Arbeitswelt Automobil

Die Fahrzeugbranche braucht künftig weniger klassische Ingenieure

Die Automobilbranche ist der beliebteste Arbeitgeber von Ingenieuren und zunehmend von IT-lern. Das dürfte sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Doch der Bedarf verändert sich.

Die Automobilbranche zählt zu den begehrtesten für Ingenieure in Deutschland.

Die Automobilbranche zählt zu den begehrtesten für Ingenieure in Deutschland.

Foto: panthermedia.net/londondeposit

Die begehrtesten Arbeitgeber für Ingenieure in Deutschland kommen seit Jahr und Tag aus der Automobilbranche. Ein Blick auf das aktuelle trendence-Ranking bestätigt: Die vier beliebtesten Arbeitgeber von Studenten der Ingenieurwissenschaften sind allesamt Automobilkonzerne. Doch neben den großen Herstellern gehören auch die starken deutschen Zuliefererbetriebe zur Automobilbranche. Sie folgen den Herstellern als beliebteste Arbeitgeber Nummer fünf und sechs. Klarer als bei den Ingenieuren kann ein Votum nicht ausfallen.

Durch die Vernetzung beschäftigen sich inzwischen auch IT-Riesen wie IBM oder Google viel stärker mit dem Auto. Das Ranking der IT-Absolventen listet denn auch vier der fünf großen Automobilhersteller und zwei der größten Automobilzulieferer unter den Top-15 Arbeitgebern. Die Attraktivität der Branche kennt nur Hochkonjunktur. Der Arbeitsmarkt aber ist volatil.

Jobs im Automobil- und Fahrzeugbau finden

Ingenieure in der Automobilbranche

Ja, Ingenieure sind gefragte Arbeitnehmer. Von den 1,7 Mio. Ingenieuren arbeitete zuletzt jeder zehnte bei Automobilherstellern oder Zulieferern. Der Bedarf der Unternehmen an klassischen Ingenieuren schwächt sich aber insgesamt ein wenig ab, wie die aktuelle Studie des VDI Verlags „Ingenieure und ITler: Berufsperspektiven“ zeigt. Demnach beschäftigen die befragten Unternehmen derzeit in ihren Engineering- und Informatikbereichen vor allem klassische Ingenieure (61%) und ITler (21%). Die übrigen Kollegen sind IT-Ingenieure, die Kenntnisse aus dem Ingenieurwesen und der Informatik in einer Person vereinen. In fünf Jahren, so die Personalentscheider, werde der Anteil der klassischen Ingenieure auf unter 48% sinken, der Anteil der IT-Ingenieure dagegen auf rund 28% ansteigen. Dieser Trend lässt sich sogar in der Automobilindustrie beobachten.

Da die Arbeitsstellen in der Automobilbranche ohnehin hart umkämpft sind, lohnt es sich für Ingenieure, bereits im Studium Kontakte zu knüpfen und die eigenen Voraussetzungen zu prüfen. Da die Automobilbranche international agiert, werden Fremdsprachenkenntnisse vorausgesetzt. Englisch gilt als selbstverständlich, jede weitere Fremdsprache ist ein Bonus für den Bewerber. Darüber hinaus bevorzugen Unternehmen der Automobilbranche Master-Absolventen. Bachelor-Absolventen dagegen kommen meist nur über eine Traineestelle oder – in seltenen Fällen – über Ingenieurdienstleister an den klassischen Vollzeitjob. Wer an einer Anstellung im Automobilbereich interessiert ist, sollte sich also frühzeitig Gedanken darüber machen, welche Fachrichtung ihn oder sie reizt. Durch eine theoretische Spezialisierung, interdisziplinäre Fachkenntnisse und gezielte Branchenpraktika kann man sich von anderen Bewerbern abheben.

Arbeitswelt Automobil im Wandel

Zwei Schlüsseltechnologien werden den Arbeitsmarkt der Automobilbranche durchrütteln. Zum einen die Vernetzung: „Allein in den kommenden drei bis vier Jahren werden die deutschen Hersteller und Zulieferer 16 bis 18 Mrd. Euro in die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren investieren“, schätzt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDA. Um diese Entwicklung zu stemmen, braucht die Branche insbesondere Fachkräfte aus der Informatik und Informationstechnik sowie Elektroingenieure.

Die zweite Schlüsseltechnologie, die einen hohen Bedarf an jungen, kreativen Fachkräften mit sich bringt, ist die Elektromobilität. Der VDA rechnet damit, dass im Jahr 2025 bereits 15% aller Neufahrzeuge weltweit elektrifiziert sein werden. Elektroingenieure sind also auch hier gefragt. Darüber hinaus werden aber auch Maschinenbauingenieure und Ingenieure mit den Schwerpunkten Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Verfahrens- oder Feinwerktechnik gesucht bleiben. Die Berufsbilder und Anforderungen an Ingenieure werden sich geringfügig ändern, die Schwerpunkt werde sich in einigen Teilen verschieben, doch der Bedarf an Experten mit ingenieurwissenschaftlichem und Informatikverständnis, der dürfte weiterhin hoch bleiben. Weiterhin, weil bereits in den vergangenen sieben Jahren jede zweite Arbeitsstelle für Ingenieure im Fahrzeugbau und den wissensintensiven Dienstleistungen geschaffen wurde, wie eine iw-Studie im Auftrag des VDI zeigt.

Künftige Herausforderungen für die Automobilbranche

Nahezu alle Unternehmen der Automobilbranche sind von einem weiteren Trend betroffen, der vor lauter Mega- und Metatrends etwas in den Hintergrund gerückt ist: der Internationalisierung. In der Automobilbranche verlagern sich trotz der Zwei-Säulen-Strategie, bei der die Fertigung in den Wachstumsmärkten ebenso ausgebaut werden sollte wie der Export aus Deutschland, weiterhin Arbeitsplätze ins Ausland. Der Grund sind die seit Jahren schwachen Absatzzahlen in Europa: Drei von vier Neuwagen, die in Deutschland hergestellt werden, gehen in den Export, über 60% der deutschen Autos werden im Ausland produziert. Die Märkte der Zukunft befinden sich in Asien, namentlich China und Indien, und Nordamerika. Um Kosten und Logistik zu sparen, werden die Arbeitsplätze genau dorthin verlagert. Die von Trump angekündigten Strafzölle belohnen nun die deutschen Autohersteller, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Viele der Wachstumsmärkte in Asien und Südamerika verzeichnen einen regelrechten Bevölkerungsboom. Die Ballungszentren beheimaten schon heute mehrere Millionen Menschen, der Platz für individuelle Mobilitätswünsche ist begrenzt. In Wachstumsmärkten wie Indien muss die deutsche Automobilbranche aufpassen, dass heimische Hersteller wie Tata in den kommenden Jahren nicht allein die neureichen Haushalte und die überfüllten Straßen erobern. Die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern verlangen wenn überhaupt, dann bezahlbare Modelle, die spritsparender und günstiger sind als viele deutsche Hersteller ihre Fahrzeuge verkaufen könnten.

Viele Unternehmen haben diesen Trend erkannt und sind im Geschäft mit Share-Modellen aktiv, einige entwickeln selbstfahrende Busse und wieder andere experimentieren mit Flugtaxis. Die Konkurrenz allerdings ist groß und sie kommt aus allen möglichen Ecken, ob Sono Motors , DHL oder Ingenieure der RWTH Aachen, der Automobilbau in Deutschland ist längst kein exklusives Spielfeld für etablierte Hersteller mehr. Neue Trends, neue Anbieter?

Wie die deutschen Autos bei gleichbleibender Qualität weniger Sprit verbrauchen, leichter werden, einen geringeren CO2-Ausstoß verzeichnen und als Sharing-Modelle Geld abwerfen, dafür werden wohl noch einige gut ausgebildete Ingenieure, Informatiker und IT-Ingenieure ihr Wissen einbringen dürfen.

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Von Lisa Schneider

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