Einfach loslegen! 29.08.2017, 00:00 Uhr

Nicht auf den „richtigen Zeitpunkt“ warten

Vielen Menschen schieben Dinge vor sich her und warten auf den richtigen Zeitpunkt. Aber: Wir sollten Dinge nicht erst dann tun, wenn wir es müssen oder weil uns die Umstände dazu zwingen, sondern dann, wenn wir es wollen. Dann ist auch der richtige Zeitpunkt da.

Richtiger Zeitpunkt: Nicht aufschieben.

Richtiger Zeitpunkt: Nicht aufschieben.

Foto: iStock / Thinkstock

Es ist Juni und viele von uns warten schon sehnsüchtig auf den Sommerurlaub, weil es die letzten freien Tage zur Jahreswende gab und sich nun bereits wieder erste kleine Erschöpfungsanzeichen bemerkbar machen. Um diesen vermeintlich richtigen Zeitpunkt gut zu erreichen, warten wir halt auf die Wochenenden, die Feiertage. Aber das ist natürlich nicht alles, worauf wir warten: Wir warten darauf, das Projekt abschließen zu können, wir warten darauf, dass sich die schulischen Leistungen der Kinder wieder verbessern, wir warten darauf, dass die Probleme endlich weniger werden.

Ich ertappe mich selbst oft dabei, dass ich gerade wieder auf irgendetwas warte, dass ich jetzt nicht handle, weil ich auf den richtigen Zeitpunkt warte. Dieses Phänomen habe ich schon bei meinem Vater beobachtet, der als Fabrikant nicht nur in der Woche, sondern meist auch am Wochenende gearbeitet hat und dessen einziges Vergnügen darin bestand (sieht man von uns Kindern einmal ab, von denen ich nicht ganz sicher bin, ob sie immer das pure Vergnügen für ihn waren), freitagabends mit Freunden Skat zu spielen und bei dem einen oder anderen Bierchen den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.

Den richtigen Zeitpunkt finden

Urlaub? Ein Fremdwort für ihn. Wenn wir einmal den Wunsch äußerten, dieses oder jenes zu unternehmen, sagte er: „Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, jetzt haben wir viel zu tun und darauf müssen wir reagieren, aber später haben wir dann so viel Geld, dass wir die tollsten Urlaube machen können!“ Wir haben ihm geglaubt und mit ihm auf dieses „Später“ gewartet. Er hat uns Kinder enttäuscht, denn das „Später“ kam nicht, mit 47 war er tot.

Daran erinnere ich mich immer dann, wenn ich gerade mal wieder Dinge verschieben will, mir einrede, den richtigen Zeitpunkt noch nicht erreicht zu haben. Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts hat etwas gesagt, das uns nachdenklich machen sollte: „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorbei, in der man kann.“ Aber wann ist er da, der „richtige Zeitpunkt“?

Ein starker Wunsch kann den richtigen Zeitpunkt aufzeigen

Lasse ich einmal alle „vernünftigen“, durch den Verstand kontrollierten Überlegungen außer Acht, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, wenn eine Idee in mir aufsteigt, sich als ganz starker Wunsch in mir ausbreitet, mir eine Gänsehaut beschert, weil sich dieser Gedanke so gut und so richtig anfühlt, dass ich mich wundere, warum er mir jetzt erst kommt. Wenn ich das Gefühl habe, nichts so sehr zu wollen wie genau das, was mich da buchstäblich überrollt in einer nie gekannten Intensität. Wenn es uns dann noch gelänge, unserer Intuition zu vertrauen, dann hätten wir kein Problem damit, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen.

In der Realität ist es aber meist anders: Den richtigen Zeitpunkt erreichen Menschen meist dann, wenn

  • sie immer weniger Energie haben,
  • das Leben ihnen keine Freude (mehr) macht,
  • etwas Entscheidendes passiert, das ihnen klar macht, dass sie etwas ändern müssen: eine Erkrankung oder ein massives Störsignal des Körpers, ein einschneidendes Erlebnis am Arbeitsplatz, der Tod oder eine schwere Krankheit eines nahestehenden Menschen.

Nicht zu einem vermeintlich richtigen Zeitpunkt zwingen lassen

Der richtige Zeitpunkt ist für uns also nicht dann gegeben, wenn wir unbedingt etwas tun möchten, sondern dann, wenn wir etwas tun müssen, weil wir sonst unsere körperliche und/oder geistige Gesundheit gefährden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Titanic-Effekt“. Wir spüren schon seit Längerem, dass uns eine Situation nicht gut tut, aber wir vertrauen nicht unserem Gefühl, sondern dem Verstand, der uns eine ganze Reihe von Gründen nennt, warum dieser schlechte, aber sehr vertraute Zustand besser ist als etwas Neues.

Unser Gehirn führt uns bei der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt manchmal auf einen völlig falschen Weg, und da sind wir bei der Titanic: Viele Passagiere und Mitglieder der Crew hatten die Situation komplett falsch eingeschätzt und geglaubt, dass es sicherer sei, auf dem sinkenden Schiff zu bleiben als in die wackligen Rettungsboote umzusteigen.

Ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt bekommen

Beim Lesen dieses Artikels werden Sie wahrscheinlich auch denken: Ja, die erste Variante, das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, ist die bessere, aber gleichzeitig werden Sie sich womöglich nicht daran erinnern, wann Sie zum letzten Mal eine Situation erlebt haben, in der Sie ganz intensiv gespürt haben: Das ist etwas, das mich begeistert und mich glücklich macht, wenn ich nur daran denke, dass ich unbedingt tun will und zwar so schnell wie möglich. Solche Sternstunden sind so selten und auch dafür gibt es einen Grund. Unsere Intuition hat gar keinen Raum, uns solche positiven Signale zu schicken, weil uns das Gehirn ja permanent beschäftigt – dummerweise meist mit negativen Dingen, Problemen.

Die vielen täglichen Herausforderungen sorgen nicht nur dafür, dass wir keine Kapazitäten frei haben, eine neue, bessere Zukunft zu ersinnen, sondern sie verhageln uns sogar den Genuss am „richtigen Zeitpunkt“, am positiven Erleben des heutigen Tages. Und damit sind wir wieder beim Thema „Warten“ vom Anfang. Bevor wir nicht all diese Probleme gelöst haben, können wir uns unmöglich etwas Neuem zuwenden. Wenn Sie nicht selbst schon diese Erfahrung gemacht haben, garantiere ich Ihnen: Sie warten umsonst.

Probleme lassen uns den richtigen Zeitpunkt übersehen

Die Probleme hören nicht auf. Sie hören niemals auf solange wir leben, und kaum haben wir eines gelöst, kommt schon wieder ein neues auf uns zu – in regelmäßigen Abständen, wie Wellen, mal größer, mal kleiner. Diese Probleme gehören zu jedem Leben dazu, und es gibt auch noch die Phasen, in denen sie scheinbar geballt auftreten und wir meinen, dass jetzt alles aus dem Ruder läuft und uns völlig überfordert fühlen. Da tritt dann das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt ganz weit in den Hintergrund. Probleme sind deshalb so nervig, weil sie gelöst werden müssen, bevor sie wachsen, weil wir sie – scheinbar – nicht selbst geschaffen haben und durch sie in diesem Moment wenig selbstbestimmt sind.

Am Kommen und Gehen von Problemen werden wir nichts ändern können und wir können auch nicht die Statistik neu schreiben, die deutlich macht, dass bestimmte Phänomene in Anhäufung auftreten, aber wir machen uns das Leben und das Suchen nach dem richtigen Zeitpunkt noch zusätzlich schwer, indem wir:

  • durch das permanente Grübeln über ein Thema das Problem größer machen als es realistisch gesehen ist,
  • über Themen nachdenken, die uns einmal berühren könnten, aber heute noch kein Problem sind,
  • über Dingen brüten, die gar nicht unmittelbar uns selbst betreffen oder die wir nicht selbst beeinflussen oder gar lösen können.

Das Warten auf den richtigen Zeitpunkt aufgeben

Dadurch entsteht ein Gefühl von Hilflosigkeit, das kostbare Tatenergie völlig überlagert. Ich habe mir angewöhnt, mit einem einzigen Satz die Lage zu entschärfen, einem simplen Satz, der aber dazu führt, das ich mich nicht durch die Probleme des Alltags überfordert fühle oder mir den schönen Tag und vielleicht den richtigen Zeitpunkt von heute versaue. Dieser Satz ist für mich zu einem Schlüssel zu mehr Gelassenheit geworden: „Ich erlaube mir, jetzt gerade kein Problem damit zu haben, dass…“

Probieren Sie es doch einmal aus und ergänzen den Satz mit den Themen, die Sie gerade beschäftigen. Sie werden merken, dass Sie sich selbstbestimmter fühlen, manches Belastende zwar nicht verschwunden ist, aber Sie sich immerhin entscheiden, JETZT GERADE kein Problem damit zu haben, sie verlegen nicht die Lösung auf später, sondern das gesamte Problem und das ist der Trick. Sie brauchen also nicht mehr auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, sondern Sie können starten mit dem, was Sie heute tun wollen. Vielleicht schließen Sie sich auch Ernst Ferstl an, der sagt: „Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt?“ Es ist Zeit für Junebugs und Zeit, sich zu fragen: „Welche Zeit gibt mir etwas?“

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