Studie "So arbeitet Deutschland"

Diskriminierung von Ingenieurinnen im Job – und für manche Frauen ist das okay

Mehr als die Hälfte der Ingenieurinnen (58 %) in Deutschland wurde im Job schon diskriminiert. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle „So arbeitet Deutschland-Studie“ von SThree. Eine Aussage der befragten Frauen ist erschreckend.

Frau steht hinter Mann

Ingenieurinnen werden laut einer Studie immer noch häufiger im Job benachteiligt als ihre männlichen Kollegen.

Foto: panthermedia.net/AndrewLozovyi

Diskriminierung kann auf vielen Ebenen stattfinden und betrifft nicht nur die geschlechterspezifische Behandlung. Im Ingenieurwesen wird die Frage der Gleichberechtigung aber immer wieder diskutiert, denn in MINT-Berufen arbeiten in der Regel mehr Männer als Frauen. Eine aktuelle Studie der Personalberatung Sthree befasst sich mit der Frage „Wie arbeitet Deutschland?“. Im Fokus steht das Ingenieurwesen. Ein zentrales Ergebnis: Weibliche Fachkräfte und Freelancer aus dem Ingenieurwesen bekommen den Gender Pay Gap zu spüren, doch trifft dieser Umstand bei zwei von zehn Befragten auf Verständnis. Einige der Befragten sind somit der Auffassung, dass es berechtigt ist, dass sie weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen.

18 % der Frauen finden eine geschlechterspezifische Behandlung in Ordnung

Mehr als die Hälfte der Ingenieurinnen (58 %) in Deutschland wurde im Job schon diskriminiert – besonders diese Zahl regt zum Nachdenken an: 18 % der Frauen finden eine geschlechterspezifische Behandlung in Ordnung. Mit „Ja“ antworteten 18,1 % der Ingenieurinnen auf die Frage: „Finden Sie es gerechtfertigt wenn man aufgrund seines Geschlechts im Job anders behandelt wird?“ Wie kommt das? Und vor allem, wie begründet das dieser Teil der Studienteilnehmerinnen? Zum einen damit, dass Frauen und Männer unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Dass dem Rechnung getragen werden soll, hat ein nicht geringer Anteil der Befragten angekreuzt. (91,7 % der befragten Ingenieurinnen, die pro differenzierte Behandlung sind)
Als weiteren Punkt werden klassische Rollenbilder genannt. Dass diese einen wahren Kern haben, sehen 50,1 % der befragten Ingenieurinnen so, die pro differenzierte Behandlung sind.

Management ist gefordert, um Diskriminierung zu stoppen

Damit Diskriminierung im Job weniger vorkommt,  ist laut 76 % der Befragten aus dem Ingenieurwesen vor allem das Management gefragt.

„Es ist aber nicht nur dringend notwendig, dass Frauen für Gleichberechtigung einstehen und ihre männlichen Kollegen sie hierbei aktiv unterstützen – auch die Chefs sind gefragt. Gleichberechtigung muss von oben vorgelebt werden, das heißt auch von der Führungsebene aktiv umgesetzt werden“, so Timo Lehne, Geschäftsführer von Sthree.

Dieser Aussage stimmen 76 % der Befragten aus dem Ingenieurwesen zu und fordern, dass Impulse für mehr Gleichberechtigung im Job von der Managementebene kommen.

Zu den Top 3-Maßnahmen für mehr Chancengleichheit zählen:

  1. objektive Leistungsbewertungen (67 %)
  2. Unternehmenskultur, die Chancengleichheit fördert (58 %)
  3. flexible Arbeitstaggestaltung (52 %)

Vor allem Punkt 3 ist wichtig für Mütter und Väter oder Alleinerziehende.

87 % finden, dass Männer und Frauen im Job gleichbehandelt werden sollten

87 % der Befragten aus der Ingenieur-Branche sprechen sich dafür aus, dass Männer und Frauen im Job gleichbehandelt werden. Ein wünschenswerter Anspruch, dem die Realität jedoch nicht standhält, so die Personalberater. Dabei wirkt sich die Diskriminierung maßgeblich auf das (Arbeits-)Leben der Frauen aus, auf Benachteiligungen in Sachen Gehalt (39 %), bei der Verteilung von Aufgaben und Projekten (32 %) sowie bei der Beförderung auf Führungspositionen (22 %).

Infografik: So arbeitet Deutschland.

Infografik: So arbeitet Deutschland.

Foto: SThree

 

„Die Ergebnisse machen eines klar: Für viele Mitarbeiterinnen und Freelancerinnen aus dem Engineering-Bereich scheint Diskriminierung im Job an der Tagesordnung zu stehen – und damit von so mancher schon regelrecht akzeptiert worden zu sein“, sagt Lehne.

Diversity: Kulturelle Vielfalt ist wichtig für Teams

Diversity bedeutet mehr als nur (m/w/d) in Stellenausschreibungen. Wie Ingenieure und Ingenieurinnen im Unternehmen von kultureller Vielfalt profitieren können, erfahren Sie im Podcast „Technik aufs Ohr“. In dieser Folge sprechen wir mit Maria Prahl, Diversity Managerin. Sie ist Gründerin von Working Between Cultures und seit 2004 als Trainerin an Hochschulen, in Stiftungen und in Unternehmen tätig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit und Kommunikation in heterogenen Teams.

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Folgen des Fachkräftemangels spürbar

Ob Bau-, Anlagen- und Maschinenbau- oder Automobilbranche: Ingenieure fehlen in allen Branchen. Parallel sorgt aber auch die Corona-Pandemie für einen Einstellungsstopp in vielen Unternehmen. Kurzarbeit und drohende Entlassungen sind eher an der Tagesordnung. Wie Sie einem Arbeitsplatzverlust entgegenwirken können, haben wir hier beschrieben. 

Dass Corona den Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen zum Wanken bringt, hat der Verein Deutscher Ingenieure auch in seinem VDI-/IW-Ingenieurmonitor beschrieben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (ab April 2020) ist die Arbeitskräftenachfrage im Ingenieurbereich um 23,7 % gesunken.

Der Fachkräftemangel im Ingenieurwesen hat laut der Personalberatung im MINT-Bereich massive Auswirkungen: Fehlendes Wissen (49 %), verminderte Arbeitsqualität (44 %) und ein schlechteres Betriebsklima (42 %) sehen die Befragten als Auswirkungen dieses Umstands. Als gewünschte Lösungsansätze gegen den Fachkräftemangel in der Engineering-Branche werden die Integration von Quereinsteigern (39 %) und Fachkräften aus dem Ausland (38 %) sowie ein attraktiveres Studienangebot (34 %) gesehen.

„Zwar verändern sich durch die Corona-Pandemie die Verhältnisse gerade von einem bis dahin stark Bewerber-zentrierten Markt zugunsten der Arbeitgeber, sodass Arbeit- und Auftraggeber aktuell eine größere Auswahl an hochqualifizierten Mitarbeitern und Freelancern aus dem MINT-Bereich haben, den es so vor der Pandemie nicht gab. Fraglich ist hingegen, ob dieses Verhältnis langfristig aufrechterhalten werden kann, da bereits vor der Pandemie ein immenser Teil an MINT-Experten fehlte“, erläutert Timo Lehne.

IT-Expertise: Fachkräfte sehen sich mit Herausforderungen konfrontiert

Die Auswirkungen der Pandemie sind nicht alles: Zugleich spüren die Fachkräfte im Ingenieurwesen, dass ihre Arbeitswelt immer herausfordernder wird – sei es durch immer kürzere Produktlebenszyklen, steigenden Innovationsdruck oder digitalisierte Prozesse. Dies bestätigen auch die Studienergebnisse von Sthree: 42 % der Befragten sehen eine zunehmende Geschwindigkeit und 34 % eine steigende Komplexität sowie mehr notwendige IT-Expertise als größte Herausforderung in ihrem Arbeitsumfeld.

Über die Studie

Für die Studie wurden in Zusammenarbeit mit Kantar 1.990 Angestellte und Freelancer aus Deutschland befragt. In der Publikation „So arbeitet Deutschland“ mit dem Fokus Ingenieurwesen werden die Ergebnisse von 772 Befragten (davon 297 Freelancer) aus dem Engineering-Sektor beleuchtet. Die Studie untersuchtkonkret: Wie arbeiten Ingenieure und Ingenieurinnen in Deutschland heute – und was wünschen sie sich für morgen? Die 1986 in London gegründete Sthree Group ist eine international tätige Personalberatung.

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Von Sarah Janczura

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