Karrierestrategie 11.05.2016, 00:00 Uhr

Der Mythos vom Traumjob

Was wird nicht alles über Traumberufe und die Traumkarriere geschrieben. Ganze Fernsehserien gaukeln Berufswelten vor, die es so nicht gibt. Doch schon der Begriff „Traum“ sagt ja, dass es sich um eine Illusion handelt, die mit der Realität nicht viel zu tun haben muss.

Berufliche Visionen sollten realistisch eingeschätzt werden.

Berufliche Visionen sollten realistisch eingeschätzt werden.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Traumkarriere, Traumberuf und Realität

Mit 17 hat man noch Träume … Das ist völlig normal und manchmal bringen berufliche Illusionen mehr Motivation und Antrieb als schlichte Fakten. So lernte ich bei einem Krankenhausbesuch eine junge Schwesternschülerin kennen. Sie fiel mir deshalb auf, weil sie die Pflege mit besonderer Hingabe ausübte, sich mit der Patientin unterhielt und im Vorfeld jeden Schritt erklärte. Anschließend beschrieb sie ihr in eingängiger Weise, wie das Inhalationsgerät funktioniert und warum sie regelmäßig inhalieren solle. Ich war sehr überrascht über die vorbildliche Leistung dieser jungen Dame und fragte sie nach ihrem Hintergrund und ihrer Motivation, sich für eine Tätigkeit im Krankenhaus zu entscheiden. Sie antwortete, dass sie Schwesternschülerin wurde, um festzustellen, ob ein Studium der Medizin und die anschließende Arbeit im Krankenhaus als Ärztin für sie das Richtige sei.

Die berufliche Desillusionierung

Ich war überrascht, in welcher Nüchternheit die Dame danach ihre Desillusionierung beschrieb und mit dem Satz schloss, sie würde zwar gerne Ärztin werden, hat aber gesehen, dass die Tätigkeit mit menschlicher Arbeit, Zuwendung und Hilfe wenig zu tun hat. Der Zeitdruck unter dem Patienten behandelt würden, wäre auch nicht ihr Ding. Daher wird sie wohl nach einem anderen Beruf Ausschau halten. Ich konnte gut verstehen, was die junge Dame berichtete und dachte über den Kardiologen nach, der soeben auf einen neu angekommenen Patienten zuging, mit seiner Arbeit loslegte, jedoch nicht mal eine Begrüßungsfloskel über die Lippen brachte oder sich gar als Kardiologe Dr. X. vorstellte. Von einem solchen Vorbild würde ich auch nicht gerne lernen wollen! Bei einem anderen Arzt war zu beobachten, wie er bei laufender Arbeit am Patienten sein Diensthandy betätigte. Man kann sicherlich einiges aber nicht alles mit Überforderung der dünnen Personaldecke begründen. Kein Wunder, dass sich die junge Dame nicht für ihren Traumberuf entscheiden konnte.

Ich denke, so wie es der Schwesternschülerin erging, geht es vielen Absolventen, die von ganz bestimmten Jobs träumen aber nicht richtig einschätzen können, ob diese Berufe für sie das Richtige sind und sie wirkliche auch das Zeug mitbringen, die jeweiligen Ziele zu erreichen. Manchmal stellt sich der vermeintliche Traumjob regelrecht als „Horrorjob“ heraus, weil die berufliche Realität anders aussieht oder die eigene Person (Fähigkeiten und tatsächliche Interessen) falsch eingeschätzt wurden. Wenn dann schon viel Zeit in die verkehrte Ausbildung oder das verkehrte Studium oder die verkehrte Berufsrichtung investiert wurde ….

Berufliche Ziele für Ingenieure

Ohne Visionen, ohne Träume können große Ziel nicht realisiert werden. So verhält es sich sicherlich auch mit manchen beruflichen Zielen. Es ist gut, eine diesbezügliche Vision, einen Traum zu haben, etwa möglichst schnell Geschäftsführer eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens zu werden, eine Position Leiter der Konstruktion und Entwicklung zu erreichen oder als Bauingenieur in den arabischen Emiraten viel Geld zu verdienen usw. Klar ist, dass sich solche Positionen nicht automatisch ergeben, was heute vielfach vergessen wird. Es wird an Ergebnisse gedacht, nicht aber an die Mühen und vielen kleinen Schritte, die vorher zu erbringen sind. Am besten scheint es, alles und sofort zu erreichen!

So wurde in einem Fall voreilig eine offerierte Leitungsposition angenommen, der der Betreffende in keiner Weise gewachsen war. Als Folge zeigten sich nach einiger Zeit erhebliche gesundheitliche und psychische Probleme beim Kandidaten. In einem anderen Fall ging der unerfahrene aber ehrgeizige Wirtschaftsingenieur mit Annahme einer Position rechtliche Verpflichtungen ein, deren Tragweite ihm erst mit Konkurs des Unternehmens klar wurde usw. Das vermeintlich schnelle Glück hat eben oftmals Tücken. Sicherer baut, wer seine Karriere solide plant und mit dem richtigen Timing umsetzt.

Persönliche Grundeinstellungen für die Karriere

Die alte Weisheit „ohne Fleiß kein Preis“ gilt heute in gewisser Weise immer noch, auch wenn die Karrieren der ganz Großen zeigen, dass hier ganz offensichtlich ganz andere Fähigkeiten gefragt sind. Gute Arbeitsleistungen sind die Grundvoraussetzung für die Karriere, d. h. es muss mit viel Elan, Enthusiasmus, teilweise unter Zurückstellung privater Interessen, gerade zu Beginn des Berufslebens gearbeitet werden. Allerdings sollte alles zielgerichtet verlaufen, d. h. nach einem Fahrplan, aus dem sich klar entnehmen lässt, in welchen Branchen, Funktionsbereichen, Unternehmensgrößen etc. das berufliche Glück gesucht wird. Etappenziele auf dem Weg zum endgültigen Karriereziel sollten formuliert werden. Schon der verkehrte Berufsstart oder der schnelle unüberlegte Unternehmenswechsel können die berufliche Zielsetzung in weite Ferne rücken.

Was neben der Karriereplanung wichtig ist

Fleiß alleine und die richtige Karriereplanung reichen allerdings nicht, um die Zielsetzung realisieren zu können. Der persönlich überzeugende Auftritt, der richtige Verkauf der Arbeitsleistungen, die Fähigkeit, sich im machtpolitischen Geflecht von Unternehmen bewegen zu können, gehören genauso dazu. Letztlich muss es Menschen und Umstände, Glück und Zufall geben, die die Karriere tatsächlich zulassen. Evtl. zeigen sich aber links und rechts ganz andere Chancen. Hier ist überlegte Flexibilität gefragt. So mancher Geschäftsführer hatte möglicherweise gar nicht das Ziel, auf eine solche Position zu gelangen. Die Umstände führten dazu, dass sich gerade im richtigen Moment eine solche Jobvakanz auftat. Berufliche Flexibilität ist also gleichsam ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Karriere.

Wer letztlich sein Ziel erreicht hat, ist auch nicht immer glücklich. Plötzlich wird klar, dass die erreichte Position des Leiters Konstruktion und Entwicklung mit bahnbrechenden Erfindungen nicht mehr viel gemeinsam hat. Gefragt sind vielmehr politische und taktische Qualitäten, prinzipielles Durchsetzungsvermögen, unabhängig von sachlichen Argumenten, Umgang mit Zwängen aus den anderen Unternehmensbereichen, vom Kunden etc. Mit der ursprünglichen Illusion hat die Realität wenig gemeinsam.

Nutzwert und Vorbilder

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo in Medien die Meinung herrschte, dass gerade Beiträge zu beruflichen Themen einen hohen Nutzwert haben sollten. Mit anderen Worten: Das, was der Leser liest soll ihm nützlich sein. Das ist der Fall, wenn sich der Leser bei der Lektüre wiederfindet und mit den Ratschlägen in seinem direkten beruflichen Umfeld etwas anfangen kann. Irgendwann wurde die Marschrichtung geändert. Nutzwert war weniger gefragt. Gelungene Karrieren wurden dem Leser als Vorbild vor die Nase gesetzt. Menschen mit großen und bekannten Namen, Menschen, die offensichtlich wissen, wie es geht. Da wird der Beruf der Hotelfachfrau eingeschlagen, weil man sich bereits als Paris Hilton sieht. Faktisch handelt es sich jedoch um Einzelfälle, die nicht generalisierbar sind und nur selten werden die wirklichen Tatsachen auf den Tisch legen, wie es zu der Karriere kam, wer und in welcher Weise mitgeholfen wurde. Solche Beiträge haben zwar wenig Nutzwert, lesen sich aber unterhaltsam und gut. Es ist daher heute gerade für die junge Generation umso wichtiger, sich mit Menschen auszutauschen, die in bestimmten Jobs, in bestimmten Berufsfeldern tatsächlich arbeiten, bevor man eine große Berufsillusion aufbaut.

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