Karrierestrategie

Die richtige Strategie für den Berufseinstieg als Ingenieur

Der Berufseinstieg eines Ingenieurs kann für die gesamte Karriere entscheidend sein. Entsprechend problematisch ist es, wenn die Lücke zwischen dem Studienabschluss und der ersten festen Stelle zu groß wird. Eine gute Bewerbungstaktik und alternative Möglichkeiten versprechen Abhilfe.

Man muss nicht das erstbeste Jobangebot akzeptieren.

Man muss nicht das erstbeste Jobangebot akzeptieren.

Foto: panthermedia.net/mast3r

Einige Kardinalfehler beim Umstieg von der Hochschule auf die Berufspraxis sollten vermieden werden, um den Lebenslauf nicht mehr als nötig zu belasten und den Berufseinstieg als Ingenieur zu erleichtern.

Lücken im Lebenslauf richtig adressieren

Oberste Zielsetzung für Hochschulabsolventen muss es sein, möglichst lückenlos im Anschluss an das Studium ein Beschäftigungsverhältnis zu beginnen. Mit anderen Worten: Die zeitliche Spanne zwischen Studienende und Einstieg in den Erstjob sollte so klein wie möglich gehalten werden. Nur so wird verhindert, dass schon zu Karrierebeginn der Lebenslauf erste Macken zeigt. Je größer die Lücke zum Berufseinstieg wird, desto unangenehmer werden im Lauf der Zeit die Nachfragen der Personaler ausfallen. Und auch bei späteren Stellenwechseln wird der mühsame Berufseinstieg immer wieder ein beliebtes Thema für Personaler sein, um hier mit Fragen den Finger in die Wunde zu legen.

Maximal sollten zwischen Ende des Studiums und Einstieg in den ersten Job nicht mehr als sechs Monate liegen. Danach wird es schwieriger, weil sich der Kandidat offensichtlich selbst überschätzt hat, was seinen Stellenwert im Arbeitsmarkt betrifft, oder er die Arbeitsmarktsituation insgesamt verkehrt eingeschätzt hat. Das ist nicht gerade die beste Verkaufsempfehlung für einen Berufseinstieg als Ingenieur! Wie dem auch sei, die Lücke wird immer dem Kandidaten angekreidet. Zudem ziehen nach einem halben Jahr für die meisten Studienfächer frische Kandidaten in den Arbeitsmarkt ein.

Machen Sie sich allerdings bewusst, dass nicht jede Lücke ein Problem darstellt. Es gibt Auszeiten, die sehr gut begründbar und je nach angestrebter Position sogar förderlich sein können. Auf einem unserer Recruiting Tage machten drei Podiumsteilnehmer jungen Ingenieuren Mut. Tenor: Lücken im Lebenslauf sind kein Beinbruch – ganz im Gegenteil.

Der erstbeste Job als Jungingenieur

Kein Absolvent sollte für einen zeitnahen Berufseinstieg gleich den erstbesten Job akzeptieren. Dann tritt die hässliche Zeitlücke zwischen Studienende und erstem Beschäftigungsverhältnis zwar nicht auf, aber karriereförderlich fällt ein übereilter oder unpassender Einstieg häufig nicht aus. Ein Start im verkehrten Unternehmen oder in der falschen Rolle kann später nur mühsam korrigiert werden. Um also Zeitlücke und Fehltritt gleichzeitig zu vermeiden, muss im Grunde mit der richtigen Karriere- und Bewerbungsstrategie zur Sache gegangen werden.

Berufseinstieg als Ingenieur: Aus dem Studium heraus bewerben

Wer seinem Studienende und dem darauf folgenden Berufseinstieg entspannt entgegensehen möchte, sollte sich bereits aus dem laufenden Studium heraus intensiv bewerben. Früher war das selbstverständlich. Heute haben sich viele Ingenieure angewöhnt, sich zunächst auf das Studium zu konzentrieren. Erst nach den letzten Klausuren beziehungsweise nach der Abschlussarbeit wird sich mit dem lästigen Thema des Bewerbens beschäftigt. Im Sinne eines Multiprojektmanagements und bei einer guten Zeitplanung sollte kein Ingenieur damit überfordert sein, beide Aktivitäten parallel laufen zu lassen.

Von der allerersten Bewerbung bis zum tatsächlichen Berufseinstieg können in Anbetracht der unklaren Lage auf den Märkten durchaus sechs, vielleicht auch neun Monate vergehen. Der Einstellungsprozess in den Unternehmen ist in manchen Branchen zäh. In anderen können die Personalbedarfszahlen, die heute gerade frisch errechnet wurden, morgen schon hinfällig sein. Der Kandidat, der gestern noch zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden sollte, erhält stattdessen eine Absage. Oder besser: Die Bewerbungsmappe wird aufgehoben, vielleicht fallen die nächsten Quartalszahlen wieder besser aus und der Kandidat wird wieder interessant. Insofern sollte eher zu viel und frühzeitig in Bewerbungsaktionen investiert werden.

Dass dies nicht nur für ausgeschriebene Stellen, sondern auch für den verdeckten Stellenmarkt gilt, weiß er ein oder andere. Wie man sich aber als Berufseinsteiger ein Netzwerk aufbaut, das den Berufseinstieg durch Vitamin B ermöglicht, lesen Sie hier.

Berufliche Wünsche und Arbeitsmarkt in Einklang bringen

Zwei Dinge sollten angehende Ingenieure im Blick haben: Zum einen sollte der einzelne Absolvent genau wissen, was er will. Zum anderen muss er aber auch genau hinschauen, was der Markt für Ingenieure hergibt. Im Idealfall stimmen Vorstellungen des Kandidaten und die Marktmöglichkeiten überein. Wenn nicht, muss der Kandidat die Bereitschaft zeigen, auf den Markt zuzugehen, um Möglichkeiten zu entdecken, die er früher verworfen hat oder ihm gänzlich verborgen blieben.

Damit es mit dem Berufseinstieg als Ingenieur klappt, ist in konjunkturell schwierigen Zeiten ein hohes Maß an Flexibilität gefragt. Der Einzelne sollte sich nicht stur auf bestimmte Arbeitgeber, Unternehmensgrößen, Branchen, Funktionen oder Regionen fixieren. Junge Hochschulabsolventen tun gut daran, sich von eingefahrenen Klischees zu trennen und sich unterschiedliche Unternehmen und Branchen mit wachen Augen anzusehen. Welche Unternehmen passen noch zu mir, außer den großen Favoriten, bei denen sich jeder bewirbt? Welche Branchen werden zukünftig an Bedeutung einbüßen, welche werden auch noch in zehn Jahren gut dastehen? Ist es wirklich wichtig, dass ein Unternehmen fünf Sterne auf der Brust hat oder sitze ich nicht im Mittelstand krisenfester? Welche Karriere strebe ich an und wo kann ich mich selbst am besten verwirklichen?

Einige Fragen lassen sich erst mit etwas mehr Einsicht klären. Finden Sie dafür die passende Stelle als Praktikant oder Werkstudent – in unserer Praktikabörse.

Als Ingenieur sichtbar werden

Wer einen Überblick bekommen möchte, welche Ingenieurjobs in einer bestimmten Region angeboten werden, sollte aktiv werden. In ganz Deutschland gibt es mittlerweile Jobmessen und Rekrutierungsveranstaltungen, allein der VDI Verlag bietet Recruting Tage in 15 deutschen Städten an. Einige bieten einen Schwerpunkt für bestimmte Fachrichtungen – etwa Bauingenieure.

Bei einer schlechteren Marktlage oder einem sehr begehrten Arbeitgeber sollte das Motto lauten: Aus allen Rohren schießen. Das heißt keineswegs, dass blindlings Bewerbungen versendet werden sollten. Das wäre wenig förderlich. Aber man sollte auf sich als Kandidat aufmerksam machen. Neben Jobmessen und Rekrutierungsveranstaltungen bietet sich etwa die Registrierung in Bewerberdatenbanken, der Besuch von Branchen- und Industriemessen sowie gezielte Initiativbewerbungen (insbesondere auch beim Mittelstand) an.

Während früher der eine oder andere Schönheits-, Grammatik-, Stil-, Rechtschreibfehler den Ingenieuren großzügig verziehen wurde, gilt mittlerweile oberste Sorgfaltspflicht. Betrachtet man heute Onlineprofile und -bewerbungen, so wimmelt es teilweise von Fehlern. Zwar kann immer damit argumentiert werden, dass online eben oberflächlicher ist als die klassische Bewerbung. Nachlässigkeitsfehler lassen aber immer auch auf das wahre Interesse des Kandidaten an dem Unternehmen, die Ernsthaftigkeit der Bewerbung oder aber auf ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal schließen. Das erschwert den Berufseinstieg.

Berufseinstieg als Ingenieur: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Nur bei wenigen Kandidaten reihen sich die Vorstellungsgespräche wie die Perlen auf der Schnur aneinander und geben ausreichend Gelegenheit zum Training, Insofern sollten Vorstellungsgespräche bestens vorbereitet werden. Besonders wichtig ist es, eine inhaltlich durchdachte Motivation herüberzubringen, weshalb der beworbene Job und Arbeitgeber für den Kandidaten besonders interessant sind und warum er/sie genau auf die Position passt. Denken Sie dabei nicht nur an ihre eigene Motivation, sondern auch an das Unternehmen und die Beweggründe des Personalentscheiders.

Alternativen zum direkten Berufseinstieg als Ingenieur

Wer sich trotz aller der Tipps schwertut, einen geeigneten Job zu finden, sollte über Verzögerungsstrategien für den Arbeitsmarkteintritt nachdenken. Besonders beliebt sind hier Maßnahmen wie das Aufbaustudium, die Promotion, die empirische Abschlussarbeit, das (Auslands-)praktika, das Auslandssemester oder das Auslandsstudium. Wichtig ist es, eine breitere Aufstellung im Arbeitsmarkt für nachfolgende Bewerbungen zu bekommen. War etwa das erste Studium zu speziell (Windenergietechnik), empfiehlt es sich, die Zusatzausbildung allgemeiner zu wählen. Aber auch ein höherer akademischer Grad kann den Berufseinstieg als Ingenieur ermöglichen. So sollte etwa der Bachelorabsolvent über ein zusätzliches Masterstudium nachdenken. Interessant sind auch Zusatzausbildungen, die auf Schlüsselqualifikationen abzielen wie Projektmanagement oder Controlling.

Wer, aus welchen Gründen auch immer, keine Möglichkeit zu einer zusätzlichen Ausbildungsmaßnahme hat, wird über einen „kleinen“ Anfang nachdenken. Hin und wieder versuchen sich Kandidaten, etwa über ein Praktikum in den Job zu bringen. Sicherlich ist es sinnvoller einem Praktikum nachzugehen als nichts zu tun. Möglicherweise springt auch eine Vollzeitbeschäftigung heraus. Das einschlägige Praktikum ist auch immer besser als die artfremde Tätigkeit. Bei letzterer entfernt sich der Kandidat mehr und mehr von seinem Fachstudium bis ihm letztlich niemand mehr abnimmt, dass er einen Ingenieurjob ausfüllen kann – der Berufseinstieg als Ingenieur rückt dann in weite Ferne. Dennoch können Praktika nach dem Studium häufig zu größerem Erklärungsbedarf führen. Es ist gut, das bei der Auswahl einer Stelle im Kopf zu behalten.

Tipp:
Wie Sie lernen, den Stellenmarkt richtig zu analysieren

Warum einige Ingenieure längere Zeit arbeitslos sind – und was sie dagegen tun können

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