Karrierestrategie 21.11.2016, 01:00 Uhr

Lange Betriebszugehörigkeit: Risiken und Nebenwirkungen

Sicherlich erinnern sich viele Leser noch an das eine oder andere Arbeitsjubiläum im Verwandtenkreis. Da wurde dem Vater für seine 50-jährige Betriebszughörigkeit vor dem Ausscheiden in den Ruhestand die goldene Armbanduhr überreicht oder dem Onkel beim 25-jährigen Dienstjubiläum ein Zusatzurlaub gewährt etc. Unternehmenstreue zahlte sich früher auf verschiedenste Weise aus.

Lange Betriebszugehörigkeit hat auch Risiken.

Lange Betriebszugehörigkeit hat auch Risiken.

Foto: iStock / Thinkstock

Motivation für viele Arbeitnehmer, solange zu bleiben, war die Berechenbarkeit des Arbeitgebers. Wenn das Unternehmen nicht in tiefrote Zahlen rutschte oder der Betreffende es unterließ, die berühmten „goldenen Löffel“ zu stehlen, war der Arbeitsplatz fast genauso sicher wie der bei einer Behörde. Angst um die berufliche Zukunft musste sich so gut wie niemand machen und so war eine lange Betriebszughörigkeit fast ein Selbstläufer.

Insbesondere Großunternehmen boten alle Voraussetzungen für eine lange Betriebszughörigkeit. Heute sieht die Arbeitswelt anders aus. Große Dankbarkeit können Mitarbeiter für eine lange Betriebszugehörigkeit nur in den seltensten Fällen erwarten. Den sicheren Arbeitsplatz als Gegenleistung für hohe Unternehmensloyalität gibt es im Grunde nicht mehr. Was zählt sind nackte Zahlen. Wenn die nicht ins Businesskonzept passen, rollen die Köpfe. Arbeitnehmer werden plötzlich und unvorbereitet überrascht. Häufig wird zu schnell und blauäugig ein vermeintlich attraktiver Aufhebungsvertrag unterschrieben – das böse Erwachen folgt später.

Lange Betriebszugehörigkeit: Viele sind 40Plus oder 50Plus

Nach langer Betriebszugehörigkeit bei einem Unternehmen sind viele Mitarbeiter in die nur bedingt attraktive Altersklasse 40Plus und die unattraktive Altersklasse 50Plus geraten. Von Ingenieurknappheit ist für diese Altersklassen nur in wenigen Ausnahmen die Rede. Lange Verweilzeiten führen zudem häufig zu einer unterdurchschnittlichen Gehaltsentwicklung, was der Arbeitsmarkt gleichfalls nicht als Attraktivitätssignal interpretiert. Zweifel an den Qualifikationen solcher Kandidaten kommen auf.

Arbeiteten die Kandidaten andererseits in Unternehmen oder Branchen, die ihr Personal mit weit überdurchschnittlichen Gehältern und sonstigen Kleinigkeiten verwöhnen, entstehen gleichfalls Zweifel, ob man diese ans Plüschsofa gewöhnten und saturierten Kandidaten nochmals zu Höchstleistungen trotz Gehaltseinbußen motivieren kann?

Die Tuchfühlung zum Arbeitsmarkt geht verloren

Zudem geht bei sehr langer Betriebszugehörigkeit die Tuchfühlung zum Arbeitsmarkt verloren.
Da nie die Notwendigkeit bestand, sich mit dem Arbeitsmarkt auseinanderzusetzen, haben die Betreffenden teilweise völlig unrealistische Vorstellungen über die eigene Attraktivität am Arbeitsmarkt. Gern erinnert man sich an den schnellen Bewerbungserfolg, als man vor langer Zeit den jetzigen Arbeitgeber fand und überträgt diese Erfahrungen in die Gegenwart. Die Folge ist ein sehr selektives Vorgehen am Arbeitsmarkt.

Da glaubt ein Mitarbeiter aus dem technischen Marketing eines Großkonzerns und Weltmarktführers aufgrund seiner Qualifikationen auch besonders interessant zu sein für andere Arbeitgeber. Entsprechend wählerisch und mit einem Hauch von Arroganz tritt er auf. Schnell kommt es zur Ernüchterung, was nicht verwundert bei seiner langen Betriebszugehörigkeit.

Mehr als 10 Jahre Betriebszugehörigkeit wirken statisch

Eine lange Betriebszugehörigkeit von über zehn Jahren in der letzten Position am gleichen Standort des Unternehmens wirkt erschreckend statisch. Daraus resultiert ein hoher Spezialisierungsgrad und in gewisser Weise eine negative Form von Routine. Kurzum, es gibt viele Fragezeichen was Flexibilität, Lernfähigkeit und Mobilität dieses Kandidaten betrifft.

Auch die Tatsache, dass sich solche Ingenieure in Folge ihrer langen Betriebszugehörigkeit schon lange nicht mehr in neue Aufgabenumfelder und Unternehmen einarbeiten mussten, führt zu einem hohen Einstellungsrisiko. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Probezeit scheitern, gilt als nicht unerheblich. Was schafft Abhilfe? Lange Verweilzeiten, die oben ausgeführte Klischees provozieren, sollten vermieden werden. Wer länger als fünf Jahre bei einem Arbeitgeber bleibt, sollte sich hin und wieder fragen, warum er das tut.

Ist die lange Betriebszugehörigkeit ein Folge von Bequemlichkeit, kann es später gefährlich werden. Werden dagegen bei dem gleichen Arbeitgeber immer wieder neue berufliche Herausforderungen angenommen, sieht das Ganze im Lebenslauf anders aus. Wer nach langer Frist wieder auf Jobsuche ist, sollte sich umfangreich und aus verschiedenen Quellen über den aktuellen Arbeitsmarkt, seinen Marktwert, die üblichen Bewerbungswege etc. informieren und danach eine systematisch geplante Bewerbungsaktion am Arbeitsmarkt vortragen.

Tipp:
Der verdeckte Stellenmarkt: Expertentipps zur Jobsuche 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach Tags:

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