Arbeitszeit 28.06.2023, 09:25 Uhr

Die Vier-Tage-Woche: Ein Grund zum Jobwechsel?

Die Vier-Tage-Arbeitswoche als Lösung für eine ausgewogene Work-Life-Balance? Erfahren Sie, welche Vorteile dieses Modell für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bietet. Auch in der Industrie gibt es bereits Diskussionen dazu. Außerdem: Die Vier-Tage-Woche hat sich zu einem bedeutenden Wechselgrund für Fachkräfte entwickelt.

Vier-Tage-Woche

Die Vier-Tage-Woche: Was steckt hinter diesem Konzept?

Foto: PantherMedia / steheap (YAYMicro)

Die Vier-Tage-Woche hat sich für zahlreiche Fachkräfte als entscheidender Anreiz für einen Jobwechsel etabliert. Das zeigte der aktuelle Jobwechsel-Kompass, der vierteljährlich von der Königsteiner Gruppe in Zusammenarbeit mit der Online-Jobbörse stellenanzeigen.de durchgeführt wird. Laut der Umfrage suchen 42 Prozent der befragten Personen, die offen für einen Jobwechsel sind, gezielt nach Arbeitgebern, die eine Vier-Tage-Woche anbieten. Beeindruckende 81 Prozent der Wechselwilligen möchten generell gerne in diesem viel diskutierten Arbeitszeitmodell arbeiten.
Außerdem: Mehr als drei Viertel der wechselwilligen Kandidat*innen (77 Prozent) finden Arbeitgeber, die in ihren Stellenanzeigen oder auf ihren Karrierewebseiten eine Vier-Tage-Woche anbieten, attraktiver als andere Unternehmen.

Verschärft die Vier-Tage-Woche das Problem des Fachkräftemangels?

„Derartige Ansprüche an die Arbeitswelt durch wechselwillige Arbeitnehmer*innen sind allerdings nur deshalb möglich, weil wir mehr freie Stellen als Kandidat*innen haben. Dieses Problem kann sich durch Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche aber noch einmal verschärfen, da so noch mehr Mitarbeiter*innen für die gleiche Menge Arbeit benötigt werden. Eine mögliche Folge sind steigende unternehmerische Kosten, die das Wachstum hemmen, die Preise für die Konsumenten erhöhen und den Spielraum für sonstige Mitarbeiter-Benefits einengen. Die Auseinandersetzung mit derartigen Konsequenzen sollte unbedingt erfolgen, bevor Arbeitgeber reflexartig auf die Vier-Tage-Woche umstellen“, kommentierte Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe, Ergebnisse dieser Umfrage. Für diese Untersuchung wurden insgesamt 1.075 Beschäftigte bundesweit vom Marktforschungsunternehmen bilendi befragt.

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Kann die Vier-Tage-Woche funktionieren?

Vier-Tage-Woche – es hört sich schon an wie Ferien: drei Tage hintereinander frei zu haben – davon träumen viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Leider fallen die Feiertage nur selten auf einen Freitag oder Montag. Allerdings werden die Diskussionen über die Vier-Tage-Woche auf Dauerbasis immer lauter. Viele Beschäftigte begrüßen die Idee einer Vier-Tage-Woche, da sie sich mehr Flexibilität und kürzere Arbeitszeiten wünschen. Jetzt kamen auch Forderungen aus der Industrie dazu, diese Arbeitszeitverkürzung einzuführen.

In der bevorstehenden Tarifrunde strebt Knut Giesler, der Verhandlungsführer der IG Metall in der nordwestdeutschen Stahlindustrie, an, die Einführung einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich zu fordern. „Wir wollen eine echte Entlastung für die Beschäftigten erreichen, ohne dass sie deshalb weniger verdienen“, zitiert die dpa seine Worte in Bezug auf die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Das wäre großer Fortschritt für die Lebensqualität und die Gesundheit der Beschäftigten. Doch wie funktioniert so eine Vier-Tage-Woche?

Wie bereits erwähnt, hat die Idee einer Vier-Tage-Arbeitswoche, bei der Arbeitnehmer statt fünf Tagen in der Woche nur noch vier Tage arbeiten, in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Vorteile der Vier-Tage-Woche

Befürworter einer Vier-Tage-Arbeitswoche verweisen auf Studien, die zeigen, dass eine verkürzte Arbeitswoche dazu beitragen kann, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern. Da Arbeitnehmer mehr Zeit haben, um sich zu erholen und ihre Freizeit zu genießen, können sie Stress abbauen und ihr persönliches Leben besser mit ihrem Beruf vereinbaren. Zudem haben viele Arbeitnehmer ein höheres Engagement und eine höhere Motivation, wenn sie wissen, dass sie weniger Tage arbeiten müssen.

Darüber hinaus könnte eine Vier-Tage-Arbeitswoche dazu beitragen, die Produktivität zu steigern. Viele Arbeitgeber berichten, dass Mitarbeiter an den verbleibenden vier Tagen effektiver arbeiten und sich besser konzentrieren können, da sie weniger abgelenkt sind und sich auf ihre Aufgaben fokussieren können. Zudem können Arbeitnehmer, die eine längere Wochenendpause haben, mehr Zeit für ihre Familien und Freunde haben, was wiederum zu einem höheren Wohlbefinden führt.

Ein weiteres Argument für eine Vier-Tage-Arbeitswoche ist, dass sie dazu beitragen könnte, die Umweltbelastung zu reduzieren. Weniger Arbeitszeit bedeutet auch weniger Pendelverkehr und somit weniger Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen. Zudem könnten Arbeitgeber, die eine verkürzte Arbeitswoche anbieten, ihre Mitarbeiter ermutigen, alternative Verkehrsmittel wie Fahrräder oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um zur Arbeit zu kommen.

Nachteile der Vier-Tage-Woche

Gegner einer Vier-Tage-Arbeitswoche argumentieren damit, dass eine verkürzte Arbeitswoche zu einer Reduzierung des Einkommens führen könnte, was für viele Arbeitnehmer ein Problem darstellen würde. Wenn Arbeitnehmer nur noch vier Tage pro Woche arbeiten, erhalten sie in der Regel auch nur 80 Prozent des Gehalts, das sie bei einer Fünf-Tage-Woche erhalten würden. Für viele Arbeitnehmer könnte dies bedeuten, dass sie nicht genug verdienen, um ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.

Darüber hinaus könnte eine Vier-Tage-Arbeitswoche nicht nur das Sozialsystem gefährden, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland negativ beeinflussen. Weniger Arbeitszeit würde zwangsläufig zu einer geringeren Produktion und personellen Kapazität führen. Dies könnte letztendlich zu einer Abnahme der Innovationskraft führen, was für die deutsche Wirtschaft beängstigend wäre.

Ein weiteres Argument gegen eine Vier-Tage-Arbeitswoche ist, dass sie möglicherweise nicht für alle Branchen oder Unternehmen geeignet ist. In einigen Branchen, wie beispielsweise in der Gesundheitsversorgung oder der öffentlichen Sicherheit, ist es notwendig, dass Mitarbeiter rund um die Uhr arbeiten. Eine verkürzte Arbeitswoche könnte hierbei zu Schwierigkeiten führen.

Vier-Tage-Woche in der Praxis

Es kommt immer häufiger vor, dass Stellenanzeigen die Möglichkeit einer Vier-Tage-Woche erwähnen. Eine Studie in Großbritannien hat kürzlich gezeigt, dass die Arbeitszeitverkürzung bei einigen Unternehmen bereits umgesetzt wurde und erstaunlich gut funktioniert. Das Pilotprojekt, an dem mehrere Tausend Arbeitnehmer teilnahmen, bestätigte nach einer sechsmonatigen Testphase, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmen das Konzept beibehalten möchten. 56 von 61 Arbeitgebern planten sogar die dauerhafte Einführung der Vier-Tage-Woche. Die beteiligten Unternehmen stammten aus verschiedenen Branchen wie Finanzen, IT, Bau, Gastronomie und Gesundheitswesen, darunter auch Unternehmen mit Schichtbetrieb. Es ist aber zu beachten, dass die Studienergebnisse auf freiwillig teilnehmenden Unternehmen basieren und keine zufällige Auswahl stattgefunden hat.

Verdichtung der Arbeit in einem Betrieb kaum möglich

Doch zurück zu der Industrie. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann erklärte, dass die Forderung nach einer Vier-Tage-Woche grundsätzlich Auswirkungen über die Stahlbranche hinaus hat. Allerdings sind in diesem Jahr mit Ausnahme der Kfz-Branche keine größeren Tarifrunden der IG Metall geplant.

Obwohl in der Metallindustrie bereits seit Jahrzehnten eine 35-Stunden-Woche gilt, lehnen Arbeitgeber eine weitere Verkürzung ab. Gerhard Erdmann, vom geschäftsführenden Vorstand des Arbeitgeberverbands Stahl sagte, dass die Forderung völlig ungeeignet sei.

Unternehmen haben bereits Schwierigkeiten aufgrund der gestiegenen Energiekosten sowie des russischen Angriffs auf die Ukraine und müssten die Kosten für den Wandel der Branche bewältigen. Eine weitere Verdichtung der Arbeit in einem Betrieb mit Dreischichtbetrieb sei kaum möglich. Eine Vier-Tage-Woche würde daher für Unternehmen zusätzliche Kosten bedeuten, da sie mehr Personal benötigen würden, um die zusätzlichen freien Tage auszugleichen.

Im „war for talents“ durch Vier-Tage-Woche neue Wege suchen

Der „War for Talents“ stellt eine Herausforderung für Unternehmen dar, die qualifizierte Mitarbeiter anziehen und halten möchten. Eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben und ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, ist die Einführung einer Vier-Tage-Woche. Dieses Modell bietet den Mitarbeitern mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitswoche und ermöglicht es ihnen, ihre Arbeit besser mit ihrem Privatleben zu vereinbaren. Mitarbeiter, die eine ausgewogene Work-Life-Balance schätzen, werden dieses Modell sicherlich begrüßen und es als positiven Aspekt bei der Wahl ihres Arbeitgebers berücksichtigen. Unternehmen, die eine Vier-Tage-Woche einführen, können auch von höherer Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung profitieren, was wiederum zu einer höheren Produktivität und Rentabilität führen kann.

Vier-Tage-Woche im Öffentlichen Dienst

Und es gibt schon ein Beispiel aus der Praxis. Um für Mitarbeiter und Bewerber attraktiv zu bleiben, stellt sich für Verwaltungen die Frage, wie sie dies erreichen können. Die Stadt Wedel im Kreis Pinneberg geht nun neue Wege und bietet als erste Kommune in Deutschland eine Vier-Tage-Woche an. Dadurch erhofft sich die Stadt, für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiver zu werden und sie langfristig zu halten. „Man braucht es nicht schön zu reden: Der öffentliche Dienst zahlt nicht so gut, wie die freie Wirtschaft. Wir müssen an anderen Stellen punkten“, erklärte Jörg Amelung, Fachbereichsleiter Innerer Service gegenüber den Medien dieses Vorhaben. „Wir wollen zeigen, dass wir modern sind und neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen und dass wir hier alles machen, was irgendwie möglich ist, damit wir zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.“

Für Bayerische Wirtschaft ist Vier-Tage-Woche grundsätzlich möglich

Die vbw, die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, hält eine Vier-Tage-Woche grundsätzlich für umsetzbar. Allerdings warnte sie kürzlich davor, die Arbeitszeit zu verkürzen. Stattdessen forderte der Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt Lockerungen bei der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden pro Tag.

Laut dem Hauptgeschäftsführer der vbw, Bertram Brossardt, muss differenziert werden, wenn es um die Vier-Tage-Woche geht. Eine Umverteilung der vorhandenen Arbeitszeit von fünf auf vier Tage pro Woche ist bereits umsetzbar, jedoch führt eine gleichzeitige Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um ein Fünftel grundsätzlich zu einem verschärften Fachkräftemangel. Zudem wäre eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn aufgrund des deutlichen Anstiegs der Arbeitskosten nicht akzeptabel.

Ein Ausgleich durch höhere Produktivität wäre möglich, wenn bestimmte Arbeitgeber dies aufgrund ihrer betrieblichen Bedingungen umsetzen können. Ein allgemeingültiges Modell für alle Arbeitgeber sei aber nicht praktikabel.

Was hat das Parkinson’sche Gesetz mit der Vier-Tage-Woche zu tun?

Tausende Stunden unnötige Meetings, Millionen überflüssige Emails, unklare Prioritäten und Zielvorgaben – das könnte einigen bekannt vorkommen. Bei einer Vier-Tage Arbeitswoche könnte man einiges vermeiden. Das Parkinson’sche Gesetz besagt, dass Arbeit sich so ausdehnt, wie es den vorhandenen Zeitrahmen zur Verfügung steht. Mit anderen Worten: Wenn man mehr Zeit für eine Aufgabe hat, wird man wahrscheinlich auch mehr Zeit dafür verwenden, selbst wenn die Aufgabe in kürzerer Zeit erledigt werden könnte.

Mit anderen Worten: Wenn man seine Arbeitswoche auf vier Tage verkürzt, kann dies dazu führen, dass man sich besser auf die wesentlichen Aufgaben konzentriert und effizienter arbeitet. Da die verfügbare Zeit reduziert ist, kann man gezwungen sein, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist, und unnötige Zeitverschwendung zu vermeiden. Eine Vier-Tage-Woche kann also nicht nur zu einer besseren Work-Life-Balance führen, sondern auch dazu beitragen, dass man effektiver arbeitet.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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