Konflikte im Job 14.12.2022, 13:15 Uhr

Wie formuliere ich Kritik an Vorgesetzten richtig?

In Feedbackgesprächen wird meist nur über die „Perfomance“ der oder des Mitarbeitenden gesprochen. Was aber, wenn es Kritik an der oder dem Vorgesetzten gibt? Ansprechen! Aber wie?

Kritik am Chef

Den eigenen Chef kritisieren: Nicht immer einfach, aber meist sinnvoll!

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Umfragen zeigen: Die große Mehrheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hält ihre Vorgesetzten für nicht kritikfähig. Viele gehen davon aus, dass eine hohe Position auch das Gefühl, „unantastbar“ zu sein, mit sich bringt. In Einzelfällen mag dies zutreffen, entspricht aber definitiv nicht der Regel. Bevor Sie sich aber frustriert nach einem anderen Job umschauen, sollten sie es mit einem persönlichen Gespräch versuchen. Nur so lässt sich herausfinden, ob der Chef oder Chefin tatsächlich allergisch auf Kritik reagiert. Am Ende sind Sie vielleicht mehr als überrascht, dass die anfängliche Einschätzung falsch war und Sie gut über Verbesserungsvorschläge sprechen konnten.

Kritik am Chef – das ist für die meisten Angestellten eher ein unangenehmes Thema. Ehe Sie aber schlaflose Nächte haben oder mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, sollten Sie ein solches Gespräch in Betracht ziehen. Wenn der Moment gekommen ist und Sie sich entschieden haben, den Schritt nach vorn zu gehen, sollten Sie sich auf das Gespräch gut vorbereiten und Ihre Kritikpunkte am besten auf einen Zettel schreiben, den Sie im Gespräch als Stütze nutzen können.

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Ein offener und respektvoller Umgang miteinander ist am Ende im Sinne des Unternehmens und sollte auch von Ihrem Chef beziehungsweise Ihrer Chefin gefördert werden. Wenn das unangenehme Thema vom Tisch ist, kann dies eine Bereicherung für beide Seiten sein und sogar die Basis für eine andere, bessere Zusammenarbeit.

Chef-Kritik erfordert Mut

Gerade wenn Sie als Ingenieurin oder Ingenieur Probleme ansprechen, geht es oft um technische Zusammenhänge und Sachverhalte. Sich mit dem „Fehlverhalten“ der oder des Vorgesetzten auseinanderzusetzen und diese Kritik auch zu äußern, haben viele nicht „gelernt“. Umso wichtiger ist es, in begründeten Situationen, den Mut zusammenzunehmen und konsequent einen Gesprächstermin einzufordern. Schließlich sollte man sich auch vor Augen halten, dass Vorgesetzte gegebenenfalls auch davon profitieren, dass sie andere Sichtweisen kennenlernen.

Denn nicht nur Mitarbeitende sollten die Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln – auch Chefs und Chefinnen. Auf der anderen Seite zeigen Sie mit Ihrem Vorstoß auch Rückgrat und können selbst dann noch in den Spiegel schauen, wenn das Gespräch nicht so verlief, wie Sie es sich erhofft haben. Denn: In welcher Lebenssituation auch immer Sie sich befinden – am Ende zählen doch auch im Privatleben Offenheit und der wertschätzende Dialog!

Niemand wird gerne kritisiert

Sicher ist, dass von uns allen Kritikfähigkeit erwartet wird, aber – wenn wir ehrlich sind – wir alle nicht gerne kritisiert werden. Kritik tut manchmal weh, ist oft unangenehm, weil wir das Gefühl bekommen, in diesem konkreten Fall nicht zu genügen und manchmal das Gesagte so auslegen, als wären wir nicht der oder die Richtige für den Job. Vorgesetzten geht es da nicht anders. Es wird von ihnen, in ihrer eigenen Wahrnehmung, Allwissenheit erwartet und sie befürchten mehrheitlich, ihre Kompetenz würde infrage gestellt oder ihr Ansehen untergraben, wenn sie eine Fehlentscheidung, falsche Äußerung oder ein unangemessenes Verhalten eingestehen müssen.

Kritik am Chef: zuerst sich selbst fragen

Wer ohne Strategie beim Chef anklopft, um ihn zu kritisieren, hat meist keine guten Karten. Die meisten Führungskräfte assoziieren nämlich Kritik mit Schwäche und reagieren deshalb dünnhäutig. Kritik ist deshalb ein heikles Thema. Insbesondere, wenn der Chef oder die Chefin deutlich macht, dass er keine Kritik „wünscht“. Doch unfehlbar ist nun einmal niemand und insofern sollten Sie, wenn Ihnen ein Thema unter den Nägeln brennt, tief durchatmen und den richtigen Moment für ein solches Gespräch abpassen – am besten in einem ruhigen Ambiente und unter vier Augen. Bevor Sie diesen Schritt tun, ist es aber wichtig, sich selbst ein paar Fragen zu stellen:

  • Was glauben Sie, ist die Ursache des Verhaltens?
  • Was genau ist so falsch an dem, was der oder die Vorgesetzte entschieden hat?
  • Lässt sich das Verhalten verallgemeinern, also findet der Chef beziehungsweise die Chefin beispielsweise generell nur die eigenen Lösungsansätze und Ideen gut – oder könnte es sein, dass in diesem Fall nur die Meinungen voneinander abweichen?

Chef-Fehler müssen kein Tabu sein

Ein Chef, der offen ist für Kritik und sein eigenes Verhalten im begründeten Fall in Frage stellt, ist gar nicht so selten. Es zeugt natürlich von Größe, offen für konstruktive Kritik zu sein und zumindest über die Worte eines kritisierenden Mitarbeiters nachzudenken. Aber gerade in der Generation der „Millennials“, also jenen, die zwischen 1980 und der Jahrtausendwende geboren wurden, gelten ganz andere Werte und Vorstellungen als in den Generationen davor. Und so sind sie auch offener für Gespräche, in denen ihre eigenen Thesen und Entscheidungen infrage gestellt werden.

Kritik am Chef: So geht’s richtig

Auch wenn Feedback und Kritik in vielen Unternehmen eine große Rolle spielen, finden sie in der Regel nur in eine Richtung statt: von oben nach unten. Vielen Mitarbeitern mangelt es also an Erfahrung, wenn es darum geht, konstruktive Kritik am Vorgesetzten zu üben. Vor allem kommt es auf das richtige Vorgehen an. Sonst besteht nämlich die Gefahr, das Sie eher auf Ablehnung und Widerstand stoßen. Deshalb haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, die dabei helfen können, Kritik am Chef richtig vorzubringen, ohne die eigene Karriere zu riskieren.

Eine gute Atmosphäre schaffen

Der Beginn eines solchen Gesprächs ist entscheidend, vor allem für Sie! Bemühen Sie sich von Anfang an um eine sachorientierte Ebene, zum Beispiel: „Sie sehen das so, ich sehe das so. Wie kommen wir da zusammen?“ Auch nonverbale Faktoren, wie Kopfnicken oder Blickkontakt, zählen. Dennoch sollten Sie daran denken, dass Sie bei Ihrer Kritik bleiben und sich nicht sofort von den Argumenten der „anderen Seite einfangen“ lassen.

Perspektive wechseln

Beim Schach gewinnt meist derjenige, der vorausdenkt. Wer sich entsprechend vorab in die Lage des Chefs oder der Chefin versetzt, baut nicht nur Ärger ab, sondern findet oft auch Erklärungen für das Problem. Genauso hilfreich: der Dialog mit Kollegen. Wie beurteilen sie die Situation? Vielleicht erhalten Sie durch deren Ansichten einen neuen Blickwinkel, der Ihre Argumentation erweitert.

Emotionen unterdrücken

Ihr Chef reagiert anders als erwartet und nicht in Ihrem Sinne? Dann bleiben Sie erst recht sachlich und bewahren Sie Ruhe. Fragen Sie lieber noch einmal nach den Hintergründen und Argumenten des Vorgesetzten. Allerdings nicht so, dass es wie ein Verhör klingt. Er soll sich nicht rechtfertigen müssen, das wäre unhöflich und respektlos. Aber es ist Ihr gutes Recht, ihn und seine Entscheidungen verstehen zu wollen, schließlich sollen Sie danach auch handeln. Womöglich gibt es zwischen Ihnen beiden auch nur ein Missverständnis und nicht handfeste Meinungsverschiedenheiten.

Verallgemeinerungen vermeiden

„Jedes Mal“ oder „Sie machen immer“ sind keine passenden Formulierungen für die Kritik am Chef. Verallgemeinerungen bringen Sie nicht weiter, gefragt ist ein konkreter Punkt, eine Entscheidung oder ein Verhalten, auf das Ihre Kritik gerichtet ist. Benennen Sie genau, an welcher Stelle Sie eine mögliche Verbesserung sehen, anstatt das gesamte Verhalten oder den ganzen Führungsstil des Chefs zur Debatte zu stellen.
Gute Argumente einbringen

Zeigen Sie bei Ihrer Kritik stets, dass Sie das Wohl des Unternehmens im Blick behalten. Je konkreter die Punkte vorgebracht werden und je ruhiger der Ton dabei bleibt, desto offener kann auch das Gegenüber reagieren. Redewendungen wie „Was ich Ihnen schon immer einmal sagen wollte…“ sollten unbedingt vermieden werden. Wichtig ist, den Anderen ausreden zu lassen, dann aber mit guten Argumenten gegenhalten zu können.
Konstruktive Vorschläge machen

Im besten Fall kommen Sie nicht mit Problemen zu Ihrem Chef, sondern mit Lösungen. Ein simples „So geht das nicht“ ist weder eine geeignete Kritik noch wird dies dabei helfen, dass Ihr Anliegen akzeptiert wird. Unterbreiten Sie stattdessen lieber Gegenvorschläge wie: „Ich hätte da einen Vorschlag“ oder: „Eine andere Möglichkeit wäre auch…“. Solche Sätze haben eine größere Wahrscheinlichkeit, akzeptiert zu werden, denn so ebnen Sie Ihrem Chef den Weg, Ihre Lösungsansätze zu überdenken und sich einzugestehen, sich möglicherweise geirrt zu haben.

Das ist bei Kritik am Chef wichtig:

  • sachlich zu kritisieren (also nicht emotional reagieren und auf keinen Fall laut werden)
  • anlassbezogen zu kritisieren (keine Verallgemeinerungen)
  • „Ich-Botschaften“ zu formulieren (zum Beispiel „Ich finde es nicht gut, dass …“, „Ich komme nicht damit zurecht, dass …“)
  • konkrete Wünsche für die Zukunft zu äußern oder Vorschläge zu machen, wie es besser ginge
  • die Kritik bestenfalls mündlich und unter vier Augen zu äußern.
  • Und: Zeigen Sie immer Respekt! Ein wertschätzender Umgang erleichtert es dem Gegenüber, Fehler einzugestehen und über sein Verhalten nachzudenken.

Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten:

  • Den Raum betreten, einen Zettel zücken und dem Boss einen Vorwurf nach dem anderen à la „Warum haben Sie nicht…?!“ zu machen. So gerät jedes Gespräch in eine Schieflage und der Ton wird aggressiv. Wer dann schnell eine Abfuhr vom Chef oder der Chefin erhält, darf sich nicht wundern!
  • Wer unzufrieden und deshalb aufgebracht ist, neigt dazu, sich in der Sprache zu vergreifen. Doch allgemeines Rumnörgeln disqualifiziert nur und Umgangssprache ist im beruflichen Kontext unangebracht.
  • Auch, wer mit moralinsauerer Miene aufläuft, kann davon ausgehen, dass auch der Andere keine entspannte Haltung einnimmt. Sind die Argumente gut, ist Moral nicht nötig. Sind sie es nicht, hilft auch nicht, dass Sie sich als Moralapostel aufspielen. Sätze wie „Ich bin nicht der Einzige, der das so sieht…“ gehen fast immer nach hinten los. Ein kluger Chef fragt nach Namen – und dann werden Sie entweder zur Petze oder Ihr Argument verpufft.
  • Die ungünstigte Variante ist die Erpressung. Wer etwa mit der Kündigung droht oder Dienst nach Vorschrift in Aussicht stellt, sägt am eigenen Bürostuhl.
  • Sollte der Boss einlenken, ist plumpe Vertraulichkeit ebenso tabu wie Ironie oder Sarkasmus. Nur weil Sie ihn überzeugt haben, ist das noch lange kein Grund, sich im Sessel zurückzulehnen und überlegen zu grinsen.

Wer schweigt, kann nichts ändern

Einem Kollegen oder einer Kollegin den Unmut mitzuteilen, verlangt manchem Angestellten einiges an Überwindung ab. Aber beim eigenen Chef wirkt die Hürde der freien Meinungsäußerung noch einmal dramatisch höher. Es steht einiges auf dem Spiel: dessen Gunst, womöglich die Chancen, Karriere zu machen und im worst case der Arbeitsplatz. Eine Garantie dafür, dass der Vorgesetzte die Kritik annimmt, gibt es nicht – selbst wenn sie berechtigt und konstruktiv ist. Sicher ist nur, dass wenn Sie es gar nicht versuchen, sich auch nichts ändern kann.

Ein Beitrag von:

  • Liane Rapp

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