die immer mehr auf diese Ingenieure aufmerksam wird“, sagt Liebschner und begründet: „Die Industrie sucht zunehmend Ingenieure, die komplexe Produkte erklären können.“ Ingenieurpädagogen sind dafür ausgebildet. Einstiegsgehalt und Karrierechancen unterscheiden sich nach Meinung des Professors nicht von anderen Ingenieurdisziplinen.

Die Studenten, die nicht in die Industrie aussteigen, wechseln für das Master-Studium an die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, das auch Absolventen anderer Hochschulen offensteht. Uwe Faßhauer leitet dort den Studiengang federführend. „Um ein höheres Lehramt an beruflichen Schulen zu bekommen, braucht man den Master-Abschluss.“

Nur zehn Abschlüsse pro Jahr

Für den Studiengang würden sich Menschen eignen, „die von der Technik begeistert sind und zugleich ein Faible dafür haben, Lernprozesse zu konzipieren und auszufüllen“. Das Studium dauert drei Semester, der Schwerpunkt liegt auf der Ingenieurpädagogik und der Fachdidaktik. Die Ingenieurwissenschaften rücken etwas in den Hintergrund. Etwa zehn Studenten schließen es jährlich ab. „Das ist wenig, aber von den großen Universitäten kommen beispielsweise noch weniger Absolventen.“ Dieser Vergleich Faßhauers belegt die Gründe für den Mangel an wissenschaftlichen Berufsschullehrern. Viel zu wenige entscheiden sich für den Beruf. Darüber hinaus: Etwa die Hälfte der Master-Absolventen geht in die Industrie, die anderen werden Berufsschullehrer.

In diesem Fall folgt die Vorbereitung auf den Schuldienst, das Referendariat. Es dauert 18 Monate, der Verdienst liegt bei etwa 1500 € brutto monatlich. Als Lehrer beginnen sie in der Besoldungsgruppe A 13. Je nach Alter und Familienstand verdienen sie 3800 € brutto. Ein Jahr nach Abschluss des Referendariats werden sie Beamte auf Lebenszeit. „Arbeitslose Berufsschullehrer gibt es nicht und jeder der will, bekommt einen Platz im Referendariat“, sagt Faßhauer.

Trotz „exotischer“ Ausbildung vollwertiger Ingenieur

Auch Martin Jackert, 28, hatte Ingenieurpädagogik in Aalen und Schwäbisch Gmünd studiert, dann sein Referendariat angefangen, um Berufsschullehrer zu werden. Nach sechs Monaten hat er den Vorbereitungsdienst aus zweierlei Gründen abgebrochen. „Lehrer müssen viel machen, was nichts mit dem Unterricht zu tun hat. Vor allem aber bereitet das Referendariat unzureichend auf die spätere Arbeit als Lehrer vor.“

Jackert hatte vor seinem Studium eine Lehre als Funkelektriker bei Kathrein in Nördlingen abgeschlossen. Dorthin kehrte er als Ingenieur zurück. Etwa 700 Mitarbeiter produzieren in Nördlingen Antennen für den Mobilfunk. Jackert hat im September 2012 in der Produktionsplanung angefangen, inzwischen ist er zudem Projektmanager für den Großkunden Ericsson. „Mit meiner Ausbildung bin ich zwar ein Exot unter meinen Kollegen, aber dennoch vollwertiger Ingenieur.“ Er ist mit seinem Job zufrieden, ein Lehrerdasein hat sich für ihn erledigt.

Mahler hat im ersten Durchgang des Studiums 2003 angefangen. Seit 2010 ist er Lehrer. „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.“ So unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein – trotz identischer Ausbildung.  PETER ILG

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