Bewerbung 04.08.2021, 09:55 Uhr

Taugt der neue Job? Wenn Sie diese Fragen im Vorstellungsgespräch stellen, wissen Sie es

Im Vorstellungsgespräch werden Bewerberinnen und Bewerber auf Herz und Nieren geprüft. Umgekehrt ist das eher weniger der Fall. Warum eigentlich nicht Arbeitgeber und Job auf den Zahn fühlen? Zurückhaltung ist hier fehl am Platz. Wie man möglichst geschickt herauskitzelt, ob die potenzielle neue Stelle wirklich zu einem passt.

Zwei Personen am Tisch Vorstellungsgespräch

Durch die richtigen Fragen im Vorstellungsgespräch erfahren Bewerber Insights über den zukünftigen Job.

Foto: panthermedia.net/baranq

„Und haben Sie noch Fragen?“ Fragen im Vorstellungsgespräch sind eine klare Aufforderung. Falsche Antwort: „Nein, alles prima.“ Natürlich hat man jede Menge Fragen, nur meist traut man sich nicht, diese zu stellen – das könnte sich ja nachteilig auswirken. Was Quatsch ist. Zumindest, wenn man clever und geschickt fragt, um möglichst viel über den neuen Job herauszufinden.

„In jedem Jobinterview geht es darum, was zu tun ist, wie man das am besten erledigt, was es alles dazu braucht und wie man dann als neuer Mitarbeiter im tätigen Alltag mit seinem Einsatz die Kunden, Kollegen, Vorgesetzten… glücklich und zufrieden macht“, sagt Bewerbungstrainer Gerhard Winkler von jova-nova.

Das Interesse sollte also per se zweiseitig sein, weswegen es unklug ist, sich die Chance für Rückfragen entgehen zu lassen. Denn, so Winkler, das „Interesse am Arbeitgeber und an der Aufgabenstellung“ sollte in jedem schlummern: „Nur wer ziemlich genau weiß, was einen erwartet, der kann sich vorab ausrechnen, ob er das überhaupt möchte und ob er an der Aufgabe, an den Umständen, an der Organisation oder an sich selbst scheitern wird.“ Abgesehen davon zeigen Nachfragen, wie intensiv man sich auf das Vorstellungsgespräch und den Arbeitgeber vorbereitet hat, womit man schon mal punktet.

Fragen im Vorstellungsgespräch parieren

Vorstellungsgespräch: Wer fragt, führt

„Es geht für den Bewerber im Vorstellungsgespräch in erster Linie darum, den Job im Großen und Ganzen ebenso wie im Detail voll zu verstehen – einschließlich der zugrundeliegenden Erwartung des Jobanbieters“, erklärt Winkler und rät: „Falls seitens des Arbeitgebers das Briefing über den Job ausbleibt, fragt man als Bewerber eben nach – solange, bis die Positionsbeschreibung, die Aufgabenstellung, die Anforderungen und Ziele ganz geklärt sind.“

Die professionelle Art und Weise, wie sich der Bewerber in den Job – in seinen Zuständigkeitsbereich – hineindenkt, zeige sehr gut die Motivation, das Interesse und den Sachverstand. Winkler:

„Solange man nicht zu kleinteilig fragt oder Banales problematisiert, gewinnt man als Spezialist für Fachfragen immer.“

Der Bewerbungstrainer nennt dieses Set an grundsätzlichen Fragen, durch die sich schon viel klären lässt:

  • An wen berichte ich?
  • Mit wem stimme ich mich ab?
  • Wer unterstützt mich bei …?
  • Was genau ist mein Anteil an …?
  • Wie läuft bei Ihnen der Prozess … ab?
  • Was setzen Sie für … ein?
  • Was wird von mir erwartet, wenn …?
  • Was ist meine Rolle bei …?
  • Wie ist bei Ihnen … geregelt?

Fragen im Vorstellungsgespräch: Besser um die Ecke fragen

Wer etwas über den Anspruch des neuen Chefs oder Unternehmens erfahren möchte, kann fragen: Was ist der Unterschied zwischen einem guten und dem besten Mitarbeiter? Oder auch: Wie definieren Sie Erfolg für diese Position? Was eine konkrete Antwort nach sich ziehen sollte, die weit über das allgemeine Bla-Bla einer Stellenanzeige hinausgehen dürfte. Etwas gewagter, aber durchaus machbar ist auch die Frage: Warum ist die Stelle vakant? Oder auch: Wie lange hat der Vorgänger in dieser Position gearbeitet? Hier lassen sich Rückschlüsse auf das Arbeitsklima und die Arbeitsbelastung ziehen. Ist der Vorgänger noch im Unternehmen (und an höherer Position) kann man Entwarnung geben. Gerade in unsicheren Zeiten wie jetzt ist auch diese Rückfrage legitim: Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen? Vorsicht, wenn das Gegenüber jetzt ins Stammeln gerät oder rosarotem PR-Sprech verfällt. Wichtig (und gut fürs eigene Image) ist auch: Wie werden Mitarbeiter bei Ihnen gefördert? Heißt auch: Ich möchte mich in Ihrem Unternehmen weiterentwickeln und nicht nur Dienst nach Vorschrift tun. Dafür müssen Sie allerdings auch etwas tun… Nicht zuletzt kann man darum bitten, dass der Personaler einen typischen Arbeitstag in der angestrebten Position beschreibt. Das verrät viel, allein schon, weil der ein oder andere dabei kräftig ins Plaudern kommen könnte.

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Offene Fragen sind ohnehin zu empfehlen, da sie den Redefluss befördern, was meist sehr erhellend ist. Bloß nicht: Einfach den Spieß rumdrehen und den Personaler mit dessen Fragen, aber eben vertauschten Rollen, bombardieren. Etwa: Warum arbeiten SIE in diesem Unternehmen? Und bitte nicht Belangloses fragen, wie Umsatz- und Mitarbeiterzahlen, die man mit einem Klick schon vorher in Erfahrung gebracht haben sollte. Kurzum: Alles, was sich im Internet recherchieren lässt, sollte man keinesfalls fragen.

Selbstredend desavouiert sich der Abgeklärte selbst. Die Haltung „Mir brauchen Sie nichts zu erzählen, ich bin joberfahren und weiß genau, wie der Hase läuft“ führt geradezu ins Nichts, merkt Winkler an.

„Je ausgebildeter und befähigter man für eine anspruchsvolle Aufgabe ist, desto mehr und präziser wird man über den ausgeschriebenen Job erfragen“, betont er. „Lassen Sie sich darum einfach von Ihrem Jobinteresse leiten und haben Sie keine Angst davor, zu viel zu fragen. Am Ende eines guten Vorstellungsgesprächs werden Sie den Job verstanden haben und der Arbeitgeber wird ebenso gut erkannt haben, wer Sie in beruflicher und menschlicher Hinsicht sind.“

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Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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