Beratung 30.08.2016, 00:00 Uhr

Smalltalk kann man lernen

Beim Smalltalk sind wir oft seltsam verkrampft, wenn wir uns überhaupt darauf einlassen. Viele wollen ihr Kommunikationsverhalten durch Techniken optimieren, ohne sich darauf zu besinnen, dass es ein ganz „normales“ Gesprächsverhalten gibt, das wir alle beherrschen, nur eben nicht nutzen.

Smalltalk kann man lernen.

Smalltalk kann man lernen.

Foto: BananaStock / Thinkstock

Gleich vorab, um überhaupt in Smalltalk mit einem Menschen einzusteigen, brauchen wir vor allem eines, Interesse am Gegenüber. Niemand hat wirklich Spaß daran, sich unsere Monologe über unsere Erfolge oder – noch schlimmer – über unsere Krankheiten anzuhören. Alle Menschen wissen es aber sehr zu schätzen, wenn ihr Gesprächspartner echtes Interesse an ihnen zeigt. Interesse an anderen führt nicht nur zu guten Gefühlen, zu kleinen Momenten der Nähe, sondern es erweitert auch den Horizont, selbst dann, wenn es nicht der weitgereiste Manager ist, der schon alles von der Welt gesehen hat und über sein Bungee-Jumping von der Bloukrans Brücke in Kapstadt berichtet. Und nicht vergessen – Ingenieuren kann der Smalltalk auch als großer Karrierefaktor dienen.

Ich hatte neulich einen Smalltalk mit einem jungen Mann, der schon seit zehn Jahren auf der Straße lebt, sich seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs verdient und das Angebot seiner wohlhabenden Tante, ihm nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch genügend Geld in der Tasche zu ermöglichen, konsequent ablehnt. Ohne seine Weltanschauung zu teilen, fand ich doch seine „Straßen“-Geschichten hochinteressant, weil sie so weit weg von meiner eigenen Welt sind und ich das, was der junge Mann erlebt, wahrscheinlich nie erleben werde. Bei anderer Gelegenheit habe ich mich im Freibad mit einer Frau mit einem Gendefekt – Trisomie 21 – unterhalten.

Smalltalk auch ohne berufliches Interesse beginnen

Dieser Smalltalk hat meinen Horizont nicht wirklich erweitert, aber ich fand es gut, dass ich mich getraut habe, sie anzusprechen und mit ihr zu reden, wie mit jedem anderen Menschen auch, selbst wenn es nur um das schöne Freibad, die Wassertemperatur und die sommerliche Schwüle ging. Wahrscheinlich hatte sie ein ähnlich gutes Gefühl, weil sich zwei Wasserratten unterhalten haben, und nicht ein Mensch mit und einer ohne Gendefekt.

Jeden Tag begegnen uns so viele Menschen, einige sogar immer wieder. Die Mitreisenden im Zug, der Mann von der Tankstelle, die Frau, die ihnen morgens beim Bäcker ihre Brötchen verkauft. Gerade dann, wenn wir kein berufliches Interesse haben oder von unserem „Paarungstrieb“ gesteuert werden, lässt sich Smalltalk völlig unverkrampft führen. Schauen Sie sich doch einmal um in Ihrem Leben und überlegen Sie:

  • Welcher Mensch ist mir schon so oft begegnet, ohne dass ich ihn je angesprochen habe?
  • Über wen wollte ich immer schon einmal ein bisschen mehr wissen, als das, was der äußere Eindruck vermuten lässt?
  • Bei wem könnte ich durch ein kleines Gespräch die scheinbare Abneigung auf beiden Seiten aufbrechen?
  • Bei wem habe ich es mich bisher einfach nicht getraut, ihn anzusprechen?
  • Wo sind über den Tag verteilt meine Chancen, mit einem wildfremden Menschen zu reden?
  • An wem bin ich bisher achtlos vorbeigegangen?

Auch Smalltalk beginnt mit einer interessierten Frage

Sammeln Sie doch einfach mal Smalltalk, der kein anderes Ziel verfolgt, als einen kleinen Moment der Nähe herzustellen. Gespräche, in denen Sie nicht glänzen müssen, in denen es egal ist, wer Sie sind und wer der andere ist. Die einfachste Möglichkeit, in ein solches Gespräch einzusteigen, ist, dem anderen eine Frage zu stellen. Nun haben wir alle gelernt, dass offene Fragen, also W-Fragen, die besseren Fragen sind, weil sie dem anderen mehr als ein Ja oder Nein entlocken, aber es besteht bei offenen Fragen die Gefahr, dass wir dem Gegenüber zu schnell zu nahe treten.

Es kommt beim Smalltalk darauf an, ihm/ihr mit offenem und freundlichem Gesichtsausdruck zu begegnen, damit er/sie keinen Argwohn hegt. „Seit wann sind Sie denn heute schon auf den Beinen? So lange schon! Wie kommen Sie denn mit dem frühen Aufstehen zurecht? Ja, wahrscheinlich gewöhnt man sich daran. Mir fällt es schwer, umso bewundernswerter, dass Sie um diese Zeit schon so leckere Brötchen zaubern, die mir den Einstieg in einen guten Tag erleichtern! Vielen Dank dafür!“

Smalltalk muss nicht oberflächlich sein

Auch aus einer geschlossenen Frage kann sich aber ein Gespräch entwickeln, das vielleicht sogar über den üblichen Smalltalk hinausgeht. Auf dem Weg zu einem Veranstaltungsort begegnete mir morgens um 8.30 Uhr ein Mann in Anzug und Krawatte, der sich ebenfalls suchend umsah. Ich vermutete, dass er wie ich nach dem richtigen Gebäude suchte und sprach ihn mit der Frage an: „Haben wir vielleicht das gleiche Ziel?“ Er lächelte freundlich und antwortete: „Wenn Sie auch zu der Tagung wollen, im Moment schon. Ob darüber hinaus, das sollten wir im Laufe der Tagung einmal klären.“

Jede Frage, die über das oberflächliche „Geht’s gut?“, hinausgeht, kann eine gute Frage sein, solange Sie vermitteln, dass sie aus echtem, augenblicklichem Interesse gestellt wird. Jede Antwort, die Sie bekommen, ist, wenn Sie wirklich zuhören, eine Möglichkeit, das Gespräch noch einen Moment weiterzuführen, sei es durch eine erneute Frage oder einen kurze Äußerung von Ihnen, an die Sie wiederum eine Frage anhängen. Spannender kann auch Smalltalk verlaufen, wenn Sie einmal überraschende Fragen stellen, die der andere so nicht erwartet hat, wie zum Beispiel:

  • Wie schaffen Sie es, jeden Tag so freundlich zu sein?
  • Ich habe Spaß daran, mir zu überlegen, welcher Name zu einem Menschen passt. Ich habe sie schon so oft
     gesehen. Darf ich einmal raten, wie Sie heißen?
  • Wie kommen Sie denn bei diesen hochsommerlichen Temperaturen durch den Tag?
  • Was wird denn Ihr Highlight des Tages werden?
  • Mir geht das häufige Warten auf dem Bahnsteig ganz gehörig auf die Nerven. Sie wirken immer so gelassen.
     Wie machen Sie das?
  • Sie fahren einen Peugeot. Ich habe mich auch immer mal für dieses Fabrikat interessiert. Sind Sie zufrieden?
  • Ein sehr schöner Vorgarten. Haben Sie so etwas wie einen grünen Daumen?
  • Freuen Sie sich schon auf den Feierabend?

Vorab nicht zuviel über den Smalltalk nachdenken

Nach meinem letzten Artikel schrieb mir ein Leser in einer E-Mail, ich habe ihm aus der Seele gesprochen und fragte mich dann: Wo nehmen Sie eigentlich die Ideen für Ihre Artikel her? Ich fand es beeindruckend, dass sich jemand diese Frage stellte und antwortete: Aus der Beobachtung des Lebens, an dem ich jeden Tag teilnehme. Darüber ergab sich ein bereichernder Smalltalk zwischen zwei Menschen, die sich bis dahin noch gar nicht kannten. Ich wäre nie und nimmer ärgerlich über diese Frage gewesen oder hätte misstrauisch gedacht: Was bezweckt er mit dieser Frage?!

Wir machen uns oft viel zu viele Gedanken darüber, was unser Gegenüber wohl denken mag, wenn wir ihm unverhofft einen Smalltalk starten und lassen uns von der Befürchtung einer negativen Reaktion davon abhalten. Wie schade um die vielen Gespräche, die einen positiven Verlauf nehmen! Und selbst wenn mal jemand dabei ist, der patzig reagiert und anstelle einer passenden Antwort sagt: „Was geht Sie das an?“, braucht uns das nicht zu entmutigen.

Auch negative Reaktionen hinnehmen

Die Menschen, die so auf einfachen Smalltalk reagieren, sind wahrscheinlich so frustriert oder wenigstens so misstrauisch, dass Sie gleich wissen, dass die pampige Antwort überhaupt nichts mit Ihnen zu tun hat. Sie brauchen dann nur zu sagen: „Sie haben Recht, es geht mich nichts an“, und freundlich lächelnd weitergehen. Vergessen Sie den Vorfall und denken Sie an all die Menschen, die sich über ein kleines unverkrampftes Gespräch mit Ihnen freuen.

In der nächsten Folge geht es weiter mit den „einfachen“ Gesprächen und Smalltalk und wie sich noch unverkrampft führen lassen. Am Ende werden wir dann die Details der „jeden-Tag-Gespräche“ zusammensetzen und übertragen auf anspruchsvollere Gesprächssituationen wie ein Bewerbungs- oder Verkaufsgespräch. Bis nächsten Monat verabschiede ich mich mit der Frage an Sie: „Worüber haben Sie sich denn heute schon gefreut?“

Tipp:
Kommunikation: Der Schlüssel zur Karriere

Von Renate Eickenberg - Autorin und Coach

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