Bewerbung 22.06.2016, 00:00 Uhr

Ihre Bewerbung als Ingenieurspezialist

Ingenieure entwickeln sich schnell zu Spezialisten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bei einigen Ingenieuren wird der Grundstein schon mit der Entscheidung für ein Studienfach gelegt. Wer sich beispielsweise für ein Studium der Automobiltechnik, des Entsorgungsingenieurwesens, der Kunststofftechnik oder der Biotechnologie entscheidet, landet nachher meistens in der passenden Branche.

Auf Erfahrungen und Berührungspunkte hinweisen. 

Auf Erfahrungen und Berührungspunkte hinweisen. 

Foto: panthermedia.net/AndreyPopov

Viele Ingenieure zeigen auch nach dem Berufseinstieg eine große Treue zu bestimmten Branchenprofilen, was sicherlich stark mit der Art der beruflichen Aufgaben und Projekte der jeweiligen Branche in Verbindung steht. Die Ausübung bestimmter spezialisierter Fachpositionen z.B. in Forschung, Entwicklung, Konstruktion setzt nun mal gewisse einschlägige, meist mehrjährige Erfahrungen in einer Branche voraus. Dies kann genauso auf Führungspositionen zutreffen.

Vorteile im Anschreiben herausarbeiten

Branchenexpertise ist das Pfund, mit denen der Ingenieurspezialist bei Bewerbungen wuchern kann. Diese gilt es entsprechend in Anschreiben und Lebenslauf zu exponieren. Im Anschreiben sollten insbesondere Vorteile aufgegriffen werden, die  das Engagement des Brancheninsiders (gegenüber dem „Quereinsteiger“) dem Unternehmen bringt. Dazu gehören die schnelle Einsetzbarkeit aufgrund (fast) sofortiger Abrufbarkeit der geforderten Arbeitsleistung und die damit verbundene kurze Einarbeitungszeit. Der Insider kann eben wesentlich schneller für einen neuen Arbeitgeber produktiv und rentabel sein.

Einschlägige Berührungspunkte unterstreichen

Aber auch Kenntnisse in speziellen Verfahren und Methoden, die in den einzelnen Funktionsbereichen der Branche eingesetzt werden, sollten hervorgehoben werden. Bewirbt sich ein Projektleiter für die Hardware-/Softwareentwicklung in der Fahrzeugindustrie kann es nicht verkehrt sein, die sehr guten Anwenderkenntnisse, z.B. in einer Software für das Anforderungsmanagement, oder die Kenntnisse der Fahrwerkselektronik- und Fahrwerksregelsysteme zu erwähnen. Natürlich müssen die genannten Schlüsselqualifikationen immer zu dem Unternehmen und/oder der speziellen Position passen. Wichtig für das umworbene Unternehmen könnten zudem die bestehenden Kunden- und Lieferkontakte sein, die der Kandidat mitbringt oder die hohe Affinität des Bewerbers zu den Produkten, Applikationen, Technologien, Dienstleistungen. Dass der Ingenieur das besondere wirtschaftliche oder rechtliche Branchenumfeld bestens kennt, in dem sich das umworbene Unternehmen bewegt, könnte genauso beiläufig erwähnt werden, wie die Tatsache, dass es bei vergangenen/laufenden Projekten schon Berührungen mit der Mannschaft des Unternehmens gab.

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Im Lebenslauf mit Erfahrungen punkten

In allen Abschnitten des Lebenslaufes bietet sich Raum, branchenspezifische Projekte, Aufgaben und gefragte Schlüsselqualifikationen aufzuzeigen. Wer von einem der bekannten Großunternehmen der Branche aus wechseln möchte, hat den Vorteil, dass schon allein der Name des Unternehmens Ausweis genug für eine bestimmte Branche ist. Ingenieure, die bei eher unbekannteren Arbeitgebern tätig sind, sollten im Anschreiben und im Lebenslauf jeweils die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Branche augenfällig betonen. So könnte etwa ein Projektingenieur, der sich der Branche der erneuerbaren Energien verschrieben hat, in seinem Lebenslauf bzw. Anschreiben dokumentieren: „Unternehmen Klein GmbH, ein Unternehmen der Branche EEG-Anlagen“. Insbesondere sollte die Darstellung von Aufgaben und Projekten zu den einzelnen Lebenslaufstationen dazu dienen, klar die Branchenzugehörigkeit und einschlägige Erfahrung hervorzuheben. So sollte etwa ein Betriebsingenieur, der sich in der Branche Grundchemikalien bewegt, nicht nur dokumentieren: „Verantwortlich für ein große Produktionsanlage“, sondern besser: „Verantwortlich für eine große Produktionsanlage für Grundchemikalien (Destillationsanlage)“. Im Lebenslaufabschnitt der Zusatzqualifikationen können Branchenspezialisten weitere Pluspunkte durch passende und aktuelle Weiterbildungen sammeln etwa auf dem Gebiet der Niederspannungs- oder Mittelspannungsanlagen, der Dampf- und Kondensattechnik, der Schweißtechnik usw.

Spezielle Listung von Projekten

Als Anhang oder Bestandteil des Lebenslaufes kann eine spezielle Projekt-/Aufgabenliste erstellt werden. Sie könnte die entscheidenden Projekte zeigen, an denen der Ingenieur in der Vergangenheit bei Arbeitgebern mitwirkte. Die Kunst bei der Erstellung der Liste besteht darin, im Grunde „öffentliche Informationen“ festzuhalten aber Betriebsgeheimnisse und interne Projektdetails zurückzuhalten. So kann ein Bauingenieur, der sich für Großprojekte im Anlagenbau bewirbt, in dieser Liste u.a. das Projekt „Fertilizer Nigeria“ über 12 Monate aufnehmen und seine ausgeübten Aufgaben erwähnen wie „Feasibility Studies“, „Qualification of Bidders“, „Generation of Technical and Commercial Packages for Civil & Structural Works to Investor and Contractors“, „Cost Estimation“ usw. Zu weit ginge es, wenn konkrete Zahlen zu Budgets, Deckungsbeiträgen oder gar Gewinnen genannt würden. Auch die Erwähnung technologischer Details, strategischer Überlegungen usw. kann kritisch sein.

Vor- und Nachteile der Bewerbung des Branchenspezialisten

Fazit: Branchenspezialisten haben bei Bewerbungen viele Vorteile – zumindest dann, wenn sie in ihrer Branche bleiben wollen. Die Intimität bestimmter Branchen gibt allerdings Anlass zur Vorsicht. Dort besteht ein reger Informationsaustausch und es besteht die Gefahr, dass der eigene Arbeitgeber früher von einem Stellenwechsel erfährt, als dies dem Kandidaten lieb ist. Hier scheint es ratsam, vor einer offiziellen Bewerbung bestehende Kontakte zu nutzen oder telefonisch und unverbindlich den konkreten Personalbedarf abzufragen. Möglicherweise wird bei einer schriftlichen Bewerbung der Name des Arbeitgebers anonymisiert.

Tipp:
Muster-Lebenslauf für Ingenieure

 

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